Wirtschaft

Solarmodule: Deutschlands letzte Silizium-Firma stellt Geschäft ein

  • dts - 11. Dezember 2025, 19:32 Uhr
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Solarzellen auf einem Dach (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

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Pocking (dts Nachrichtenagentur) - Mitten in der Rohstoffkrise stellt der letzte deutsche Hersteller von Silizium sein Geschäft endgültig ein. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitagsausgabe) berichtet, wird RW Silicium im niederbayerischen Pocking zum 31. Dezember 2025 schließen.

"Wir mussten diese Entscheidung treffen, weil es trotz aller Versuche letztlich keine wirtschaftliche Perspektive mehr für den Standort gab", sagte Heinz Schimmelbusch, der Vorstandsvorsitzende der Muttergesellschaft AMG, der Zeitung.

Vorangegangen seien drei Jahre vergeblicher Rettungsversuche, so Schimmelbusch. Nun könne er keine Erwartungen mehr wecken, die er nicht halten könne. Die 110 Beschäftigten sollen an diesem Freitag über die Schließung informiert werden. Anschließend sollen Gespräche mit der Belegschaft über die Konditionen der Werkschließung starten.

Die 1942 in Pocking eröffnete Fabrik hat in besten Zeiten rund 30.000 Tonnen metallurgisches Silizium hergestellt. Dieses Halbmetall wird als Grundstoff in der Elektronikindustrie benötigt ebenso wie für Solarmodule oder für die Batterieproduktion. Zuletzt war jedoch nur noch einer von vier Öfen in Betrieb, ein Großteil der Belegschaft schon in Kurzarbeit.

Eine Ursache für den Niedergang des Standortes ist der Strompreisanstieg in Deutschland nach dem Überfall der Ukraine durch Russland. Laut Schimmelbusch verdreifachten sich dadurch die Stromkosten auf neun Cent je Kilowattstunde. Durch die deutsche Industriekrise ist zudem die Nachfrage erheblich gesunken und günstiges Silizium vor allem aus China drückt die Weltmarktpreise. RW musste zuletzt bis zu 40 Prozent unter den Herstellungskosten produzieren, hieß es.

Mit Pocking zieht sich der letzte deutsche Hersteller just in einer Phase, in der sich die Bundesregierung und die EU-Kommission eigentlich um größere Unabhängigkeit in den Rohstofflieferketten bemühen, vom Markt zurück. Auslöser der Bemühungen sind die von Peking verschärften Ausfuhrbeschränkungen für Seltene Erden und Technologiemetalle. China ist für viele Rohstoffe der größte Exporteur und verfügt über eine große Marktmacht.

RW Silicium ist kein Einzelfall: Die PCC-Gruppe aus Duisburg hatte dem Bericht zufolge schon im Frühjahr ihre Silizium-Produktion in Island temporär stillgelegt und mehr als 100 Mitarbeitern gekündigt. PCC-Vorstandschef Peter Wenzel sagte der Zeitung, man sehe sich nahezu ungeschützt einem zunehmend unfairen und teilweise ruinösen Wettbewerb durch Importe aus Ländern ausgesetzt mit wesentlich geringeren Standards hinsichtlich sozialer Aspekte, Arbeitsschutz, Menschenrechten sowie Umwelt und Klima.

"Dumpingimporte aus China, wo etwa in der Provinz Xinjiang große Mengen von Silizium und dessen Folgeprodukten auf Basis von Zwangsarbeit und nicht ansatzweise vergleichbaren Umwelt-, Sozial- und Arbeitsschutzstandards hergestellt werden, erreichen den europäischen Markt nahezu ohne Restriktionen", so Wenzel. PCC hofft noch auf eine Anti-Dumping-Beschwerde, die man beim isländischen Wirtschaftsministerium angestrengt hat und hält sich eine Wiedereröffnung offen.

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