Brennpunkte

UN-Sicherheitsrat befasst sich am Dienstag mit Eskalation in Berg-Karabach

  • AFP - 29. September 2020, 03:50 Uhr
Bild vergrößern: UN-Sicherheitsrat befasst sich am Dienstag mit Eskalation in Berg-Karabach
Foto der aserbaidschanischen Armee von den Kämpfen
Bild: AFP

Der neu ausgebrochene Militärkonflikt in der Kaukasusregion Berg-Karabach beschäftigt zunehmend die internationale Diplomatie. Am Dienstag befasst sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage in dem zwischen Aserbaidschan und Armenien umstrittenen Gebiet.

Der neu ausgebrochene Militärkonflikt in der Kaukasusregion Berg-Karabach beschäftigt zunehmend die internationale Diplomatie. Am Dienstag wird sich der UN-Sicherheitsrat mit den Kämpfen in dem zwischen Aserbaidschan und Armenien umstrittenen Gebiet befassen. Die Zahl der durch die jüngsten Gefechte getöteten Menschen stieg auf mindestens 95. 

Die Dringlichkeitssitzung des mächtigsten UN-Gremiums soll am Nachmittag (US-Ostküstenzeit) hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Initiative für das Treffen sei von Deutschland und Frankreich ausgegangen, hieß es am UN-Sitz in New York. Formell beantragt wurde die Sitzung von Belgien. 

Nach Angaben von Diplomaten soll im Anschluss an die Beratungen des Sicherheitsrats eine Erklärung veröffentlicht werden - entweder im Namen des gesamten Gremiums oder nur im Namen seiner europäischen Mitgliedstaaten, sollte kein Konsens im gesamten Rat erreicht werden können.

Am Montag hatte die Furcht vor einer Ausweitung der Kämpfe in Berg-Karabach durch Einmischungen ausländischer Mächte zugenommen. "Eine Einmischung von außen ist nicht akzeptabel", warnte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Der Neuausbruch des Konflikts sei eine "sehr gefährliche Entwicklung", sagte in Berlin Regierungssprecher Steffen Seibert. Es müsse einen "sofortigen Waffenstillstand" geben.

Am Montagabend starteten aserbaidschanische Soldaten eine neue "große Offensive" in südlichen und nordöstlichen Bereichen der Frontlinie, wie ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan sagte. Nach Angaben der von Armenien unterstützten Aufständischen in der Südkaukasus-Region wurden 26 weitere Rebellenkämpfer getötet. Damit sei die Zahl der getöteten Rebellenkämpfer auf 84 gestiegen.

Unter den nach offiziellen Angaben bei den Kämpfen getöteten insgesamt mindestens 95 Menschen waren elf Zivilisten. Die Opferzahl könnte tatsächlich aber viel höher sein. So gab die Regierung in Aserbaidschan an, hunderte pro-armenische Kämpfer getötet zu haben. Die pro-armenischen Rebellen dementierten dies.

Armenien sowie die pro-armenische Regionalregierung von Berg-Karabach beschuldigen die Türkei, die aserbaidschanische Seite mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Drohnen, Soldaten und Söldnern zu unterstützen. Die Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzten, dass die Türkei mehr als 300 Kämpfer aus Syrien abgezogen und nach Berg-Karabach verlegt habe.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium wies diese Vorwürfe zurück. Es erhob im Gegenzug den Vorwurf, dass "ethnisch-armenische" Söldner aus dem Nahen Osten nach Berg-Karabach verlegt worden seien.

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region Berg-Karabach. Am Sonntag war der Konflikt nach Jahren relativer Ruhe neu aufgeflammt. Dabei bekämpfen sich die aserbaidschanische Armee und pro-armenische Rebellen, die Berg-Karabach kontrollieren.

Berg-Karabach hatte in den 1990er Jahren seine Unabhängigkeit erklärt, wurde aber von keinem Land anerkannt und gilt international nach wie vor als Teil von Aserbaidschan. Die Türkei sicherte Aserbaidschan nach dem jetzigen neuen Aufflammen der Kämpfe umgehend volle Unterstützung zu. Die Türkei hatte Aserbaidschan in den vergangenen Jahren bei der Modernisierung seiner Armee unterstützt.

Die Türkei ringt in der Region vor allem mit Russland um Einfluss. Moskau hat freundschaftliche Beziehungen zu beiden Seiten. Es unterhält in Armenien einen Militärstützpunkt, liefert aber auch Waffen an Aserbaidschan. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, Priorität müsse nun sein, "die Feindseligkeiten zu beenden - und nicht die Frage, wer Recht hat und wer nicht."

Weitere Meldungen

Furcht vor Umweltkatastrophe durch beschädigten Öltanker vor Venezuela

Vor der Küste Venezuelas droht nach Angaben von Oppositionspolitikern wegen eines beschädigten Öltankers eine Umweltkatastrophe. Rund 1,3 Millionen Barrel Rohöl auf dem Tanker

Mehr
Russlands Präsident: Habe Genehmigung für Nawalnys Ausreise persönlich erteilt

Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach eigenen Angaben persönlich die Genehmigung für eine Behandlung des vergifteten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in Deutschland erteilt.

Mehr
Stoltenberg: Türkei muss zur Entspannung im Konflikt um Berg-Karabach beitragen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat die Türkei aufgefordert, zur Entspannung im Konflikt um die Kaukasus-Region Berg-Karabach beizutragen. Armenien und Aserbaidschan müssten

Mehr

Top Meldungen

EU-Verbrauchervertrauen im September gestiegen

Brüssel - Das sogenannte "Verbrauchervertrauen" in der Europäischen Union ist im Monat September gestiegen. Der von der EU ermittelte Indikator CCI stieg in der Euro-Zone um 0,8

Mehr
Automobilverband verlangt Klarheit bei E-Auto-Förderung

Berlin - Das Durcheinander rund um die Kaufprämie für Elektroautos ruft den Verband der Automobilindustrie auf den Plan. "Komplizierte Verfahren bremsen den Hochlauf der

Mehr
Wöchentliche Arbeitslosenmeldungen in den USA deutlich gesunken

Die Zahl der wöchentlichen neuen Arbeitslosenmeldungen in den USA ist deutlicher gesunken als erwartet. In der vergangenen Woche meldeten sich 787.000 Menschen neu arbeitslos, wie

Mehr