Politik

Israel beginnt mit schrittweiser Lockerung der Corona-Regeln

  • AFP - 18. Oktober 2020, 14:59 Uhr
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Ultra-orthodoxe Gläubige
Bild: AFP

In Israel haben die Behörden am Sonntag mit einer schrittweisen Lockerung der strikten Corona-Regeln begonnen. Am Vorabend gingen ungeachtet der strengen Beschränkungen erneut zehntausende regierungskritische Demonstranten in mehreren Städten auf die Straße.

In Israel haben die Behörden am Sonntag mit einer schrittweisen Lockerung der strikten Corona-Regeln begonnen. Kitas, Grundschulen, Nationalparks und Strände wurden wieder geöffnet. Am Vorabend gingen ungeachtet der strengen Beschränkungen erneut zehntausende regierungskritische Demonstranten in mehreren Städten auf die Straße. Dabei kam es laut Polizei an einigen Orten zu Zusammenstößen. Die Sicherheitskräfte nahmen mehrere Menschen fest, die Tränengas gegen die Demonstranten einsetzten.

Nach dem ersten Auftreten von Corona-Fällen in Israel hatte das Land die Pandemie zunächst gut in den Griff bekommen. Nach der weitgehenden Aufhebung der Corona-Restriktionen verzeichnete Israel aber im September eine der höchsten Infektionsraten weltweit. Inzwischen gehen die Fallzahlen wieder zurück.

Der am 18. September verhängte zweite Lockdown soll nun in mehreren Etappen aufgehoben werden. Dieses Mal würden die Beschränkungen "vorsichtig" gelockert, erklärte Regierungschef Benjamin Netanjahu am Samstagabend. Die erste Phase soll sich bis Februar erstrecken. Unternehmen ohne Publikumsverkehr dürfen die Arbeit wieder aufnehmen, und die Menschen dürfen sich wieder weiter als einen Kilometer von ihrer Wohnung entfernen.

In mehreren ultra-orthodoxen Gebieten des Landes bleibt der Lockdown jedoch bestehen. Dort sind die Infektionszahlen nach wie vor sehr hoch. Netanjahu rief die ultra-orthodoxen Gemeinden ausdrücklich dazu auf, "die Regeln zu befolgen". Der einflussreiche Rabbiner Chaim Kanievsky ordnete trotz der Behördenauflagen an, ultra-orthodoxe Schulen wieder zu öffnen.

Am Vorabend der Lockerungen versammelten sich erneut tausende Menschen zu Protesten gegen Netanjahu, der wegen Korruptionsvorwürfen und seines Umgangs mit der Corona-Krise in der Kritik steht. In Jerusalem kamen nach Medienberichten mehrere tausend Menschen zu den Protesten. Sie schwenkten israelische Fahnen und trugen Masken mit den Worten "Verbrechens-Minister". 

Am Abend kam es laut Polizei zu Zusammenstößen, als Protestierende versuchten, aus dem für die Demonstration genehmigten Bereich auszubrechen, den Verkehr störten und Sicherheitskräfte angriffen. Drei Menschen wurden festgenommen. 

Die Polizei berichtete von mehreren Zwischenfällen in verschiedenen Städten des Landes, bei denen Demonstranten von "Verdächtigen" mit Tränengas angegriffen und beschimpft worden seien. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Vor einigen Tagen hatten bereits rechtsextreme Gegendemonstranten in der Stadt Holon nahe Tel Aviv regierungskritische Demonstranten attackiert.

Israel hatte zeitweise eine der höchsten Infektionsraten weltweit. Ende September lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei über 8000. Am Sonntag meldeten die Behörden jedoch nur noch 397 neue Fälle innerhalb eines Tages. insgesamt haben sich in dem Land mit seinen neun Millionen Einwohnern seit Beginn der Pandemie mehr als 302.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 2200 starben an den Folgen der Infektion.

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