Finanzen

Städtetag fürchtet Flickenteppich nach Grundsteuerreform

  • dts - 9. August 2020
Bild vergrößern: Städtetag fürchtet Flickenteppich nach Grundsteuerreform
Wohnhaus
dts

.

Berlin - Der Deutsche Städtetag warnt vor einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Regelungen bei der Grundsteuer. "Stark unterschiedliche Grundsteuergesetze in den Ländern erschweren die Entwicklung gemeinsamer IT-Programme für die Steuerverwaltungen in den einzelnen Ländern", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der "Welt am Sonntag".

"Dadurch steigen die IT-Kosten der Steuerverwaltung erheblich." Der Städtetag favorisiere daher das Bundesmodell von Finanzminister Olaf Scholz (SPD), das an den Wert der Grundstücke anknüpfe. "Das ist wichtig, damit die neue Grundsteuer von den Menschen akzeptiert und als gerecht empfunden wird", sagte Dedy. Viele Bundesländer wollen von einer Öffnungsklausel in dem 2019 verabschiedeten Gesetz Gebrauch machen. Baden-Württemberg plant eine Steuer, die sich größtenteils nach dem Bodenwert richtet, Sachsen brachte ein Gesetz auf dem Weg, das ähnlich wie das Bundesmodell funktioniert. Bayern will ausschließlich die Fläche von Grundstücken und Wohnungen besteuern. Auch Niedersachsen und Hessen planen Flächenmodelle, kombiniert mit einem Lagefaktor. Andere Bundesländer haben sich noch nicht entschieden. Bei flächenbezogenen Modellen könnten insbesondere Gewerbegrundstücke stärker steuerlich belastet werden als bisher, wie eine Rechnung des Steuerexperten Dirk Löhr zeigt, Professor für Steuerlehre an der Hochschule Trier. "Auf Nichtwohngrundstücke entfallen bisher rund 40 Prozent des Steueraufkommens. Eine Flächensteuer könnte diesen Anteil auf 60 Prozent heben", sagte er. Das Vorhaben sorgt für Kritik beim Verband der Familienunternehmer. Verbandspräsident Reinhold von Eben-Worlée sagte zu der "Welt am Sonntag": "Was vor einem Jahr schon bei der Grundsteuerreform auf Bundesebene fehlte, droht jetzt auch bei der Umsetzung in den Ländern: Die Auswirkungen der Grundsteuerbelastungen für die Wirtschaft werden ausgeblendet." Unternehmen schulterten schon jetzt mindestens 37 Prozent des Gesamtaufkommens. "Es darf nicht sein, dass die Wirtschaft zugunsten anderer Grundstücksklassen nun noch stärker belastet wird."

Weitere Meldungen

Bericht: Bundesbank prüfte Ankauf von Wirecard-Anleihe

Frankfurt/Main - Die Bundesbank hat offenbar im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen Währungsbehörden geprüft, ob sie eine Anleihe des inzwischen insolventen

Mehr
Gastwirt bekommt von Versicherung eine Million Euro wegen Schließung im Lockdown

Ein Münchner Gastwirt bekommt von seiner Versicherung gut eine Million Euro wegen der Zwangsschließung seines Betriebs im Zuge des Corona-Lockdowns. Bei der Höhe der Entschädigung

Mehr
IW-Studie: Soli-Abbau führt zu 86 Milliarden Euro Wirtschaftsplus

Berlin - Die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags würde laut einer Studie bis 2030 zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 86 Milliarden Euro führen

Mehr

Top Meldungen

Lufthansa weist Vorwurf des Lohndumpings bei neuer Touristik-Tochter zurück

Die Lufthansa wehrt sich gegen den Vorwurf, durch die Gründung ihrer neuen Ferienfluggesellschaft Ocean in der Corona-Krise Tariflöhne zu umgehen. Der Konzern habe schon vor der

Mehr
Erneut mehr als 800.000 neue Arbeitslosenmeldungen in den USA

In den USA haben inmitten der Corona-Krise erneut mehr als 800.000 Menschen ihren Job verloren. Wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte, meldeten sich in

Mehr
EU-Kommission: Starker Euro belastet Wachstum

Brüssel - Der starke Euro könnte nach Einschätzung der EU-Kommission zur Belastung für den Aufschwung in der Eurozone werden. Eine weitere Aufwertung der europäischen

Mehr