Technologie

Die Plattformen, die Cloud Gaming das Laufen lernen

  • Redaktion - 24. Juni 2019
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@ TheXomil (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Videospiele sind Alltag geworden. Obwohl 2019 soviele Menschen wie noch nie zuvor jeden Tag die unterschiedlichsten Spiele spielen, stehen sie allesamt doch vor einem Problem.

Wer die neuesten und schönsten Spiele spielen will, der muss zumindest ein paar hundert für eine Spielkonsole von Sony, Microsoft oder Nintendo ausgeben. Wer Spiele auf einem PC spielen will, dem stehen noch höhere Anfangsinvestition bevor, die gut und gerne vierstellig sein kann. Gelegenheitsspieler oder solche, für die solche Ausgaben nicht in Frage kommen, geben sich entweder mit grafisch einfacheren Spielen zufrieden oder greifen zu Smartphones, für die Entwickler mittlerweile sehr ausgereifte Software zur Verfügung stellen.
Die Branche wäre allerdings nicht die an der schnellsten wachsenden Unterhaltungsbranche der letzten Jahrezehnte, wenn nicht auch für dieses Problem bereits eine Lösung in Arbeit wäre. Cloud Gaming, also das Spielen von Videospielen, die auf einem Server im Internet – also auf einem Rechner in der Cloud – gestartet und berechnet werden, würde mit einem Schlag die Anschaffung teurer Hardware unnötig machen. 


PlayStation Now

 
PlayStation Now ist im Moment noch der populärste Streaming Dienst für Videospiele. Gründe hierfür sind schnell gefunden, die Marke Playstation ist nicht nur weltbekannt, sondern dank Exklusivverträge auch die einzige Plattform für Kassenschlager wie God of War oder The Last of Us. Mit Sonys Streamingdienst können Besitzer einer PS4 bereits hunderte von Spielen aufrufen, die in den vergangenen Jahren mitunter auch für Vorgängermodelle erschienen sind. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Dienst nur auf der Konsole selbst läuft. Wer sich für Playstation Now mit seiner Konsole registriert, der kann daraufhin sein Konto auch zum Spielen auf dem PC oder dem Laptop benutzen – God of War unterwegs ist also plötzlich Realität.


Google Stadia

 
Im März 2019 zur Überraschung vieler kündigte Google nun ebenfalls einen Streamingdienst für Videospiele an. Performance-Metriken wie 60 fps und 4K sollen möglich sein, das Ganze sollte ebenfalls nahezu Verzögerungsfrei vonstattengehen und Titel für PC und Konsolen sollen gleichermaßen spielbar sein. Damit würde Google noch vor der eigentlichen Reife des Konzepts Cloud Gaming bereits die nächste Generation einläuten. Und das noch im Jahr 2019. Google plant dazu obendrein, seinen Streamingdienst Stadia auf möglichst vielen Endgeräten gleichzeitig zur Verfügung zu stellen. Ein Spiel zu pausieren und von Laptop zum Fernseher zuhause zu wechseln soll damit nahezu nahtlos passieren können.
Das bisher größte Problem beim Streamen von Videospielen besteht in der Verzögerung der Kontrollsignale, die Spieler an den Server senden, dieser sie verarbeitet und als Bilder wieder zurückschickt. Diese sogenannte Latenz sorgt, sobald der Wert eine spürbare Grenze übersteigt, dazu, dass Eingaben nur verzögert in Aktionen im Spiel umgesetzt werden können.
Google verspricht an dieser Stelle, durch ihr ausgebautes Netzwerk an Servern diesen sogenannten Latzenzproblemen entgegenwirken zu können.

Ein ähnliches Konzept ist bereits im Bereich des Casino Gamings der Fall. Online Slots und andere Casinospiele sind inzwischen oft direkt im Browser spielbar und damit ebenfalls plattformunabhängig – eben wie Google Stadia es sein soll.

Durch ihre einfach zu erlernenden Spielprinzipe und oftmals ausgesuchte Grafiken und Soundeffekte erlangte diese Art von Spielenschnell sehr große Beliebtheit. Mit dem Aufkommen neuer Glücksspielvarianten, die mehr dem „Social Gaming“ entsprechen, sorgen Entwickler und Betreiber dieser Spiele für eine ungeahnte Verbreitung und dies meist auch über mehrere Altersgruppen hinweg. Auch hier wird die gewünschte Parallele zu Stadia deutlich. Google möchte Videospiele noch salonfähiger machen und den Einstieg in dieses Hobby noch einfacher gestalten.

Dazu kommen die Pläne von Google, die eigene Video-Plattformen Youtube auf weitere Art und Weise zu nutzen – so könnten Fans bestimmter Content Creator diese spontan zum Spielen auffordern.


Die Konkurrenz von Microsoft und Sony

 
Playstation und Xbox als Traditionsmarken sehen sich plötzlich ernsthafter Konkurrenz gegenüber. Als erster Schritt gegen diese Entwicklung kündigten Microsoft und Sony nun an, Online-Mehrspieler Titel plattformübergreifend anzubieten.

Googles Stadia stellt aber auch eine Bedrohung für Spielkonsolen dar, deren Absatz zuletzt auch in Deutschland zurückging.

Auch wenn man sich definitiv bis zum Ende des Jahres gedulden muss um die Streamingdienste der großen Drei vergleichen zu können, so ist ein Wettbewerb jetzt schon im vollen Gange. Einzig Internet-Infrastruktur und Preise werden zu Beginn den Unterschied ausmachen, dennoch wäre es naiv, Cloud Gaming nicht ein enormes Marktpotential einzuräumen. Kostengünstiges Streamen von Videospielen könnte innerhalb kürzester Zeit den Markt revolutionieren und dafür sorgen, dass große Anbieter wie Sony, Microsoft oder Google zu alleinigen Marktführern werden – oder aber das Feld komplett egalisieren, sodass nur noch die Qualität der Spiele selbst ausschlaggebend wird.

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