Gesundheit

Mediziner entzaubern Mythos über "sekundäres Ertrinken" von Kindern

  • Lars Wallerang/mp - 27. Juni 2023, 12:38 Uhr

In den vergangenen Jahren wurde vermehrt in Medienberichten suggeriert, Kinder könnten noch Stunden oder sogar Tagen nach dem Verschlucken von kleinen Wassermengen versterben.


In den vergangenen Jahren wurde vermehrt in Medienberichten suggeriert, Kinder könnten noch Stunden oder sogar Tagen nach dem Verschlucken von kleinen Wassermengen versterben. Viele Eltern befürchten deshalb, dass das Spielen im Wasser eine ernsthafte Gefahr für ihre Kinder darstellt. Vor diesem Hintergrund ist es Dr. Till Dresbach, Neonatologie und Kinderintensivmedizin am Uniklinikum Bonn (UKB), ein wichtiges Anliegen, zu Beginn des Sommers eine medizinische und faktenbasierte Klassifizierung des Ertrinkens als Unfall- oder Todesursache zu präsentieren.

"Es ist bedauerlich, dass aufgrund einzelner tragischer Vorfälle nach wie vor in Zeitschriften und den sozialen Medien falsche Informationen über das Ertrinken verbreitet werden", betont Dresbach. "Diese irreführenden Berichte verursachen immense Ängste bei Eltern und lenken von den entscheidenden Informationen zur Prävention von Ertrinkungsunfällen ab."

Die Begriffe "sekundäres Ertrinken" oder "trockenes Ertrinken" seien keine Fachbegriffe und würden in öffentlichkeitswirksamen Medien häufig synonym verwendet und suggerieren, dass ein Mensch im Nachgang an einen Bade- oder Ertrinkungsunfall verstirbt - vermeintlich nicht durch das "klassische" Ertrinken, sondern an den Folgen des Wasseratmens. Es sei wichtig zu verstehen, dass das Verschlucken bzw. Aspirieren geringer Wassermengen in die Atemwege beim Spielen im Wasser in den meisten Fällen medizinisch nicht relevant ist. Vielmehr führt dies meistens zu einem Hustenreiz, der die Lunge schützt.

"Täglich atmen hunderte Kinder kleine Mengen Wasser beim Spielen im Schwimmbad, Pool oder Planschbecken ein, und dies stellt in der Regel keine Gefahr dar." sagt Prof. Dr. Andreas Müller, Direktor der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am UKB, der solche Fälle während seiner langjährigen klinischen Erfahrung nicht beobachtet hat. In den vergangenen zehn Jahren sei kein einziges Kind im UKB aufgrund des Verschluckens von Wasser während des Schwimmens intensivmedizinisch behandelt worden.

Wirkliche Gefahr bestehe erst, wenn größere Mengen Wasser in die Lunge gelangen. "In solchen Fällen kann sich der Zustand in den ersten Stunden nach der Rettung aus dem Wasser verschlechtern", sagt Müller. Es sei jedoch wichtig festzuhalten, dass Menschen nicht unerwartet Tage oder Wochen später an Ertrinken sterben, ohne vorherige Symptome zu zeigen.

Bei folgenden Symptomen raten die Bonner Kinderintensivmediziner nach einem Badeunfall einen Arzt aufzusuchen: Dazu gehören anhaltender Husten, schnelle und angestrengte Atmung, Erbrechen und psychische Auffälligkeiten.
Als Faustregel gilt: Wenn beim Schwimmen Wasser eingeatmet wird und anschließend die Symptome schwerwiegender sind als beim Verschlucken eines Getränks, sollten Eltern oder Aufsichtspersonen sich mit ihren Kindern ärztlich vorstellen oder medizinische Hilfe aufsuchen.

Weitere Meldungen

Studie: Jeder dritte Jugendliche massiv durch Schulstress belastet

Jeder dritte Jugendliche in Deutschland fühlt sich durch Schulstress massiv belastet. Vor allem Mädchen setzt der Druck in der Schule zu, wie aus der aktuellen

Mehr
Rotes Kreuz beklagt Angriffe auf Ebola-Helfer im Kongo

Das Rote Kreuz hat Angriffe auf Mitarbeiter in der Demokratischen Republik Kongo verurteilt, die am Kampf gegen die Ebola-Epidemie beteiligt waren. "Angriffe auf ehrenamtliche

Mehr
Nordmazedonien: Schon fünf Tote durch von Mücken übertragenes West-Nil-Virus

Das von Stechmücken übertragene West-Nil-Virus hat in Nordmazedonien in den vergangenen Wochen bereits fünf Menschen getötet. Wie das nordmazedonische Gesundheitsministerium

Mehr

Top Meldungen

AOK-Chefin: Pflegekasse droht 2027 Defizit von acht Milliarden Euro

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Finanzproblem der sozialen Pflegeversicherung ist nach Einschätzung der AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann inzwischen noch dramatischer

Mehr
Linken-Chefin fordert Entlastungspaket wegen hoher Spritpreise

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Vor der Kabinettsklausur der Bundesregierung fordert Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner die Koalition auf, angesichts der hohen Spritpreise ein

Mehr
Linke und DGB fordern Finanztransaktionssteuer

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Angesichts ausbleibender Fortschritte auf EU-Ebene dringt die Linke auf die Einführung einer Finanztransaktionssteuer in Deutschland. Das

Mehr