Lifestyle

Kliniken weisen Betrugsvorwürfe in der Pflege scharf zurück

  • dts - 12. Januar 2026, 10:32 Uhr
Bild vergrößern: Kliniken weisen Betrugsvorwürfe in der Pflege scharf zurück
Krankenhaus (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Im Streit um die Finanzierung des Gesundheitswesens reagieren die deutschen Kliniken empört auf Betrugsvorwürfe des Dachverbands der Betriebskrankenkassen (BKK). Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, sprach in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von "unverschämten" Unterstellungen und forderte die Auflösung des BKK-Bundesverbands.

Zuvor hatte die BKK-Verbandsvorsitzende Anne-Kathrin Klemm der FAZ gesagt, sie halte es für "Betrug", dass Kliniken ihre Pflegekosten bewusst falsch abrechneten. Sie warf Krankenhäusern vor, Verwaltungsmitarbeiter nur der Form halber zu Pflegeassistenten weiterzubilden, um deren Gehälter über das Pflegebudget abzurechnen. Die stark steigenden Gesundheitsausgaben sind Klemm zufolge auch auf diese Praxis zurückzuführen.

DKG-Chef Gerald Gaß wies die Vorwürfe in der FAZ zurück. "Der Vorwurf des Betrugs im Zusammenhang mit dem Pflegebudget entbehrt jeder Grundlage", sagte er der Zeitung. Die Budgets würden entsprechend den gesetzlichen Vorgaben von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert. "Wenn Frau Klemm es nicht wüsste, wäre es ein Zeichen von Inkompetenz. Wenn sie es weiß, will sie offenbar bewusst die Verantwortlichen in den Krankenhäusern verleumden", so Gaß. Wer von Betrug spreche, müsse konkrete Belege liefern.

Gaß warf Klemm zudem vor, die Abschaffung des unbegrenzten Pflegebudgets nur zu fordern, um Gehaltserhöhungen in der Pflege zu verhindern. Auch Klemms Kritik an der Entbudgetierung der ärztlichen Honorare stößt im Gesundheitswesen auf Ablehnung. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sprach in der FAZ von "reiner Polemik". Die Aufhebung der Honorarbegrenzungen für Haus- und Kinderärzte sei "überfällig" gewesen und habe den Zugang der Versicherten verbessert. Bei Fachärzten würden immer noch 40 Millionen Termine im Jahr nicht unvergütet.

Unterstützung erhält Klemm hingegen vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dessen Vorsitzender Oliver Blatt bezeichnete das neue Jahr in der FAZ als entscheidend für die Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen. Die bisherigen Sparbemühungen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) reichten nicht aus. Die GKV-Mehrausgaben für Honorare, steigende Medikamentenpreise und mehr Leistungen bezifferte Blatt für 2026 auf "weit mehr als 20 Milliarden Euro".

Wie Klemm befürchtet auch Blatt Beitragssatzanhebungen möglicherweise noch im Jahresverlauf. "Ohne nachhaltige Veränderungen müssten sich viele Millionen Versicherte und deren Arbeitgebende darauf einstellen, dass die Krankenkassenbeiträge allerspätestens zum nächsten Jahreswechsel erneut steigen."

Weitere Meldungen

Entwicklungsministerin erwartet "schmerzhafte Kürzungen"

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) will die Folgen der geplanten Kürzungen im Etat ihres Hauses durch eine Neuausrichtung

Mehr
Als "Genie" bekannte Schimpansin Ai mit 49 Jahren in Japan gestorben

Die Schimpansin Ai konnte das Alphabet und mehr als hundert chinesische Schriftzeichen erkennen - nun ist sie im Alter von 49 Jahren in Japan gestorben. Ai starb am Freitag an

Mehr
Umfrage: Ein Drittel der Haustiere in Deutschland darf im Bett schlafen

Ein Drittel der Haustiere in Deutschland darf einer Umfrage zufolge im Bett des Halters schlafen. Mit 29 Prozent ist der Wert der höchste unter mehreren europäischen Ländern,

Mehr

Top Meldungen

Verhandlungen abgeschlossen: Bund will bei Tennet einsteigen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Bundesregierung hat die Verhandlungen über einen Einstieg bei Tennet Deutschland offenbar abgeschlossen und will sich mit insgesamt rund 7,6

Mehr
Gasverbrauch in Deutschland 2025 leicht gestiegen

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland etwas mehr Gas verbraucht worden als im Vorjahr. Der Verbrauch lag bei 864 Terawattstunden - knapp 2,2 Prozent mehr als 2024, wie die

Mehr
Kommunen fordern Bundeshilfe wegen Rekorddefizit

Kaiserslautern (dts Nachrichtenagentur) - Das Defizit in den Haushalten der Städte und Gemeinden ist im dritten Quartal weiter gewachsen und hat ein Rekordminus erreicht. Das

Mehr