Wirtschaft

DIW-Präsident lobt Koalitionseinigung auf Frauenquote in Vorständen

  • AFP - 21. November 2020, 10:28 Uhr
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Bankentürme in Frankfurt am Main
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Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, hat die grundsätzliche Einigung der großen Koalition auf eine verbindliche Frauenquote in Unternehmensvorständen begrüßt. Davon würden auch Unternehmen profitieren.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hat die grundsätzliche Einigung der großen Koalition auf eine verbindliche Frauenquote in Unternehmensvorständen begrüßt. Eine solche Quote sei "ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichstellung und Chancengleichheit in Deutschland", sagte Fratzscher dem "Handelsblatt" vom Samstag. Zwar sei dies nur ein kleiner Schritt - dieser sei jedoch "von hoher Signalwirkung, da er große Unternehmen zwingt, deutlich mehr als bisher für die Gleichstellung und Chancengleichheit zu tun".

Zugleich zeigte sich der Wirtschaftsforscher überzeugt, dass auch die Unternehmen davon letztlich profitierten, "denn viele Studien zeigen, dass diverse Vorstände erfolgreicher sein können, vor allem um die wichtige Transformation der deutschen Wirtschaft voranzubringen". 

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Ulle Schauws, betonte hingegen, statt eines "kleinen Schritts" sei vielmehr ein "Meilenstein" nötig. "Wir hätten uns von der Koalition gewünscht, mutiger voran zu gehen", erklärte sie am Samstag. 

Es sei "zu wenig", dass die Koalition ab einer Vorstandsgröße von vier Mitgliedern eine Frau festschreiben wolle - egal, wie groß dieser Vorstand ist. "Anders als bei einer richtigen Quote erhöht sich die Zahl der Frauen in größeren Vorständen nicht automatisch", kritisierte Schauws. Zudem solle die Regel "nur für rund 70 Unternehmen" gelten.

Die große Koalition verständigte sich nach Angaben des Bundesjustizministeriums vom Freitagabend darauf, dass in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig ein Mitglied eine Frau sein muss. Zudem soll auch bei den Körperschaften des öffentlichen Rechts wie den Krankenkassen und bei den Renten- und Unfallversicherungsträgern sowie bei der Bundesagentur für Arbeit eine Mindestbeteiligung eingeführt werden.

Das Ergebnis wird in der nächsten Woche den Koalitionsspitzen zur abschließenden Entscheidung vorgelegt. Unmittelbar danach werde die Ressortabstimmung und die Länder- und Verbändebeteiligung eingeleitet, sodass der Kabinettsbeschluss zeitnah erfolgen könne, teilte das Ministerium weiter mit. Die Frauenquote ist Teil des Führungspositionen-Gesetzes. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hatte gemeinsam mit Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (beide SPD) bereits vor mehreren Monaten einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der zunächst aber auf Ablehnung bei der Union stieß.

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