Wirtschaft

Wirtschaft und Politik besorgt wegen möglicher US-Strafzölle

  • 18. Februar 2018, 21:14 Uhr
Bild vergrößern: Wirtschaft und Politik besorgt wegen möglicher US-Strafzölle
Container
dts

.

Anzeige

Berlin - Die deutsche Wirtschaft und Politik kritisieren die Überlegungen der US-Regierung, Strafzölle und Importquoten auf Stahl- und Aluminium-Produkte einzuführen. "America First wird vom Slogan immer mehr zur Wirklichkeit", sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).

Die USA setzten in der Handelspolitik verstärkt auf Strafzölle statt auf die Wirkung von möglichst allgemein verbindlichen Regeln. "Das ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft nicht nur deshalb Besorgnis erregend, weil deutsche Unternehmen wie jetzt bei den Plänen zum Stahl auch direkt betroffen sein könnten. Problematisch ist der Hang zum Protektionismus, der sich mit den neuen US-Zöllen manifestiert, und die in Kauf genommene Schwächung der WTO", sagte Wansleben. Clemens Fuest, Chef des Münchener Ifo-Instituts, hält es für besonders gefährlich, "dass die US-Regierung sich auf ein Gesetz stützt, das Zölle mit Anliegen der nationalen Sicherheit begründet".

Dabei sei das, was die nationale Sicherheit bedrohen kann, so breit definiert, dass man im Grund jeden Zoll damit rechtfertigen könne, so Fuest. "Als mögliche Bedrohung für die nationale Sicherheit wird zum Beispiel wachsende Arbeitslosigkeit durch Importkonkurrenz oder der Niedergang einer Industrie genannt", sagte Fuest der Zeitung "Wir beobachten die protektionistischen Tendenzen in den USA mit Sorge", sagte Peter Wittig, deutscher Botschafter in Washington, dem "Handelsblatt". "Es drohen Zölle in Stahl und Aluminiumbereich und wir haben beunruhigende Töne aus der Administration gegen die WTO vernommen." Deutschland müsse weiter den Dialog mit der Trump-Regierung suchen und immer wieder draufhinweisen, dass Freihandel "kein Nullsummenspiel" ist und dass er gerade auch den Amerikanern zu W ohlstand verholfen hat.

Ähnlich äußerten sich Politiker in Berlin: "Unseren Wohlstand verdanken wir alle im Westen, auch die USA, dem regelgebundenen fairen Freihandel", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Christian Hirte (CDU) der Zeitung. "Strafzölle und Handelskriege sind der falsche Weg." Die deutsche Wirtschaft forderte die Bundesregierung auf, mit den europäischen Partnern für den Freihandel zu werben. "Gerade für Deutschland mit seiner exportorientierten Wirtschaft kann das nur heißen: Wir müssen gemeinsam mit unseren Nachbarn in der Europäischen Union die Vorteile eines Freihandels, der auf klaren Regeln basiert, immer wieder vorleben", sagte DIHK-Präsident Wansleben. "Deshalb sind die Freihandelsabkommens der EU mit Kanada und Japan auch so wichtig."

ANZEIGE

Die News Wirtschaft und Politik besorgt wegen möglicher US-Strafzölle wurde von dts am 18.02.2018 in der Kategorie Wirtschaft mit den Stichwörtern Wirtschaft, Deutschland, USA, EU abgelegt.

Weitere Meldungen

Studie: Immer mehr Betriebe führen Arbeitszeitkonten für ihre Mitarbeiter

Immer mehr Beschäftigte können ihre Arbeitszeit im Unternehmen per Arbeitszeitkonto erfassen lassen. Solche Konten könnten als Instrument dienen, um "für Beschäftigte mehr

Mehr
Mercedes-Benz investiert in Lkw-Werk am Rhein


Zehn Jahre nach Eröffnung des Entwicklungs- und Versuchszentrums (EVZ) in Wörth am Rhein investiert Mercedes-Benz Lkw weitere rund 50 Millionen Euro in das

Mehr
Audi-Chef Stadler "vorübergehend" von Vorstandsaufgaben entbunden

Wolfsburg - Die Aufsichtsräte von Volkswagen und Audi haben den inhaftierten Audi-Chef Rupert Stadler vorübergehend von seinen Vorstandsaufgaben entbunden. Damit habe man der

Mehr

Top Meldungen

Behörden nutzen neues Transparenzregister kaum

Berlin - Das von der Bundesregierung zum Kampf gegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung eingerichtete Transparenzregister wird von den Behörden in Deutschland bisher nur wenig

Mehr
Bei Finanzaufsichtsbehörde liegende Informationen nicht zwangsläufig vertraulich

Nicht alle bei einer Finanzaufsichtsbehörde wie der deutschen Bafin vorliegenden Informationen zu einem Unternehmen sind nach europäischem Recht zwangsläufig vertraulich.

Mehr
Große Unterschiede beim Pro-Kopf-Verbrauch zwischen den EU-Staaten

Luxemburg - Beim Pro-Kopf-Verbrauch der EU-Bürger gibt es große Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. Das teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mit. Der

Mehr