Politik

FPÖ-Politiker in Österreich wegen Buchs mit Naziliedern unter Druck

  • 23. Januar 2018, 19:27 Uhr
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Udo Landbauer
Bild: AFP

In Österreich steht ein Politiker der rechtspopulistischen FPÖ wegen eines Buchs mit Naziliedern unter Druck. Wie das Magazin 'Falter' berichtete, ist Udo Landauer der Vize-Vorsitzende der Burschenschaft, die das Nazi-Liederbuch herausgegeben hat.

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In Österreich steht ein Politiker der rechtspopulistischen FPÖ wegen eines Buchs mit Naziliedern unter Druck. Wie das Magazin "Falter" am Dienstag berichtete, ist der FPÖ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Niederösterreich, Udo Landbauer, auch der stellvertretende Vorsitzende der Burschenschaft, die das Nazi-Liederbuch herausgegeben hat. In den Liedtexten werden demnach der Holocaust und andere Gräueltaten der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg verherrlicht.

In einem der Lieder heißt es demnach: "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'". Im Holocaust wurden sechs Millionen Juden ermordet, Ben Gurion war der Staatsgründer und erste Regierungschef Israels. Andere Lieder verherrlichen demnach die deutsche Legion Condor, die die spanische Stadt Guernica zerstörte, und Gräueltaten der Wehrmacht auf Kreta.

Ein Sprecher der FPÖ sagte der Nachrichtenagentur APA, der 31-jährige Landbauer habe mit dem Liederbuch "nichts zu tun". Wenn das Buch, wie vom "Falter" geschrieben, "im Jahr 1997 neu überarbeitet in Druck geschickt" worden sei, sei Landbauer gerade einmal "elf Jahre alt" gewesen und habe "noch nicht einmal allein Radfahren dürfen". Die Burschenschaft werde zudem eine neue Ausgabe des Buchs auflegen, in denen Lieder, "die mit dieser unseligen Zeit verbunden sind, nicht mehr vorkommen", fügte der FPÖ-Sprecher hinzu.

Landbauer selbst reagierte "entsetzt". Er habe durch den Medienbericht "zum ersten Mal" von dem Buch erfahren und ziehe "sofort die notwendigen Konsequenzen", erklärte er in einer Stellungnahme. Er werde seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft ruhen lassen und sich für die Einsetzung einer Untersuchungskommission einsetzen.

Die "skandalöse Angelegenheit" müsse "restlos und umfassend" geklärt werden, "gegebenenfalls auch vor Gericht", erklärte Landbauer. "Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind etwas sehr Hässliches und müssen auch nur in der kleinsten Dosis entschieden verurteilt und bekämpft werden", fügte der FPÖ-Politiker hinzu.

Kanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter, die Liedtexte seien "rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig". Dafür dürfe es in Österreich keinen Platz geben. "Es braucht daher volle Aufklärung und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden", forderte Kurz.

Die sozialdemokratische SPÖ forderte Landbauers sofortigen Rücktritt. Auch die liberale NEOS-Partei erklärte, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, bleibe ihm "als einzige Konsequenz der Rücktritt".

Vor der Landtagswahl in Niederösterreich am Sonntag liegt die FPÖ in Umfragen mit 16 bis 21 Prozent auf dem dritten Platz. Bei der Parlamentswahl Mitte Oktober war die FPÖ mit 26 Prozent der Stimmen ebenfalls auf Platz drei gekommen. In der Koalition mit der ÖVP besetzt die FPÖ nun sechs Ministerien, darunter Schlüsselressorts wie das Innen- und Außenministerium. FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache war in jungen Jahren in der rechtsradikalen Szene aktiv. Heute stellt er das als Jugendsünde dar.

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