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Sonst noch was? - Voll des Lobes

  • Günter Weigel/SP-X - 25. Oktober 2020, 10:57 Uhr
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snw Foto: sps

Es gibt jeden Tag jede Menge schlechter Neuigkeiten. Wir bemühen uns stets, auch andere, bessere zu finden. Mit Erfolg, wie wir nicht ganz ohne leichtes Eigenlob feststellen müssen.

Während Corona uns in Atem hält, Trump noch immer nicht abgewählt ist, die EU keine wirkliche Reform hinbekommt, die Briten noch immer nicht wissen, was sie wollen, kurzum, die Welt voll schlechter Nachrichten ist, versuchen wir uns an dieser Stelle mal mit einem positiven Blick und loben, was aus der Mobilitätsnachrichtenlage der vergangenen Tage zu loben ist.

Zum Beispiel MAN. Der Nutzfahrzeughersteller hat aus dem TGE-Transporter ein mobiles Corona-Testlabor gemacht, das wegen seiner Ausstattung zwar etwas teurer ist als ein Rettungswagen, dafür aber vom Test bis zur Auswertung nebst Datenübertragung alles binnen 45 Minuten erledigt, was sonst Tage dauert. Jetzt müssen Gesundheitsämter oder entsprechenden Ministerien nur noch Geld lockermachen, und schon fluppt das mit dem Testen und Nachverfolgen des blöden Virus in Deutschland noch viel besser.

Loben wollen wir auch die saarländische Verkehrsministerin Anke Rehlinger, die einen Kompromissvorschlag für den neuen Bußgeldkatalog vorgelegt hat, der mehrheitsfähig sein könnte. Zumindest hat ihn der Verkehrsausschuss des Bundestages schon mal angenommen und im Bundesrat zeichnet sich auch eine Einigung ab. Wie es sich für einen Kompromiss gehört, liegen die Grenzen für Strafen und Fahrverbote dabei zwischen denen der Novelle und der alten Regelung, womit dann anscheinend die meisten leben können. Und weil der Vorschlag aus dem kleinen Saarland kommt, fühlt sich auch keiner der Großkopferten in Berlin und anderswo in seiner Position bedroht.

An dieser Stelle kommen wir nicht umhin, auch den Verkehrsminister zu loben, ob seines steten Bemühens, einen Rücktritt zu vermeiden. Andreas Scheuer ist ähnlich unkaputtbar wie Nosoderma diabolicum. Hinter dem lateinischen Namen versteckt sich kein antiker römischer Held, sondern ein besonders stabiler und flexibler Käfer, dessen Panzer weder von Autoreifen oder Schuhsohlen noch von den meisten Schnäbeln seiner Fressfeinde beschädigt werden kann. Tatsächlich hält er, so lernten wir es von den Kollegen des Spiegel-Wissenschaftsressorts, das 39.000-fache seines Körpergewichts an Druck aus. Ein echter Scheuer eben.

Loben könnten wir auch Tesla, weil die Kalifornier es geschafft haben zum fünften Mal nacheinander einen Gewinn auszuweisen. Wir wissen aber nicht, ob der nun vom Ablasshandel mit CO2-Zertifikaten kommt oder vom Autohandel. Und da wir der fehlenden Nachfragemöglichkeit wegen beschlossen haben, darüber nicht mehr zu berichten, können wir auch nicht loben. Schade eigentlich.

Ganz loblos soll Nordamerika aber nicht bleiben, weshalb wir hiermit SSC North Amerika offiziell Respekt und Anerkennung zollen, für die meisterhafte Leistung mit einem nach alter Väter Sitte benzingetriebenen Auto mit 508,73 km/h einen neuen Rekord in Sachen Höchstgeschwindigkeit aufgestellt zu haben. Tatsächlich war der SSC Tuatara auf der elf Kilometer langen Gerade bei Las Vegas, wo die Rekordfahrt stattfand, bis zu 532 km/h schnell. Es zählte aber nur der Mittelwert von zwei Fahrten, eben die 508 km/h. Der alte Rekord des Koenigsegg Agera RS lag bei schlappen 447 km/h.

Der tschechischen Firma Torsus fiel wiederum auf, dass nicht überall die Straßen so lang und flach und gut ausgebaut sind, dass man sie zum Schnellfahren nutzen kann. Und weil sie sich mit der Umrüstung und dem Aufbau von Lastwagen beschäftigt, hat sie für Wege, die kaum noch oder noch gar nicht da sind, einen geländegängigen Schulbus erdacht. Der gelbe Bus meistert die noch zu bauenden Straßen in abgelegen Gegenden Afrikas ebenso wie die sich auflösenden in machen Ecken hierzulande und scheint uns deshalb eine echte Marktlücke zu füllen. Lernen steht schließlich auch in einer digitalen Zukunft auf dem Programm und trotzt Corona ist es gut, wenn sich Lehrer und Schüler ab und zu sehen. Meinen wir zumindest. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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