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Afghanischer Präsident wechselt angesichts Taliban-Vormarsch Minister aus

  • AFP - 19. Juni 2021, 15:38 Uhr
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Afghanistans Präsident Aschraf Ghani
Bild: AFP

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat angesichts des Vormarschs der radikalislamischen Taliban die Spitzen des Verteidigungs- und des Innenministeriums durch neue Minister ersetzt.

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat angesichts des Vormarschs der radikalislamischen Taliban neue Verteidigungs- und Innenminister ernannt. General Bismillah Chan Mohammadi übernimmt künftig das Verteidigungsministerium, General Abdul Sattar Mirsakwal das Innenministerium, wie der Staatschef am Samstag in Kabul mitteilte. Die Taliban hatten nach eigenen Angaben in den vergangenen Wochen rund 40 Bezirke in ländlichen Gebieten des Landes erobert.

Mohammadi hatte in der Vergangenheit bereits sowohl das Amt des Verteidigungsministers als auch des Innenministers inne. Nach dem Sturz der Taliban infolge des US-Einmarschs in Afghanistan 2001 war er außerdem Stabschef der Armeeführung. Als Verteidigungsminister ersetzt er Asadullah Chalid, der zuletzt wegen der Behandlung von Verletzungen durch einen Selbstmordanschlag auf ihn in 2012 immer wieder ins Ausland gereist war.

Mirsakwal hatte zuletzt verschiedene Ämter auf regionaler Ebene ausgeübt. Die Kabinettsänderungen müssen noch vom Parlament gebilligt werden.

Die Gewalt in dem Bürgerkriegsland hat seit Beginn des Truppenabzugs der USA Anfang Mai zugenommen. US-Präsident Joe Biden hatte den Abzug aller Truppen bis zum 11. September angekündigt. In der Folge begannen auch die Nato-Verbündeten, darunter Deutschland, ihr Einheiten abzuziehen. 

Die Taliban reagierten darauf mit gezielten Angriffen auf afghanische Regierungstruppen. Ihr Vormarsch zwang die Militärführung zum strategischen Rückzug aus einer Reihe ländlicher Gebiete. Am Mittwoch wurden bei einem Angriff in der nördlichen Provinz Farjab mindestens 20 Mitglieder einer Elitekommandoeinheit in einem Hinterhalt der Taliban getötet, wie die Nachrichtenagentur AFP erfuhr.

Die Islamisten sind mittlerweile in fast jeder Provinz präsent und kreisen mehrere größere Städte ein - eine Strategie, die sie bereits Mitte der 1990er Jahre anwendeten, bevor sie den Großteil des Landes einnahmen.

Das Verteidigungsministerium bestätigte am Samstag den Rückzug der Regierungstruppen aus mehreren Bezirken, gab sich aber optimistisch. "Es gibt einen neuen, robusten und effektiven Plan, um die Gebiete zurückzuerobern", sagte Ministeriumssprecher Rohullah Ahmadsai. Berichte, wonach hunderte Soldaten sich den Taliban ergeben hätten, wies er zurück.

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