Finanzen

Ifo-Präsident warnt vor nicht-finanzierten Steuersenkungen

  • dts - 17. Februar 2026, 14:42 Uhr
Bild vergrößern: Ifo-Präsident warnt vor nicht-finanzierten Steuersenkungen
Bundesfinanzministerium (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

München (dts Nachrichtenagentur) - Ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Pläne von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil, die Steuern für mittlere und untere Einkommen zu senken, als kaum finanzierbar bezeichnet.

Allein die Abflachung des sogenannten Mittelstandsbauchs würde den Staat mehr als 30 Milliarden Euro im Jahr kosten, sagte er der FAZ (Mittwochausgabe). "Steuerlasten sind letztlich die Konsequenz von Ausgaben. Wenn man steuerlich entlasten will, muss man Ausgaben senken - da müsste die Regierung eigentlich beginnen." Die Bereitschaft der Koalition, an die Ausgaben ernsthaft heranzugehen, sei "bislang nicht vorhanden".

Auch eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, wie sie die SPD zur Gegenfinanzierung ins Spiel bringt, sieht Fuest skeptisch. "Die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist jetzt schon angespannt, es wird viel zu wenig investiert - will man das noch verstärken?", fragte er. Eine höhere Belastung der Spitzenverdiener würde sich "mittelbar negativ auf die Einkommen der Mittelschicht auswirken". Den Vorschlag von CDU-Generalsekretär Linnemann, den Spitzensteuersatz erst ab 80.000 Euro greifen zu lassen, nannte Fuest in der Entlastungswirkung schwer abschätzbar. Das sei "Kaffeesatzleserei", da die Kosten je nach Ausgestaltung des Tarifverlaufs erheblich variieren würden.

Mit Blick auf die prognostizierte Haushaltslücke von rund 130 Milliarden Euro zwischen 2027 und 2029 rechnet der Ökonom mit einer Mischung aus Ausgabenbegrenzungen, Steuerverschärfungen und zusätzlicher Verschuldung. Er fürchte, dass die Regierung weitere Mittel aus Sondervermögen umwidmen werde - die viel kritisierte Zweckentfremdung könne also sogar noch zunehmen, "weil einfach der Druck so groß ist".

Mittelfristig hält Fuest auch eine Mehrwertsteuererhöhung für kaum vermeidbar. "Mittelfristig kann man nicht ausschließen, dass die Politik als ultima ratio die Mehrwertsteuer erhöht", sagte er. Eine Umsatzsteuererhöhung sei "weniger wachstumsfeindlich" als eine Einkommensteuererhöhung, weil sie sich weniger negativ auf Investitionen auswirke. Zugleich sagte er: "Wenn man mehr Wachstum haben will und wenn man steuerliche Entlastung haben will, muss der Staat nun mal Ausgaben kürzen."

Die Hoffnung der Bundesregierung, die Haushaltslage durch stärkeres Wirtschaftswachstum zu entschärfen, dämpfte Fuest deutlich: "Wir haben keine Hinweise, dass es zu einem Aufschwung kommt, der über das hinausgeht, was ohnehin eingepreist ist. Da sehe ich nichts kommen."

Weitere Meldungen

Ergo will bis Ende 2030 rund 1.000 Stellen abbauen

Düsseldorf (dts Nachrichtenagentur) - Der Versicherer Ergo will in Deutschland bis einschließlich 2030 etwa 200 Arbeitsplätze pro Jahr abbauen. Darauf hat sich Ergo im Rahmen

Mehr
Union und SPD lehnen Mehrwertsteuererhöhung ab

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Für Union und SPD ist das vom Ökonomen Marcel Fratzscher prophezeite Szenario einer Mehrwertsteuererhöhung nach eigenen Angaben keine Option.

Mehr
DIW-Präsident Fratzscher erwartet Mehrwertsteuererhöhung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesbürger müssen sich nach den Worten des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher,

Mehr

Top Meldungen

Rosatom beendet Liefervertrag mit Siemens Energy für AKW Paks II

München (dts Nachrichtenagentur) - Der deutsche Energiekonzern Siemens Energy ist nicht mehr als Technik-Lieferant am Bau des ungarischen Atomkraftwerks Paks II beteiligt. Der

Mehr
Handelsverband begrüßt Verfahren gegen Shein

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Alexander von Preen, hat das Verfahren der EU-Kommission gegen Shein als "ermutigendes

Mehr
Umfrage: Verbraucher passen Urlaubspläne wegen steigender Preise an

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Zwei Drittel der Verbraucher planen trotz gestiegener Lebenshaltungskosten, 2026 zu verreisen. Das ergab eine Umfrage von Yougov im Auftrag der

Mehr