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Bundesanwaltschaft fordert lebenslange Haft in Prozess um Tiergarten-Mord

  • AFP - 7. Dezember 2021, 18:49 Uhr
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Justitia
Bild: AFP

Im Prozess um den mutmaßlichen russischen Auftragsmord im Kleinen Tiergarten in Berlin hat die Bundesanwaltschaft eine lebenslange Haft gefordert. Sie geht davon aus, dass der Angeklagte im Auftrag staatlicher russischer Stellen handelte.

Mord in staatlichem russischen Auftrag - so hat die Bundesanwaltschaft im Prozess um die Tötung eines Mannes im August 2019 im Kleinen Tiergarten in Berlin die Tat eingeschätzt. Die beiden Vertreter der obersten deutschen Anklagebehörde forderten in ihrem gut vier Stunden dauernden Plädoyer am Dienstag vor dem Berliner Kammergericht dementsprechend eine lebenslange Haftstrafe für den angeklagten Russen Vadim K. 

Die Anklagevertreter sahen es als erwiesen an, dass dieser sein Opfer 2019 in dem Park erschossen hatte. Dieses, der tschetschenischstämmige Georgier Tornike K., habe als Anführer einer tschetschenischen Miliz während des zweiten Tschentschenienkriegs 2000 und 2004 gegen Russland gekämpft, führten die Anklagevertreter in dem Strafschutzverfahren aus. Er sei deshalb von den russischen Sicherheitsbehörden als Terrorist und Staatsfeind betrachtet worden. Der Angeklagte habe ihn daher "liquidiert, um Vergeltung zu üben".

Der Angeschuldigte ist nach der Darstellung der Anklage ein früherer Oberst einer Spezialeinheit des russischen Geheimdiensts FSB und reiste wenige Tage vor der Tat unter einer Aliasidentität mit einem Schengenvisum von Moskau über Paris und Warschau nach Berlin.

Dort erschoss er am 23. August 2019 sein Opfer im sogenannten Kleinen Tiergarten mit einer Pistole mit Schalldämpfer, wobei er sich von hinten auf einem Fahrrad näherte. Der Angeklagte habe zuerst zwei Schüsse im Fahren abgegeben, woraufhin Tornike K. zu Boden fiel. Auch der Angeklagte stürzte vom Fahrrad, stand jedoch wieder auf und verpasste dem am Boden liegenden Opfer einen dritten Schuss in den Kopf. Dieser letzte Schuss zeige den Anklagevertretern zufolge "den kühlen, berechnenden, unbedingten Vernichtungswillen des Täters".

Danach sei der Angeschuldigte mit dem Fahrrad geflohen. In einem Gebüsch habe er sich dann umgezogen und die Tatkleidung, die Waffe und das Fahrrad in die Spree geworfen. Dabei wurde er jedoch von Zeugen beobachtet und anschließend von alarmierten Beamten festgenommen. 

Vadim K. sei unter anderem aufgrund der aus dem Wasser gezogenen Tatwaffe, DNA- und Schmauchspuren auf der Tatkleidung und einer Verletzung am Unterschenkel die einer Gutachterin zufolge vom Fahrradsturz stamme "ohne Zweifel überführt".

Insgesamt ergebe sich das "Bild eines offensichtlich von langer Hand geplanten Attentats", sagte einer der Vertreter der Anklagebehörde. Der Angeklagte sei bei der Vorbereitung der Tat von Dritten unterstützt worden. Wer genau den Auftrag gab, könne aber nicht abschließend festgestellt werden.

Die Bundesanwaltschaft beantragte eine lebenslange Haft wegen Mordes. Es seien die beiden Mordmerkmale der Heimtücke und der sonstigen niedrigen Beweggründe erfüllt. Der Getötete habe sich auf deutschem Staatsgebiet in Sicherheit gewähnt. Die von einer staatlichen russischen Stelle beauftragte Tötung sei "eine radikale Missachtung rechtsstaatlicher Prinzipien" und verletzte die staatliche Souveränität der Bundesrepublik.

Die Anklagevertreter beantragten deshalb zudem die Feststellung der besonderen Schuldschwere, was eine vorzeitige Haftentlassung im Fall einer entsprechenden Verurteilung praktisch ausschließen würde. Der Angeklagte sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. 

Der Fall und die Ermittlungen dazu belasten das Verhältnis zwischen Russland und Deutschland schwer. Nach der Tat wies die Bundesregierung als Reaktion zwei russische Diplomaten aus. Die russische Seite wies die Vorwürfe als haltlos zurück.

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