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Viertes Wochenende in Folge regierungskritische Massenproteste in Chabarowsk

  • AFP - 1. August 2020, 12:34 Uhr
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"Bringt Furgal zurück" steht auf dem Banner von Demonstranten
Bild: AFP

Das vierte Wochenende in Folge haben in der ostrussischen Stadt Chabarowsk tausende Menschen gegen die Festnahme des Gouverneurs Sergej Furgal demonstriert. Bei strömendem Regen zogen die Demonstranten am Samstag durch die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz.

Das vierte Wochenende in Folge haben in der ostrussischen Stadt Chabarowsk tausende Menschen gegen die Festnahme des Provinzgouverneurs Sergej Furgal demonstriert. Bei strömendem Regen zogen die Demonstranten am Samstag durch die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im fernen Osten Russlands und riefen Kreml-kritische Parolen. Die Massenproteste in Chabarowsk gehören zu den größten Demonstrationen gegen die Regierung in Moskau seit Jahren.

Viele Demonstranten schwenkten russische Flaggen und hielten Schilder mit Aufschriften wie "20 Jahre - Kein Vertrauen" in die Höhe, mit denen sie auf den seit dem Jahr 2000 regierenden russischen Präsidenten Wladimir Putin anspielten. Nach Schätzung von Journalisten nahmen an der Demonstration rund 30.000 Menschen teil, das Rathaus von Chabarowsk bezifferte die Teilnehmerzahl dagegen nur auf 3500. Im Vergleich zu den Vorwochen fiel der Protest sichtbar kleiner aus.

Im 750 Kilometer entfernten Wladiwostok beteiligten sich hunderte Menschen an einer Solidaritätskundgebung für die Menschen in Chabarowsk. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe OWD-Info wurden mehrere Menschen festgenommen.

Furgal war am 9. Juli festgenommen, nach Moskau gebracht und in Untersuchungshaft genommen worden. Ihm wird vorgeworfen, vor 15 Jahren mehrere Morde an Geschäftsleuten in Auftrag gegeben zu haben. Der 50-jährige Provinzgouverneur von der ultrarechten Liberaldemokratischen Partei (LDPR) weist die Vorwürfe zurück.

Die Anhänger des Gouverneurs sehen die Verhaftung als politisch motiviert an und als einen Versuch des Kreml, einen Gegner der Regierungspartei Geeintes Russland zum Schweigen zu bringen. "Einen Gouverneur auf diese Weise zu fassen, als wäre er der schlimmste Verbrecher - das ist auch ein Schlag ins Gesicht der Wähler, die für ihn gestimmt haben", sagte der 40-jährige Demonstrant Stanislaw Nasonow der Nachrichtenagentur AFP. 

Furgal hatte bei den Gouverneurswahlen 2018 fast 70 Prozent der Stimmen in der Region Chabarowsk geholt und den Kandidaten der Regierungspartei Geeintes Russland geschlagen. Ende Juli hatte Putin ihn offiziell abgesetzt und den LDPR-Abgeordneten Michail Degtjarjew als Interimsgouverneur eingesetzt. Viele Menschen aus Chabarowsk lehnen den 39-Jährigen ab, weil er nicht aus der Region stammt und wenig Erfahrung hat.

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