Politik

Gesundheitsminister wollen Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen einleiten

  • AFP - 1. August 2021, 16:05 Uhr
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Drittimpfungen und mehr Impfungen für Jugendliche
Bild: AFP

Die Bundesregierung und die Gesundheitsminister der Länder wollen einem Medienbericht zufolge am Montag Impfungen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beschließen. Laut 'BamS' sollen die Impfungen in Impfzentren und Arztpraxen erfolgen.

Die Regierungen von Bund und Ländern wollen schon bald mit Corona-Auffrischungsimpfungen für Risikogruppen beginnen und zudem stärker den Weg für Impfungen von Jugendlichen und Kindern ab zwölf Jahren ebnen. Das geht aus Beschlussvorlagen für die Gesundheitsministerkonferenz am Montag hervor, die der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag in Berlin vorlagen. 

"Die Länder bieten im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge ab September 2021 mit mobilen Teams in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischimpfung an", heißt es in der Vorlage, über die zuvor bereits unter anderem "Bild am Sonntag" und ZDF berichtet hatten. Menschen außerhalb solcher Einrichtungen sollen über ihre Haus- und Fachärztinnen und -ärzte Drittimpfungen wahrnehmen können.

Konkret genannt werden alle Hochbetagten sowie Menschen mit Immunschwäche und Pflegebedürftige. Verimpft werden sollen grundsätzlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna, unabhängig davon, ob vorher etwa die Impfstoffe von Astrazeneca oder Johnson & Johnson verwendet wurden. Auch Betriebsärztinnen und -ärzte sollen Auffrischungsimpfungen verabreichen können. Begründet werden diese mit Studien, die auf ein allmähliches Nachlassen des Infektionssschutzes auch bei vollständig Geimpften hinweisen, gerade in den Risikogruppen.

Alle Zwölf- bis 17-Jährigen sollen ab sofort Corona-Impfungen mit den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna in Impfzentren erhalten können, aber auch durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie im Rahmen der Impfung von Angehörigen in Betrieben. "Für die Gruppe der jungen Erwachsenen in Universitäten, Berufsschulen und Schulen machen die Länder strukturierte, niedrigschwellige Angebote an den jeweiligen Lernorten", heißt es weiter.

Wird dies so beschlossen, würden die Regierenden damit die Ständige Impfkommission (Stiko) umgehen, die Impfungen für die Zwölf- bis 17-Jährigen bisher nicht generell empfiehlt. Begründet wird das Vorgehen in der Beschlussvorlage damit, dass die Impfung der Kinder und Jugendlichen "maßgeblich zu einem sichereren Start in den Lehr- und Lernbetrieb nach den Sommerferien beitragen" könne.

Die Stiko hat ihre Impfempfehlung für dies Altersgruppe bislang auf Risikofälle begrenzt. Allerdings rät die Impfkommission auch nicht von Impfungen mit den von der EU-Arzneimittelbehörde EMA zugelassenen Impfstoffen ab, sondern drängt hier lediglich auf eine individuelle ärztliche Beratung. Zudem ist die Zustimmung sowohl der Betroffenen als auch der Eltern oder Sorgeberechtigen notwendig. Darauf wird in der Beschlussvorlage hingewiesen. Zuletzt war die Zahl der Impfungen von Jugendlichen bereits deutlich gestiegen.

Aktuell liegt die Quote der Erstimpfungen in Deutschland insgesamt bei rund 62 Prozent der Bevölkerung, gut 52 Prozent sind vollständig geimpft. Bei den unter 18-Jährigen haben etwa 20 Prozent mindestens eine Impfung erhalten und knapp zehn Prozent einen vollständigen Impfschutz.

Zuletzt hatten sich neben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch weitere Politikerinnen und Politiker für mehr Impfungen gegen das Coronavirus bei jungen Menschen ausgesprochen. "Die Infektion selbst mag bei den meisten Kindern und Jugendlichen harmlos verlaufen. Doch auch bei ihnen gibt es die Gefahr von Long-Covid", sagte SPD-Chefin Saskia Esken dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Für mehr Impfungen von Schülerinnen und Schülern warb erneut auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). "Ich glaube das ist notwendig", sagte er am Sonntag im ZDF-"Sommerinterview, auch wenn die Stiko hier noch zögere, plädierte der CSU-Chef für einen entsprechenden Bericht der Gesundheitsministerkonferenz.

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