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Burda-Chef will eigene digitale Infrastruktur in Europa

  • dts - 3. August 2020, 09:07 Uhr
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Zwei Männer surfen im Internet
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Offenburg - Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen plädiert für digitale Souveränität in Europa. "Wir müssen eine eigene digitale Infrastruktur aufbauen, die unseren Wertvorstellungen entspricht – das betrifft den Browser, Suchmaschinen und so weiter", sagte Kallen dem "Handelsblatt".

Zudem brauche man eine entsprechende Regulatorik. "Wir müssen den bestehenden Playern Vorschriften machen, wie unsere Infrastruktur auszusehen hat. Diese Vorschriften müssen Europas Werte widerspiegeln, Werte wie Datenschutz, Datensicherheit, Datenintegrität." Europa müsse Regeln aufstellen und Gesetze erlassen, die nicht nur für alle ansässigen Firmen gelten würden, sondern auch für die außereuropäischen Unternehmen, die europäische Kunden bedienten.

"Wir beschützen die Bürger in Deutschland sehr effizient vor deutschen Unternehmen, aber null vor außereuropäischen Unternehmen. Das ist ein Akt der Selbstgeißelung, der mir nicht einleuchtet. So bleibt Europa bei der digitalen Infrastruktur abhängig von ausländischen Firmen." Dabei befürchtet Kallen, dass der Aufbau digitaler Souveränität in Europa nur zum Preis außenpolitischer Konflikte gelingen werde.

"Amerika tut gerade sehr viel dafür, dass Europa eine digitale Kolonie bleibt." Dass der Betrugsskandal rund um Wirecard die Euphorie für neue Technologien in Deutschland bremsen könnte glaubt der Burda-Chef nicht. Ihm kommt bei dem Thema eine andere Frage in den Sinn. "Die Frage ist eher, warum Payment keine Kernkompetenz der großen deutschen Banken ist", sagte Kallen. Das Geschäft läuft bei der Burda-Gruppe, zu deren bekanntesten Marken in Deutschland Focus und "Bunte" sowie Beteiligungen wie Holidaycheck und Events wie die Digitalkonferenz DLD gehören, laut Kallen trotz Coronakrise stabil. Das Unternehmen habe im ersten Halbjahr "mehr oder weniger den gleichen Umsatz gemacht wie 2019". Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 2,79 Milliarden Euro. "Das Ergebnis ist leicht besser als im Vorjahr. Das Investmentgeschäft lief noch vor Corona, also im Januar und Februar, sehr stark."

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