Politik

Spanien gedenkt des gescheiterten Putschs vor 40 Jahren

  • AFP - 23. Februar 2021, 17:30 Uhr
Bild vergrößern: Spanien gedenkt des gescheiterten Putschs vor 40 Jahren
König Felipe (M.) VI. auf dem Festakt
Bild: AFP

Spanien hat am Dienstag des Putschversuchs im Februar 1981 gedacht, der wenige Jahre nach dem Ende der faschistischen Diktatur von Francisco Franco die junge Demokratie erschütterte. Spanien habe damals 'einen außerordentlich schweren Angriff auf seine Demokratie erlebt', sagte König Felipe VI.

Spanien hat am Dienstag des Putschversuchs im Februar 1981 gedacht, der wenige Jahre nach dem Ende der faschistischen Diktatur von Francisco Franco die junge Demokratie erschütterte. Spanien habe damals "einen außerordentlich schweren Angriff auf seine Demokratie erlebt", sagte König Felipe VI. bei einem Festakt zum 40. Jahrestag im Parlament in Madrid. 

Nicht anwesend war Felipes Vater, der ehemalige König Juan Carlos I., der während des Putschversuchs eine entscheidende Rolle spielte, sich aber wegen Ermittlungen zu mutmaßlicher Steuerhinterziehung im Exil aufhält. 

Sechs Jahre nach dem Tod Francos versuchte am 23. Februar 1981 eine Gruppe von Armee- und Polizeiangehörigen den Übergang zur Demokratie zu verhindern. An der Spitze von rund 200 Männern überfiel der Oberstleutnant der Guardia Civil, Antonio Tejero, das Parlament und versuchte, die Macht an sich zu reißen. 

Der damals 43-jährige König Juan Carlos I. spielte von seinem Palast aus eine wichtige Rolle bei der Beendigung des Putsches, indem er bei einer Fernsehansprache in Militäruniform zur Unterstützung der Demokratie aufrief. 

Sein daraus resultierendes Ansehen als Retter der jungen spanischen Demokratie ist allerdings unter Historikern und Biografen nicht unumstritten. So gab es Berichte, denen zufolge der König im Vorfeld des Putsches zeitweise selbst die Absetzung von Spaniens erstem demokratisch gewähltem Regierungschef nach Franco, Adolfo Suárez, geplant habe.

Obwohl Felipe VI. sich in den vergangenen Monaten deutlich von seinem Vater distanziert hatte, würdigte er während des Festakts am Dienstag dessen Rolle bei den Ereignissen 1981. "Seine Standhaftigkeit und Autorität waren entscheidend bei der Verteidigung und dem Triumph der Demokratie", erklärte er. 

Im März vergangenen Jahres hatte Felipe VI. seinem Vater wegen zahlreicher Skandale die jährlichen Zahlungen durch das Königshaus in Höhe von geschätzt 200.000 Euro gestrichen und seinen Verzicht auf alle Erbschaftsansprüche gegenüber seinem Vater erklärt.

Der Ex-Monarch, gegen den derzeit drei Ermittlungsverfahren laufen, hatte im vergangenen Jahr fast 680.000 Euro an die Steuerbehörden überwiesen, um eine Strafverfolgung wegen Geldwäsche zu vermeiden. Im vergangenen August ging er ins Exil in die Vereinigten Arabischen Emirate. Seine Abwesenheit steht symbolisch für den Ansehensverlust des spanischen Königshauses in den vergangenen 40 Jahren. 

Der Zustand der spanischen Demokratie sorgt bis heute für Debatten. Während die konservative Tageszeitung "El Mundo" den verhinderten Putsch als Stärkung der Demokratie wertet, die daraufhin "zu einer der besten im Westen" geworden sei, kritisierte der Vorsitzende der linken Regierungspartei Podemos, Pablo Iglesias, kürzlich, in Spanien gebe es keine "volle politische und demokratische Normalität". 

Kleinere Parlamentsfraktionen, wie die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter, boykottierten den Festakt am Dienstag. Spanien könne "nicht in vollem Umfang als Demokratie betrachtet werden, solange der spanische Staat auf den gleichen politischen, juristischen, polizeilichen und monarchischen Strukturen basiert wie vor 40 Jahren", schrieben sie in einem gemeinsamen Manifest. 

Die jüngsten Proteste wegen der Verhaftung des Rappers Pablo Hasél machten die Unzufriedenheit mit diesen "demokratischen Defiziten" deutlich, erklärten die Fraktionen. Hasél war verhaftet worden, weil er eine neunmonatige Haftstrafe wegen Beleidigung der spanischen Königsfamilie und staatlicher Institutionen nicht angetreten hatte.

Weitere Meldungen

Frankreich löst bekannteste Identitären-Gruppe auf

Die französische Regierung hat die bekannteste Identitären-Gruppe des Landes aufgelöst. Das Kabinett billigte am Mittwoch das Verbot der rechtsextremen Gruppierung Génération

Mehr
SPD erhofft sich von neuem Gesetz zu epidemischen Lage mehr Rechtssicherheit

Die SPD erhofft sich von dem neuen Gesetz zur Fortgeltung der epidemischen Lage mehr Rechtssicherheit für die Maßnahmen in der Corona-Pandemie. Bei der Frage von Lockerungen oder

Mehr
Orban gibt Austritt der Fidesz aus EVP-Fraktion bekannt

Die ungarische Regierungspartei Fidesz tritt aus der EU-Parlamentsfraktion der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) aus. Der Parteivorstand habe beschlossen, die Fraktion

Mehr

Top Meldungen

Bundesbank schüttet erstmals seit über 40 Jahren keinen Gewinn aus

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bundesbank überweist zum ersten Mal seit 1979 keinen Gewinn an den Bund. Das teilte das Geldhaus am Mittwoch mit. Die "geldpolitischen

Mehr
Private Banken in Deutschland erwarten Wirtschaftsaufschwung im zweiten Quartal

Die privaten Banken in Deutschland erwarten in den kommenden Monaten die ersehnte wirtschaftliche Erholung. Wie der Bundesverband deutscher Banken am Mittwoch mitteilte, rechnen

Mehr
Exportgeschäft mit China schnell erholt

Wiesbaden - Die Coronakrise hat das Exportgeschäft mit China und den USA unterschiedlich beeinträchtigt: Während Exporte nach China im Jahr 2020 mit einem Rückgang von 0,1

Mehr