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Analyse: Hälfte der Klinikfälle könnte vermieden oder ambulant versorgt werden

  • AFP - 6. Mai 2026, 12:00 Uhr
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OP-Saal in der Uniklinik Bochum
Bild: AFP

In allen 16 Bundesländern könnte mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle vermieden oder ambulant versorgt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in Berlin vorgestellte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.

In allen 16 Bundesländern könnte mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle vermieden oder ambulant versorgt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in Berlin vorgestellte Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der "Krankenhaus-Report 2026". Auf Bundesebene wären demnach von den insgesamt 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 etwa 8,6 Millionen "ambulantisierbar" oder vermeidbar.

Damit könnten der Auswertung zufolge rund 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und 39 Prozent der Klinikausgaben eingespart werden. Besonders groß ist das Potenzial für eine ambulante Versorgung dabei mit jeweils über 60 Prozent der Fälle in der Inneren Medizin und der Allgemeinen Chirurgie.

In den einzelnen Bundesländern reicht das Spektrum des sogenannten Ambulantisierungspotenzials von 53 Prozent in Bremen bis zu 58 Prozent in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. 

In keinem Bundesland sei es bislang gelungen, das Potenzial "in einem strukturell relevanten Ausmaß zu heben", erklärte dazu WIdO-Geschäftsführer und Studienautor David Scheller-Kreinsen. Eine ambulante Versorgung führe im Vergleich zu einer stationären aber zu deutlich geringeren Kosten, da vor allem der "teure Bedarf" einer Betreuung rund um die Uhr entfalle.

"Das Thema wird mit der aktuellen Krankenhausreform nicht konsequent angegangen", kritisierte Scheller-Kreinsen. "Die Reform enthält praktisch keine Maßnahmen zur Ambulantisierung, die angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Kosten im Krankenhausbereich aber dringend notwendig wäre." Hier müsse die Politik nachjustieren.

"Wir müssen mehr tun, um die sogenannte Ambulantisierung – also die Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich – voranzubringen", forderte auch die Vorstandschefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann. Die aktuell geltende Krankenhausreform werde bei diesem Thema nicht viel erreichen können, das zeigten die ersten Auswertungen.

Die Verlagerung von Krankenhausbehandlungen in den ambulanten Bereich sei aber dringend notwendig, betonte Reimann. "Denn dort können Patientinnen und Patienten bei gleicher Qualität zu geringeren Kosten für die Versichertengemeinschaft behandelt werden".

Die vor über einem Jahr in Kraft getretene Krankenhausreform zielt auf eine stärkere Spezialisierung der deutschen Kliniken. Vor allem kleinere Häuser sollen weniger Leistungen anbieten und sich auf jene Eingriffe beschränken, die sie gut beherrschen. Erst Anfang März beschloss der Bundesrat Änderungen an der Reform. Dabei geht es unter anderem um Ausnahmeregeln für kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum.

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