Wirtschaft

Klingbeil-Berater Südekum rechnet mit Trump-Einknicken

  • dts - 12. Juli 2025, 16:57 Uhr
Bild vergrößern: Klingbeil-Berater Südekum rechnet mit Trump-Einknicken
Lars Klingbeil am 11.07.2025, via dts Nachrichtenagentur

.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Deutsche Ökonomen rechnen damit, dass US-Präsident Donald Trumps Zollandrohung von 30 Prozent auf EU-Waren vom 1. August an noch nicht das letzte Wort sein werden.

"Trump ist bekannt dafür, immer wieder starke Ansagen und dann Rückzieher zu machen", sagte Jens Südekum der FAZ. "Ich habe keinen Anlass, dass es dieses Mal anders sein wird." Südekum ist der persönlich ökonomische Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).

Auch Moritz Schularick, der Präsident des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), sagte der FAZ: "Ich halte die Wahrscheinlichkeit von TACO sehr hoch". TACO - Trump always chickens out - ist eine Wortschöpfung, die sich unter Anlegern etabliert hat. Sie bedeutet, dass der US-Präsident seine harten Androhungen nicht komplett umsetzt. Auch nach dem sogenannten "Liberation Day" Anfang April hatte Trump seine ursprüngliche angekündigten Zollsätze reduziert und ausgesetzt.

Sollte Trump allerdings dieses Mal nicht nachgeben, träfe das die deutsche Volkswirtschaft empfindlich. "Im kommenden Jahr würde das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte weniger wachsen", prognostiziert Schularick. Ein solcher Rückschlag würde Deutschland aber nicht in die Rezession stoßen, da für das kommende Jahr wegen der großen Ausgabenprogramme der Bundesregierung ein Wirtschaftswachstum von etwa 1,5 Prozent prognostiziert werde.

Für die EU-Kommission, die die Zollverhandlungen für die EU führt, haben beide Ökonomen eine klare Empfehlung: Keine überhasteten Gegenmaßnahmen einleiten, aber für den 1. August Gegenmaßnahmen androhen, die Trump womöglich zum Einlenken bewegen. Beide verwiesen darauf, dass Trumps Verweis auf das amerikanische Handelsdefizit mit der EU ein unvollständiges Argument sind, denn im Dienstleistungshandel habe die USA einen ebenso großen Überschuss mit der EU. "Die Kommission muss in den Verhandlungen jetzt auch den Dienstleistungshandel auf den Tisch legen", sagte Schularick. Klingbeil-Berater Südekum sagte: "Am 1.8. muss die EU Gegenmaßnahmen parat haben, egal ob Digitalsteuer, Zölle oder Exportbeschränkungen."

Schularick und Südekum rechnen damit, dass es an den Börsen am Montag zu Verlusten kommen wird, was Trump nicht unbeeindruckt lassen könnte. Die Vereinigten Staaten seien wirtschaftlich die größten Verlierer des Konflikts. Da sie auch andere große Handelspartner wie China und Japan mit hohen Zöllen belegen wollen und die Importe nicht durch Produkte aus dem eigenen Land ersetzen können, sei eine stark steigende Inflation unvermeidlich. Ein Restrisiko für sehr weitreichende Folgen auch für Deutschland bleibe. "Wenn die USA in die Rezession fällt oder es an den Finanzmärkten Chaos gibt, dann wären die Folgen unkalkulierbar."

Weitere Meldungen

USA werden Sanktionslockerung für russisches Erdöl nicht verlängern

Die USA werden im Zuge des Iran-Kriegs beschlossene Sanktionslockerungen für russisches Erdöl nicht verlängern. "Wir werden die Generallizenz für russisches Öl nicht

Mehr
Merz verspricht Lufthansa Bedingungen für Wachstum der Branche

Frankfurt am Main (dts Nachrichtenagentur) - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will trotz der Herausforderungen des menschengemachten Klimawandels weiterhin auf Wachstum in der

Mehr
IW: Stimmung in der Wirtschaft noch schlechter als vor einem Jahr

Köln (dts Nachrichtenagentur) - Die Stimmung deutscher Unternehmen ist noch schlechter als vor einem Jahr. Dies geht aus einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der

Mehr

Top Meldungen

Ökonom rät zu Zwei-Prozent-Steuer auf hohe Millionen-Vermögen

Paris (dts Nachrichtenagentur) - Der französische Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Zucman hat eine jährliche Mindeststeuer von zwei Prozent auf Nettovermögen von mehr als 100

Mehr
IGES: Warkens Modell reduziert Einsparungen bei Familienversicherung

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das geplante Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für die gesetzlichen Krankenkassen könnte bei einem zentralen Punkt deutlich

Mehr
Spahn stellt nach Tankrabatt weitere Maßnahmen in Aussicht

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, über weitere Entlastungsmaßnahmen nachzudenken, sollten die Preise für Öl auch nach

Mehr