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Der Mangel an Handwerksfachkräften wird immer kritischer

  • Redaktion - 25. Januar 2023
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@ Foto von Greyson Joralemon auf Unsplash

Wer in der nächsten Zeit auf die Arbeiten von Handwerkern angewiesen ist, der findet sich höchstwahrscheinlich in einer ungemütlichen Situation zwischen langen Wartezeiten für Termine und orbitalen Kostenvorschlägen wieder – und das nicht ohne Grund, so Jörg Dittrich, seit Dezember letzten Jahres neuer Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, in einem kürzlichen Interview mit der Deutschen Presseagentur. Löhne steigen, Energiekosten steigen, Sozialversicherungsbeiträge steigen – während die Zahl der Auszubildenden drastisch sinkt.


Ein Umdenken in der Gesellschaft ist unumgänglich

Der seit Jahren immer distinkter werdende Trend der Akademisierung hat jüngst zu Beginn des Jahres bereits mehrere tausende Arbeitsplätze gekostet, als Tech-Giganten wie Google und Spotify über 12.000 IT-Spezialisten kündigten Die Nachfrage für akademische Stellen wird längst dem Angebot an studierten Fachkräften nicht mehr gerecht und auf der anderen Seite der Medaille bleiben über 60.000 der angebotenen Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt. Ein konkretes Umdenken muss stattfinden, bevor die Babyboomer-Jahrgänge in den nächsten Jahren allmählich in Rente gehen und ganze Handwerksberufe kopflos zurücklassen. Die Richtungen und Bemühungen der Politik und Gesellschaft müssen sich wieder dahin entwickeln, dass das Erlernen traditioneller Berufe auf der gleichen Wertstufe ist, wie das Absolvieren eines Studiums. Beim Öffnen der Arbeitstasche muss es egal sein, ob sich darin Bohrer-Sets, Gewürze oder Laserpointer befinden – beruflicher Erfolg und daraus resultierende Zufriedenheit sind müssen unabhängig und frei von Stigmatisierungen sein. Und eine finanzielle Gleichbehandlung ist dabei unerlässlich.

Klimaschutz und Handwerk gehen Hand in Hand

Aber nicht nur für Privatkunden, auch für die gesamte Zukunft der Gesellschaft, vor allem in Bezug auf die Pläne und Transformationen für eine Net-Zero-Wirtschaft und dem Kampf gegen die globale Erwärmung sind Handwerksberufe von gravierender Wichtigkeit. Der Umbruch von traditionellen Gerätschaften hin zu smarter Technik und energiesparenden, umweltfreundlichen Geräten vor allem in Sanitär, Elektronik, Kommunikations- und Automobilbranchen bedeutet neues Wissen, mehr Zuarbeit und intensivere Weiterbildungen vom momentanen Standard auf den zukünftigen. Bei fehlendem Personal und Nachwuchs, geht nicht nur ein gefährlicher Teil der Expertise und Erfahrungen verloren, sondern auch Zeit, um sich auf die Anforderungen des Klimaschutzes anzupassen.  

Was können Betriebe tun?

Der demografische Wandel der deutschen Bevölkerung und der gleichzeitige Zuwachs an Studiengängern lässt viele Handwerksbetriebe mit nicht belegten Ausbildungsplätzen zurück. Viele Betriebe setzen daher gezielt auf Sichtbarkeit; Messen, Besuche an Schulen, Ausstellungen – eine Wiederauferstehung der traditionellen Handwerkskünste, die heute bei vielen Jugendlichen bereits in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Auch die Nutzung sozialer Medien wie Meta, Instagram oder TikTok haben gute Ergebnisse erzielen können. Da konkrete Entlastungen des Arbeitsmarktes allerdings in naher Zukunft dennoch nicht zu erkennen sind, sind auch Arbeitskräfte aus der Zuwanderschaft gute Lösungen für den vorherrschenden Fachkräftemangel. Doch auch hier bremst das lange Warten auf Visas die Prozesse.

Ein Wandel muss kommen – finanziell, politisch und gesellschaftlich. Ein Aussterben des Handwerks bedeutet eine unüberwindbare Barrikade im Kampf für das Überleben unseres Planeten.

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