Finanzen

Ökonomen zweifeln an Wirksamkeit des "Investitionsboosters"

  • dts - 4. Juni 2025, 12:58 Uhr
Bild vergrößern: Ökonomen zweifeln an Wirksamkeit des Investitionsboosters
Finanzministerium (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Führende Ökonomen halten den am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossenen "Investitionsbooster" für nicht ausreichend, um Deutschlands Wirtschaft wieder auf den Wachstumspfad zu bringen.

"Als Ganzes wird der Investitionsbooster keine Wirtschaftswunder schaffen und wirtschaftlich nur geringe direkte Effekte haben, sondern es ist vor allem ein symbolisches Instrument, um wieder mehr Vertrauen zu schaffen", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW Berlin), Marcel Fratzscher, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben).

Ähnlich äußerte sich auch der Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller. Er sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die Standortbedingungen insgesamt sollten durch Strukturreformen verbessert werden. "Hier sind vor allem die Bereiche Demografie, Energie und Bürokratie zu nennen. Ohne echte Verbesserungen in diesen Bereichen werden finanzielle Investitionsanreize für Unternehmen allein nicht reichen, um die wirtschaftliche Krise zu beenden."

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch ein milliardenschweres Paket mit Steuerentlastungen für Unternehmen auf den Weg gebracht. Das Gesetzespaket von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll Firmen Anreize für Investitionen geben - unter anderem durch erweiterte Abschreibungsmöglichkeiten für Maschinen und Elektrofahrzeuge. Konkret sollen Firmen in den Jahren 2025 bis 2027 Sonderabschreibungen in Höhe von bis zu 30 Prozent für Investitionen tätigen können. Die Maßnahme soll für Investitionen ab dem 1. Juli 2025 und vor dem 1. Januar 2028 gelten.

"Die schnelleren Abschreibungsmöglichkeiten dürfte eine kleine Erhöhung der privaten Investitionen herbeiführen. Die Hilfen für Unternehmen bei E-Autos sind dagegen reine Klientelpolitik", so DIW-Präsident Fratzscher. IWH-Vize Holtemöller sagte: "Sonderabschreibungsregeln haben auch einen stimulierenden Effekt auf Unternehmensinvestitionen. Aber es ist ein sehr teures Instrument, das viele Mitnahmeeffekte mit sich bringt." Kommunalvertreter hatten bereits vor überproportional hohen Kosten gewarnt.

Weitere Meldungen

SPD dämpft Erwartungen an Klingbeils Ehegattensplitting-Reform

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) stößt mit seinem Vorschlag für eine Nachfolge des Ehegattensplittings in seiner eigenen Partei wie

Mehr
CDU-Arbeitnehmerflügel kritisiert Regierungskurs scharf

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - In der CDU gibt es Unmut darüber, wie die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die geplanten großen Reformen angeht. "Der neue

Mehr
Klingbeil schlägt Ersatz für Ehegattensplitting vor

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat ein neues Modell vorgeschlagen, mit dem das Ehegattensplitting ersetzt werden soll. "Für die

Mehr

Top Meldungen

Ölkrise: Grüne wollen Maßnahmen "ohne ideologische Scheuklappen"

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts der Preissteigerungen für Benzin und Diesel drängt Grünen-Chef Felix Banaszak auf mehrere Maßnahmen, um den Kraftstoffverbrauch zu

Mehr
SPD-Generalsekretär fordert "Übergewinnsteuer"

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts der hohen Spritpreise durch den Iran-Krieg fordert der SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf weitere Maßnahmen, um die Kosten für

Mehr
Karsamstag drohen leere Eier-Regale

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Unmittelbar vor den Ostertagen steuert Deutschland auf leere Eier-Regale in den Supermärkten zu. Lücken gebe es bereits seit geraumer Zeit,

Mehr