Brennpunkte

Drohnen und Raketen: Russland überzieht Kiew mit nächtlichen Angriffen

  • AFP - 24. Mai 2026, 06:49 Uhr
Bild vergrößern: Drohnen und Raketen: Russland überzieht Kiew mit nächtlichen Angriffen
Angriffsschäden in Kiew
Bild: AFP

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist in der Nacht zu Sonntag von einer weiteren Angriffsserie erschüttert worden. Das berichtete eine AFP-Journalistin am frühen Sonntagmorgen. Ein paar Stunden zuvor waren in Kiew heftige Explosionen zu hören gewesen.

Russland hat die ukrainische Hauptstadt Kiew in der Nacht zu Sonntag mit umfangreichen Raketen- und Drohnenangriffen überzogen. Die ganze Nacht über waren immer wieder laute Explosionen zu hören, nach vorläufigen Behördenangaben wurden ein Mensch getötet und 20 weitere verletzt. Zuvor hatte Russland wegen eines ukrainischen Drohnenangriffs auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk mit Vergeltung gedroht.

"Heute Nacht hat die Region Kiew einmal mehr einen Großangriff des Feindes mit Kampfdrohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen erlitten", erklärte der Chef der Regionalverwaltung, Mykola Kalaschnyk. 

Der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, teilte mit, es gebe ein Todesopfer und mindestens 20 Verletzte. Kiew sei "das Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen". Dadurch seien "Brände und Schäden an Wohngebäuden" verursacht worden. Später verkündete Tkatschenko das Ende des Luftalarms.

Journalisten der Nachrichtenagentur AFP hörten bis in die Morgenstunden immer wieder Explosionen. Dutzende Menschen suchten in einer Metro-Station im Stadtzentrum Schutz.

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, aus jedem Bezirk der Stadt seien Schäden durch die Angriffe gemeldet worden. Im Bezirk Schewtschenkiwsky wurde demnach eine Schule getroffen, wodurch dort ein Brand ausbrach. Wegen eines Feuers in einem Geschäftszentrum hätten Menschen in einem Schutzraum festgesessen.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstagabend erklärt, den ukrainischen Geheimdiensten lägen Daten unter anderem von Partnern in Europa und den USA vor, wonach Russland einen Angriff mit seiner neuartigen Oreschnik-Rakete vorbereite. Auch die US-Botschaft in Kiew warnte, ihr vorliegenden Informationen zufolge könne "jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden" ein "möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen".

Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometer Entfernung erreichen kann. Laut Russlands Präsident Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme "unmöglich", die Rakete abzufangen.

Die neuartige Rakete wurde - mit konventionellen Sprengköpfen bestückt - bislang zweimal gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt. Im vergangenen August verkündete Putin die Serienproduktion von Oreschnik-Raketen. Mitte Dezember wurde die Rakete im mit Russland verbündeten Belarus stationiert.

Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht zum Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen. Mindestens 18 Menschen, zumeist junge Frauen, wurden demnach getötet, 42 weitere wurden verletzt. Das russische Außenministerium drohte den Verantwortlichen eine "unausweichliche und harte Bestrafung" an.

Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel des Angriffs sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.

Am Samstag teilten die russischen Behörden mit, nach einem ukrainischen Drohnenangriff sei im Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ein Feuer ausgebrochen. Herabstürzende Trümmer hätten ein Öldepot und auch das Gelände des Kraftstoffterminals getroffen. Zwei Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

Der Hafen von Noworossijsk in der südrussischen Grenzregion Krasnodar ist der größte Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer: Rund ein Fünftel der per Schiff transportierten russischen Rohöllieferungen wird dort abgewickelt. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte am Samstagmorgen mit, dass in der Nacht insgesamt 348 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört worden seien.

Russland überzieht die Ukraine seit mehr als vier Jahren mit Luftangriffen. Die Ukraine reagiert mit Gegenangriffen auf russisches Staatsgebiet, insbesondere auf Ziele der Öl- und Energieinfrastruktur. Die Verhandlungen über eine Beendigung der Kämpfe liegen derzeit auf Eis.

Weitere Meldungen

Russland setzt Oreschnik-Rakete in Ukraine ein

Moskau/Kiew (dts Nachrichtenagentur) - Russland hat die Ukraine in der Nacht zu Sonntag mit massiven Raketengriffen überzogen. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung

Mehr
Melnyk fordert mehr Diplomatie von Europa

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der frühere Ukraine-Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, hat die europäischen Staaten aufgefordert, diplomatisch stärker auf Russland

Mehr
Mindestens 24 Tote bei Anschlag auf Zug mit Soldaten in Pakistan

In Pakistan sind bei einem Anschlag auf einen Zug mit Soldaten mindestens 24 Menschen getötet worden. Wie ein hochrangiger Behördenvertreter sagte, wurden bei der

Mehr

Top Meldungen

Grüne pochen auf Stopp des neuen Heizungsgesetzes

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Klimapolitikerin der Grünen im Bundestag, Lisa Badum, übt scharfe Kritik am künftigen Heizungsgesetz und fordert, es zu stoppen. Die

Mehr
Trump kündigt neue Friedensvereinbarung mit dem Iran an

Washington (dts Nachrichtenagentur) - US-Präsident Donald Trump hat eine neue Friedensvereinbarung mit dem Iran angekündigt, die angeblich kurz vor dem Abschluss steht. Nach

Mehr
Hoeneß sortiert Würstchen in Supermärkten

München (dts Nachrichtenagentur) - Uli Hoeneß kümmert sich nach eigener Darstellung regelmäßig persönlich darum, dass Würstchen aus seiner Wurstfabrik in Supermärkten

Mehr