Politik

UN-Klimakonferenz einigt sich auf konkrete Regeln im Kampf gegen Erderwärmung

  • 16. Dezember 2018, 16:23 Uhr
Bild vergrößern: UN-Klimakonferenz einigt sich auf konkrete Regeln im Kampf gegen Erderwärmung
Konferenz-Vorsitzender Kurtyka mit Luftsprung
Bild: AFP

Die internationale Gemeinschaft hat in Kattowitz einen klimapolitischen Meilenstein gesetzt: Nach zähem Ringen beschlossen die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz ein Regelwerk zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015.

Anzeige

Die internationale Gemeinschaft hat in Kattowitz einen Meilenstein im Kampf gegen die Erderwärmung gesetzt: Nach zähem Ringen einigten sich die rund 200 Teilnehmerländer der UN-Klimakonferenz am Samstag auf ein Regelwerk zur konkreten Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015. In Deutschland wurde die Ergebnisse von CDU/CSU und der Wirtschaft begrüßt. Der Opposition sowie Umwelt- und Entwicklungsorganisationen gingen die Beschlüsse angesichts der zunehmenden Erderwärmung jedoch nicht weit genug.

Das drei Jahre lang ausgehandelte und nun beschlossene Regelbuch ist eine wichtige Etappe in der internationalen Klimapolitik, weil es die konkrete Umsetzung des Paris-Abkommens festlegt und damit über die Wirksamkeit der internationalen Vereinbarungen mitentscheidet.

Als Konferenz-Präsident Michal Kurtyka am Samstagabend die Einigung verkündete, gab es im Plenum Applaus und Jubelrufe. "Das ist ein historischer Moment", sagte Kurtyka. Die 24. UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hätte eigentlich am Freitag enden sollen. Wegen fortbestehender Streitpunkte verzögerte sich der Abschluss aber mehrmals.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) erklärte in Kattowitz: "Wir haben erreicht, dass sich zum ersten Mal nicht nur die halbe, sondern die ganze Welt beim Klimaschutz in die Karten schauen lässt."

Zu den Knackpunkten in Kattowitz gehörten die Transparenzregeln. Dabei geht es unter anderem darum, wie die nationalen Klimaziele der einzelnen Länder künftig eingereicht und überprüft werden. Gerungen wurde auch um die Regeln für die Klima-Finanzhilfen der Industrieländer für die Entwicklungsländer.

Zuletzt hatte ein Streit über den künftigen Umgang mit Marktmechanismen für den Klimaschutz, in dem sich Brasilien quer stellte, für stundenlange Verzögerungen gesorgt. Der Streit wurde schließlich auf die nächste UN-Klimakonferenz in Chile vertagt.

Auch der Umgang mit den Schäden und Verlusten durch den Klimawandel in den ärmsten Ländern war in Kattowitz hoch umstritten. Das Anliegen fand schließlich Eingang in den Abschlusstext.

Ein zentrales Diskussionsthema während der gesamten zweiwöchigen Konferenz war der 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats IPCC. Er legt dar, dass eine Erderwärmung um mehr als 1,5 Grad verheerende und voraussichtlich unumkehrbare Folgen hätte. Im Paris-Abkommen wird lediglich eine Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter festgeschrieben. Öl-Förderländer wie die USA und Saudi-Arabien verhinderten ein entschiedenes Bekenntnis zu den IPCC-Befunden. Ehrgeizigere Klimaziele als die bisherigen wurden in Kattowitz ohnehin nicht zugesagt.

In Deutschland stießen die Beschlüsse auf ein geteiltes Echo. In Kattowitz sei "die Erfolgsgeschichte von Paris fortgeschrieben" worden, erklärte die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Klimaschutz, Anja Weisgerber. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) begrüßte die Einigung von Kattowitz als gute Nachricht für die deutsche Wirtschaft. Die Ergebnisse seien "solide und fair".

Die Grünen sprachen dagegen von einer "herben Enttäuschung". Die zentrale Frage, was die einzelnen Staaten zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels beitragen, sei "vollkommen unbeantwortet" geblieben, erklärten Fraktionschef Anton Hofreiter und die klimapolitische Sprecherin Lisa Badum. Der Linken-Klimapolitiker Lorenz Gösta Beutin erklärte, der Klimagipfel habe "ganz klar gezeigt, dass der weltweite Rechtsruck eine handfeste Gefahr für das Klima ist".

Der Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland, Martin Kaiser, kritisierte, die Unterhändler in Kattowitz hätten "dabei versagt, die drängendste Frage zu beantwortet: Wann fangen Regierungen endlich an, ihren Ausstoß an Treibhausgasen spürbar zu senken?" Der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, forderte "deutlich mehr politischen Willen zur zügigen Umsetzung des Pariser Abkommens". 

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Entwicklungsorganisation Care forderten zusätzliche Anstrengungen, um die Erderwärmung so gering wie möglich zu halten. Die katholische Hilfsorganisation Misereor mahnte weitere Hilfen für arme Länder bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels an.

Die News UN-Klimakonferenz einigt sich auf konkrete Regeln im Kampf gegen Erderwärmung wurde von AFP am 16.12.2018 in der Kategorie Politik mit den Stichwörtern ÜBERSICHT, UNO, Polen, Klima, Umwelt abgelegt.

Weitere Meldungen

Mays Büro beunruhigt über Berichte über angebliche Komplotte im Unterhaus

Das Büro der britischen Premierministerin Theresa May hat am Sonntag mit Besorgnis auf Berichte über angebliche Verschwörungen im Unterhaus reagiert. "Jeder Versuch, der Regierung

Mehr
Tausende Ungarn protestieren gegen neues Arbeitsgesetz der Regierung Orban

In Ungarn sind erneut tausende Demonstranten gegen die Politik der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban auf die Straße gegangen. Rund 2000 Menschen

Mehr
Tausende Teilnahmer an drittem Women's March in den USA gegen Trump

Tausende Menschen haben sich am Samstag in den USA an einem weiteren Marsch der Frauen gegen US-Präsident Donald Trump und für Frauenrechte beteiligt. In Washington und anderen

Mehr

Top Meldungen

Studie: Windräder sorgen für Wertverlust von Immobilien

Berlin - Einfamilienhäuser auf dem Land verlieren bis zu 7,1 Prozent an Wert, wenn im Abstand von bis zu einem Kilometer Windenergieanlagen errichtet werden. Bei älteren Häusern

Mehr
Brinkhaus will mit SPD über Soli-Abbau nachverhandeln

Berlin - Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), will beim Soli-Abbau noch einmal nachverhandeln. "Die Union will den Soli für alle Steuerzahler

Mehr
Studie: Deutschlands Finanzämter werden immer langsamer

Berlin - Finanzbeamte in Deutschland haben 2018 im Durchschnitt 56,1 Tage für die Bearbeitung von Einkommensteuererklärungen gebraucht. Dies zeigt eine Auswertung des

Mehr