Brennpunkte

Abfallwärme intelligent nutzen

  • Thomas Schneider (vm) - 8. Juli 2015, 17:43 Uhr

Wärme, die normalerweise ungenutzt in die Atmosphäre verpufft, will ein Forscher-Team nun zum Heizen und Kühlen nutzen. Diese sogenannte 'Abfallwärme' soll über Fernwärme- und Fernkühlungsnetze bei Niedertemperatur verteilt werden.


Wärme, die normalerweise ungenutzt in die Atmosphäre verpufft, will ein Forscher-Team nun zum Heizen und Kühlen nutzen. Diese sogenannte "Abfallwärme" stammt aus verschiedenen Industrieprozessen, beispielsweise aus Kühlanlagen in Supermärkten. Sie soll über Fernwärme- und Fernkühlungs-Netze bei Niedertemperatur verteilt werden. Das Südtiroler EURAC-Institut für Erneuerbare Energie erforscht die neue Technologie im Rahmen des Projekts "FLEXYNETS", das vom europäischen Forschungsprogramm Horizon2020 mit zwei Millionen Euro finanziert wird. Der Startschuss fiel jetzt mit einem Treffen der Projektpartner an der Europäischen Akademie in Bozen.

Fernwärmenetze funktionieren derzeit über hohe Temperaturen um die 90 Grad Celsius. Zum Heizen der einzelnen Gebäude müssen die Netze an große Heizkraftwerke wie Blockkraft-Heizwerke oder Müllverbrennungsanlagen angeschlossen sein. Die Technologie, an der EURAC forscht, arbeitet hingegen auch bei Temperaturen zwischen 10 Grad und 20 Grad. Die Fernwärme-Netze können somit zusätzlich auch aus Energiequellen mit niedrigeren Temperaturen als bisher gespeist werden.

"Wir arbeiten daran, die Fernwärme und Fernkühlung von Morgen zu entwickeln. Dabei sollen bestehende Systeme keinesfalls ersetzt, sondern vielmehr in neue Konzepte integriert werden: Die Heizwärme - beispielsweise aus der Müllverbrennungsanlage - soll durch Wärme ergänzt werden, die in verschiedenen alltäglichen Prozessen produziert wird und derzeit ungenutzt verpufft", erklärt Roberto Fedrizzi, Studienleiter und Forscher am EURAC-Institut für Erneuerbare Energie.

Durch die niedrigen Temperaturen reduziere sich auch der derzeitige große Wärmeverlust in den unterirdischen Leitungsrohren, was das gesamte Netz künftig effizienter machen würde. Laut Experten könnte damit der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser um 80 Prozent gesenkt werden, für das Kühlen von Gebäuden um 40 Prozent. Europaweit könnten damit bis 2030 fünf Millionen Tonnen des CO2-Ausstoßes eingespart werden.

Die erste Phase des dreijährigen Projekts widmet sich dem Entwickeln der Technologie. Daran schließt sich eine Testphase an, die 2016 beginnen soll. "Wir werden im Technologie-Park in Bozen im Rahmen der ersten Phase ein Labor einrichten, in dem wir ein Fernwärme- und Fernkühlungsnetz in Miniaturformat installieren. Dort können wir dann Kontrollstrategien und verschiedene Nutzungsszenarien simulieren und testen", fügt Fedrizzi hinzu. Die dritte Phase des Projekts widmet sich dem Ausarbeiten von Förderungsmaßnahmen zur Nutzung von Abfallwärme und Strategien, die die neue Technologie in die bereits bestehenden städtischen Systeme integriert. (vm/en-wid)

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