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Quo vadis, IAA?

  • Motor-Informations- Dienst (mid) - 12. September 2019, 10:05 Uhr
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mid Frankfurt am Main - Das waren noch Zeiten: Über viele Jahre hinweg war die IAA in Frankfurt am Main ein Publikumsmagnet. VDA

Es gibt einen Ort auf dem Frankfurter Messegelände, der den Niedergang der einst prunkvollen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) jedem Besucher unmissverständlich vor Augen führt: Es ist die Festhalle, das Herzstück des Messegeländes. Dort, wo Mercedes-Benz in der Vergangenheit Auftritte der Superlative zelebriert hat, herrscht 2019 eher Tristesse.


Es gibt einen Ort auf dem Frankfurter Messegelände, der den Niedergang der einst prunkvollen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) jedem Besucher unmissverständlich vor Augen führt: Es ist die Festhalle, das Herzstück des Messegeländes. Dort, wo Mercedes-Benz in der Vergangenheit Auftritte der Superlative zelebriert hat, herrscht 2019 eher Tristesse. Spektakuläre Bauten auf mehreren Ebenen bis unter die Dachkuppel und visionäre Präsentationen haben einst für Furore gesorgt. Der Mercedes-Stern ließ die Halle erstrahlen und verlieh ihr Glamour.

Damit ist es vorbei. Die Stuttgarter haben ihre IAA-Performance drastisch abgespeckt. Die Festhalle wirkt kühl, ohne Esprit, angesichts großer Leerflächen geradezu öde. Daran können selbst die auf Hochglanz polierten Luxus-Karossen kaum etwas ändern. Mercedes findet sich mit seinem reduzierten Messeauftritt in bester Gesellschaft. Die Hersteller, die noch nach Frankfurt gekommen sind, haben durch die Bank ordentlich abgespeckt.

Viele haben abgesagt, schwänzen die IAA, die sich früher gerne als wichtigste und größte Autoschau der Welt bezeichnete. Außer Honda ist kein japanischer Autobauer am Frankfurter Rebstock vertreten. Franzosen? Fehlanzeige! Selbst die Opel-Mutter Peugeot hat es nicht für nötig erachtet, die IAA zu buchen, die winzige 20 Kilometer vom Opel-Stammwerk entfernt beheimatet ist. Fiat, Alfa Romeo sucht man vergebens. Auch die US-Riege glänzt durch Abwesenheit. Einzig Ford ist vor Ort. Dabei hätte der Elektropionier Tesla eine nachhaltige Duftmarke auf der Autoshow, die so elektrisch ist wie noch nie, setzen können.

Nobelmarken wie Maserati, Ferrari, Rolls Royce, Bentley, Aston Martin oder Bugatti sucht man diesmal vergebens. Eng zusammengerückt sind die Aussteller in Halle 11, die zuletzt exklusiv von der BMW Group für die Kernmarke, für Mini und Rolls-Royce reserviert war. Jetzt dürfen BMW und Mini dort mit Hyundai, Jaguar Land Rover und Opel kuscheln.

Ob es 2021 wieder eine IAA in Frankfurt am Main geben wird, steht in den Sternen. Die Verträge des Messeveranstalters VDA mit der Messe Frankfurt laufen aus. Die deutschen Autobauer sind verunsichert. Ist ein klassisches Messeformat wie in Frankfurt noch zeitgemäß? Ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis noch zu rechtfertigen?

Die IAA war in der Vergangenheit stets ein Besuchermagnet. Fast eine Million passierten vor wenigen Jahren noch die Eingangsschranken. 2017 waren es immerhin noch rund 800.000. Mit 700.000 wäre die Autobranche diesmal schon zufrieden. Der Gegenwind ist riesig. Der Ruf der Automobilindustrie hat schwer gelitten. Seit der VW-Dieselskandal vor fast genau vier Jahren seinen Anfang nahm, sind die Autobauer nicht mehr zur Ruhe gekommen - und zwar alle Hersteller.

Eine Anti-Auto-Stimmung hat sich in Deutschland breit gemacht. Heute werden Autos eher als Dreckschleudern diffamiert, die Umwelt und Klima massiv schädigen und die Lebensqualität und Gesundheit vieler Menschen beeinträchtigen. Auf diese Anfeindungen und Herausforderungen hat die Autobranche noch keine überzeugenden Antworten gefunden.

Allein auf die Karte Elektromobilität zu setzen, erscheint dürftig. Es geht nicht nur um saubere Antriebsformen, sondern auch um eine möglichst klimaneutrale Wertschöpfungskette und innovative Verkehrskonzepte für Stadt und Land. Wer allein die Politik in der Verantwortung sieht, ist auf dem Holzweg. Auch die Autoindustrie muss liefern.

Michael Balk / mid

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