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Sonst noch was? - Dumm gelaufen

  • Günter Weigel/SP-X - 27. September 2020, 10:26 Uhr
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Sonst noch was? Foto: SPX

Optimistische Autofahrer, unglückliche Straßenplaner, sehr flexible Veranstalter - wir verbinden Dinge, die nur auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben.

Albert Einstein wird die Erkenntnis zugeschrieben, zwei Dinge seien unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum wäre er sich aber nicht ganz sicher. Dass er in Bezug auf die menschliche Dummheit eher Recht hat, können wir einmal mehr anhand von aktuellen Beobachtungen aus dem Straßenverkehr bestätigen. So wurden wir dieser Tage Zeuge, als der Fahrer eines Kompakt-SUV eine sehr lange und freie Gerade lang überlegte, ob er denn den vor ihm fahrenden Lastwagen überholen könne oder nicht. Nach ausführlichem Abwägen des Für und Wider entschied er sich dann für das Überholen des Sattelzuges, und zwar ca. 200 Meter vor dem Ende einer Kuppe am Ende der Zweikilometergerade. Zum Glück konnte das entgegenkommende Fahrzeug gerade noch ausweichen.

Nun kann man als Autofahrer nicht immer Glück haben, wobei dieses ja sowieso relativ ist, und manchmal tatsächlich mehr der Allgemeinheit nutzt. Der Polizei in Flensburg etwa wollte vergangene Woche einen BMW kontrollieren. Als das Fahrzeug die Autobahn verlies, gab die Polizei Haltesignale, woraufhin das bayerische Premiumprodukt sein Tempo stark reduzierte und heftige Lenkbewegungen ausführte. Beim anschließenden Stopp des Fahrzeugs fanden die Beamten eine 22-Jährige hinter dem Steuer, die allerdings kaum an die Pedale des Wagens kam. Auf der Autobahn hatte ja auch noch jener 18-Jährige das Fahrzeug gelenkt, der nun auf dem Beifahrersitz saß. Wie sich herausstellte, hatte aber just dieser keinen Führerschein. Die 22-jährige allerdings auch nicht. Ebenso wenig die 45-Jahre alte Halterin des BMW auf der Rückbank. Das Trio wurde anschließend von einem Familienmitglied mit Führerschein (!) abgeholt und dürfte wohl auch in Zukunft auf Dienstleister zum Fahren angewiesen sein - oder eben zu Fuß gehen. Das soll ja gesund sein.

Eine Alternative wäre auch Radfahren. Das wird trotz Corona und Mobilitätswende aber noch immer nicht überall gerne gesehen. Zumindest finden Verwaltungen oder besser gesagt Straßenbau- und Straßenplan-Behörden immer wieder Gründe, warum man an dieser Stelle doch lieber keinen Radweg bauen sollte. In unserem Fall handelt es sich um einen Radweg entlang einer eher stärker befahrenen Landstraße, die ein Dorf mit der gut zwei Kilometer entfernten Kreisstadt verbindet. Entlang der Straße wünschen sich seit nunmehr bald 20 Jahren Menschen einen Radweg, auf dass sie nicht mit Lastern und Pendlern um die gleichen fünf oder sechs Meter Straßenbreite konkurrieren müssen. Unglücklicherweise quert die Straße mittels zweier Brücken eine Bundesstraße und einen Bach. Und während das Anlegen des Radwegs entlang der Straße zwar etliche hunderttausend Euro kostet, aber schnell gemacht wäre, liegen die Kosten für den Radweg über die Brücken gleich bei mehreren Millionen.

Nun wurde eine Brücke für einen Millionenbetrag gerade saniert und man sollte meinen, da kann man doch den Meter Radweg gerade mit bauen, zumal ja auch ein Fußweg über nämliche Brücke führt. Das geht aber leider nicht, weil nach irgendeiner neuen Verordnung so ein Radweg so breit sein muss, dass sich zwei Fahrräder begegnen können müssen und dafür ist auf der Brücke halt kein Platz mehr. Entsprechend müsste eine völlig neue Brücke konstruiert werden und das kostet eben - und dauert. Dass der zugehörige Radwegeplan des Landkreises und des Bundeslandes etliche Radwege beinhaltet, die gerade mal 80 Zentimeter breit sind und mitnichten Begegnungsverkehr ermöglichen, ficht die Behörde nicht an. Vorschrift ist eben Vorschrift und deshalb geht das mit dem Radweg nicht. Sollen sie halt auf der Straße fahren.

Gefahren wären dieser Tage auch etliche Kollegen gerne neue Fahrzeuge, sie durften aber nicht zur Präsentation anreisen, weil sie just zuvor in einem neuen Risikogebiet waren. In einem Fall war die veranstaltende Marke im Risikogebiet sogar dieselbe, die die Journalisten bei einer weiteren Präsentation nicht dabeihaben wollte. Klingt irgendwie nach Eigentor. Auslandstermine wurden derweil gleich reihenweise wieder abgesagt, weil ja überall um uns herum Risikogebiete entstehen und wir wiederum für andere Länder eines sind. Das liegt nicht zuletzt daran, dass in allen Ländern Menschen leben, die das Wesen einer Pandemie nicht ganz verstanden haben. So hörten wir dieser Tage einen Bekannten erzählen, was er in der Corona-Zeit so alles mitgemacht habe, unterstellend, dass die ja nun vorbei sei. Was uns nun wieder zu Herrn Einstein und seiner Einschätzung der Menschheit bringt. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.

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