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Sexpuppen-Skandal: Frankreich will Onlinehändler Shein vorläufig sperren

  • AFP - 5. November 2025, 17:14 Uhr
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Shein-Geschäft in Paris
Bild: AFP

Während in Paris der erste dauerhafte Laden des asiatischen Onlinehändlers Shein eröffnete, hat die französische Regierung die vorläufige Sperre dessen Online-Plattform angekündigt.

Während in Paris der erste dauerhafte Laden des asiatischen Onlinehändlers Shein eröffnete, hat die französische Regierung die vorläufige Sperre dessen Online-Plattform angekündigt. Hintergrund ist der Skandal um den Verkauf von Sexpuppen mit kindlichen Zügen. Die Regierung habe ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, teilte das Büro von Premierminister Sébastien Lecornu mit, ohne Details dazu zu nennen. 

Die Plattform solle in Frankreich so lange gesperrt bleiben, bis das Unternehmen sich nachweislich an französisches Recht halte. Die zuständigen Minister sollen demnach innerhalb von 48 Stunden einen Zwischenbericht vorlegen.

Die Eröffnung des etwa 1000 Quadratmeter großen Shein-Geschäfts auf der sechsten Etage des Pariser Traditionskaufhauses BHV wurde von zahlreichen Protesten begleitet. Diese richteten sich sowohl gegen die verheerende Umwelt- und Sozialbilanz des Unternehmens als auch gegen den jüngsten Skandal um Sexpuppen, die von der französischen Justiz als pädopornografisch eingestuft wurden. Die Modemarke agnes b. gab aus Protest gegen die Zusammenarbeit mit Shein ihren Rückzug aus dem BHV-Kaufhaus bekannt. 

Mehrere Kaufhäuser der Kette Galerie Lafayette außerhalb von Paris, in denen ebenfalls Shein-Geschäfte einziehen sollen, sollen nun in BHV umbenannt werden.

Shein kündigte seinerseits an, in Frankreich bis auf weiteres keine Produkte von Drittanbietern mehr zu vermarkten. Unterdessen appellierten mehrere Abgeordnete der französischen Nationalversammlung an die EU-Kommission, die Regeln für Onlinehändler und die damit verbundenen Sanktionen zu verschärfen.

In den vergangenen Tagen war das Unternehmen ins Visier der französischen Justiz geraten, weil es Sexpuppen anbot, die Mädchen im Grundschulalter ähnelten. Die etwa 80 Zentimeter große Puppe, die einen Teddy im Arm hält, war für knapp 190 Euro als "Spielzeug für die männliche Masturbation" angeboten worden.

Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen der Verbreitung von Darstellungen Minderjähriger mit pornografischem Charakter gegen Shein und den chinesischen Versandhändler AliExpress.

Shein verwies auf einen internen Fehler und sagte die Zusammenarbeit mit der Justiz zu. Sämtliche Sexpuppen seien aus dem Angebot genommen worden, teilte das Unternehmen mit. Es sollten außerdem sämtliche Produkte für Erwachsene überprüft werden.

Dessen ungeachtet zog die Eröffnung des Shein-Geschäfts in Paris zahlreiche, überwiegend weibliche Kundschaft an. "Natürlich sollten wir lieber 'Made in France' kaufen, aber das ist teuer", sagte die 43 Jahre alte Marie. Die knapp 60 Jahre alte Yamina erklärte, dass sie häufig bei Shein bestelle, weil sie nicht viel Geld habe. Sie lebt in einer Pariser Vorstadt und war zum ersten Mal in das Pariser Kaufhaus gekommen.

An der Fassade des BHV hing ein großes Plakat mit den Porträts der Unternehmenschefs von BHV und Shein. Zur Eröffnung waren auch zahlreiche Kritiker gekommen. "Schützt die Kinder und nicht Shein", war auf einem Plakat von Demonstranten zu lesen. An der Fassade des gegenüber liegenden Pariser Rathauses hing ein Transparent mit den Worten "Shein, nein Danke". 

Das in China gegründete und inzwischen in Singapur ansässige Unternehmen steht seit langem in der Kritik, weil es die Märkte mit Billigwaren überschwemmt, die unter ökologisch und sozial fragwürdigen Bedingungen hergestellt werden.

In Deutschland gab es zuletzt einen sogenannten Pop-up-Store im Juni in Frankfurt. Die Frage, ob die Sexpuppen mit kindlichen Zügen auch in Deutschland im Angebot waren, ließ ein Unternehmenssprecher unbeanwortet. Den Vorwurf, der Onlinehandel habe schwerwiegende Folgen für die Umwelt, wies er zurück.

Umweltorganisationen verweisen darauf, dass sogenannte Ultra-Fast Fashion meist von minderer Qualität ist, Schadstoffe enthält und schnell auf dem Müll landet. Zudem zieht die Luftfracht hohe CO2-Emissionen nach sich. 2024 kamen insgesamt 4,6 Milliarden Pakete mit Waren bis zu 150 Euro in EU-Staaten an. 

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