Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft wächst etwas stärker als zunächst gedacht

  • dts - 25. November 2022, 08:30 Uhr
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Stahlproduktion
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Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Die deutsche Wirtschaft ist im 3. Quartal doch etwas stärker gewachsen als zunächst gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte gegenüber dem 2. Quartal um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte.

Das waren 0,1 Prozentpunkte mehr als in der Schätzung von Ende Oktober mitgeteilt. Trotz schwieriger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen mit anhaltender Corona-Pandemie, Lieferengpässen, weiter steigenden Preisen und dem Krieg in der Ukraine sei die Wirtschaftsleistung wie bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres (+0,8 Prozent und +0,1 Prozent) weiter gestiegen. Sie sei im 3. Quartal vor allem von den privaten Konsumausgaben getragen worden. Trotz weiterhin starker Preissteigerungen und der sich ausweitenden Energiekrise nutzten die Verbraucher demnach auch im 3. Quartal die Aufhebung fast aller Corona-Beschränkungen, um zum Beispiel mehr zu reisen und auszugehen.

Die privaten Konsumausgaben waren insgesamt 1,0 Prozent höher als im 2. Quartal. Die Konsumausgaben des Staates blieben dagegen etwa auf dem Niveau des Vorquartals (0,0 Prozent). Die Bauinvestitionen waren wie schon im 2. Quartal im Minus (-1,4 Prozent), während die Investitionen in Ausrüstungen - also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge - kräftig zulegten (+2,7 Prozent). Der Handel mit dem Ausland nahm insgesamt trotz der angespannten internationalen Situation zu: Dank eines weiterhin hohen Auftragsbestands und wieder besser funktionierender weltweiter Lieferketten wurden im 3. Quartal 2022 2,0 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als im 2. Quartal.

Die Importe legten mit +2,4 Prozent noch stärker zu als die Exporte. Die Bruttowertschöpfung stieg im 3. Quartal um 1,4 Prozent. Dazu trug unter anderem die überraschend positive Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe bei. Diese trotzte Produktionsrückgängen in den energieintensiven Branchen wie der Herstellung von chemischen Erzeugnissen sowie der Metallerzeugung und -bearbeitung, die besonders von den stark gestiegenen Energiepreisen betroffen waren. Durch gleichzeitige Produktionssteigerungen vor allem in der Automobilbranche und im Maschinenbau nahm die Wirtschaftsleistung im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt um 0,9 Prozent zum Vorquartal zu. In den meisten Dienstleistungsbereichen stieg die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal ebenfalls. Besonders dynamisch wuchs die Bruttowertschöpfung in den zusammengefassten Bereichen Handel, Verkehr, Gastgewerbe (+3,3 Prozent), Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit (+4,5 Prozent) und sonstige Dienstleister (+5,4 Prozent). Im Baugewerbe sank die Bruttowertschöpfung im 3. Quartal im Vergleich zum Vorquartal dagegen erneut kräftig um 4,2 Prozent. Im Vorjahresvergleich war das BIP im 3. Quartal preisbereinigt 1,2 Prozent, preis- und kalenderbereinigt 1,3 Prozent höher als im 3. Quartal 2021. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Coronakrise, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2022 erstmals oberhalb des Vorkrisenniveaus (+0,3 Prozent). Die inländische Nachfrage legte auch im Vorjahresvergleich trotz starker Preisanstiege und globaler Unsicherheiten weiter zu. Das gelte vor allem für die privaten Konsumausgaben, die preisbereinigt gegenüber dem 3. Quartal 2021 um 2,0 Prozent stiegen, so das Bundesamt. Ein Grund dafür sei offenbar die Reiselust der Menschen gewesen: Die Ausgaben für Dienstleistungen in den Bereichen Beherbergung und Gaststätten sowie Verkehr legten im 3. Quartal kräftig zu. Für langlebige Güter wurde dagegen erneut weniger ausgegeben als vor einem Jahr. Ursache dafür dürfte die allgemeine Verunsicherung aufgrund der starken Preisanstiege gewesen sein, so die Statistiker. Die hohen Lebensmittelpreise sowie die gestiegene Nachfrage nach Gaststättenleistungen führten wohl zu niedrigeren preisbereinigten Konsumausgaben für Nahrungsmittel als im 3. Quartal 2021. Die Konsumausgaben des Staates verzeichneten einen Anstieg von 1,4 Prozent im Vorjahresvergleich. Ursache sind weiterhin hohe Ausgaben für die zentrale Beschaffung von Impfstoffen des Bundes sowie höhere Ausgaben für Geflüchtete. Gedämpft wurde der Anstieg durch den Abbau verschiedener Corona-Maßnahmen. Hierunter fallen beispielsweise das Auslaufen der Zahlungen für freigehaltene Betten an Krankenhäuser sowie der Rückgang an durchgeführten Corona-Impfungen und Schnelltests. Bei den Investitionen war das Bild gemischt: In Ausrüstungen wurde preisbereinigt deutlich mehr investiert als ein Jahr zuvor (+6,3 Prozent). Hier scheint die Auftragslage trotz hoher Preise und Lieferengpässen weiter sehr gut zu sein, zudem stieg die Zahl der gewerblichen Pkw-Neuzulassungen kräftig. Bei den Bauinvestitionen führten dagegen hohe Baupreise, Fachkräftemangel und Lieferengpässe insbesondere im Ausbaugewerbe zu einem Rückgang von 2,6 Prozent im Vergleich zum 3. Quartal 2021. Der Handel mit dem Ausland nahm im Vergleich zum Vorjahr zu, obwohl sich die starken Preisanstiege im bisherigen Jahresverlauf fortsetzen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Exportpreise um 13 Prozent. Preisbereinigt konnten die Exporte im 3. Quartal dennoch um 4,9 Prozent zulegen. Positive Impulse kamen unter anderem aus den Bereichen Kraftfahrzeugbau und elektronische Ausrüstungen. Importseitig stiegen die Preise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20,8 Prozent. Hier schlugen sich die deutlichen Preisanstiege im Bereich Energie nieder. Nichtsdestotrotz legten die preisbereinigten Importe gegenüber dem 3. Quartal 2021 um 8,3 Prozent zu, was unter anderem auf deutliche Zuwächse im Reiseverkehr zurückzuführen gewesen sei, so das Bundesamt. Zu diesem Anstieg hätten fast alle Wirtschaftsbereiche beigetragen. Der Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe konnte mit +2,7 Prozent deutlich zum Vorjahresquartal zulegen. Verantwortlich hierfür seien unter anderem Nachholeffekte im Zuge der gelockerten Corona-Maßnahmen gewesen, die sich in steigender Nachfrage im Bereich der Personenbeförderung sowie im Gastgewerbe widerspiegelten. Hohe Zunahmen gegenüber dem Vorjahr verzeichneten auch die meisten anderen Dienstleistungsbereiche, unter anderem der Bereich Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit mit +3,0 Prozent. Das Verarbeitende Gewerbe wuchs mit +1,1 Prozent etwas unter dem Durchschnitt. Das Baugewerbe war erneut deutlich im Minus, die preisbereinigte Bruttowertschöpfung sank hier um 5,4 Prozent zum Vorjahr. Dazu trugen die anhaltende Materialknappheit, aber auch der Fachkräftemangel bei. Die Wirtschaftsleistung wurde im 3. Quartal 2022 von rund 45,6 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Das waren 490.000 Personen oder 1,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und ein erneuter Höchststand. Im Durchschnitt je Erwerbstätigen wurden 1,1 Prozent mehr Arbeitsstunden geleistet als im 3. Quartal 2021, was vor allem mit einem Rückgang der Kurzarbeit zusammenhänge. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen - also die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden aller Erwerbstätigen - nahm dadurch kräftig um 2,2 Prozent zu, wie erste vorläufige Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit erheben hätten, so die Statistiker. Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität - gemessen als preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigenstunde - nahm nach vorläufigen Berechnungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,0 Prozent ab, je Erwerbstätigen war sie um 0,1 Prozent höher. In jeweiligen Preisen gerechnet war sowohl das BIP als auch das Bruttonationaleinkommen im 3. Quartal 2022 um 5,8 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Volkseinkommen war um 4,0 Prozent höher als im 3. Quartal 2021. Dabei stieg nach ersten vorläufigen Berechnungen das Arbeitnehmerentgelt um 4,6 Prozent und damit etwas stärker als die Unternehmens- und Vermögenseinkommen (+2,4 Prozent). Nach ersten vorläufigen Berechnungen verzeichneten die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter im 3. Quartal 2022 ein Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Neben tariflich vereinbarten Lohnsteigerungen ist dieser Zuwachs vor allem auf den starken Rückgang der Kurzarbeit zurückzuführen. Die Bruttolöhne und -gehälter insgesamt waren um 5,0 Prozent höher als im Jahr zuvor, da sich auch die Zahl der Arbeitnehmer erhöhte. Auch aufgrund der dämpfenden Wirkung des Steuerentlastungsgesetzes 2022 sind die Nettolöhne und -gehälter mit +5,2 Prozent etwas stärker gestiegen als die Bruttolöhne und -gehälter. Mit 9,6 Prozent lag die Sparquote auch im 3. Quartal 2022 unter dem Vorjahreswert (10,4 Prozent): Maßgeblich hierfür sei die vor allem auf die starken Preiserhöhungen zurückzuführende kräftige Zunahme der privaten Konsumausgaben in jeweiligen Preisen gewesen. Diese legten im Vorjahresvergleich um 9,4 Prozent zu und damit stärker als das verfügbare Einkommen, das sich um 8,6 Prozent erhöhte. Ohne die Energiepauschale wäre dieser Anstieg rund 2 Prozentpunkte geringer ausgefallen. Im Durchschnitt hat die Wirtschaft der Europäischen Union (EU) und des Euroraums im 3. Quartal 2022 etwas schwächer zugelegt als in Deutschland: Für die EU insgesamt und den Euroraum meldete das europäische Statistikamt Eurostat nach vorläufigen Berechnungen einen preis-, saison- und kalenderbereinigten BIP-Anstieg um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In Spanien und Frankreich stieg das BIP ebenfalls um 0,2 Prozent. In Italien wuchs die Wirtschaft mit +0,5 Prozent etwas stärker. In ähnlichem Ausmaß nahm die Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten (USA) zu (+0,6 Prozent). Einige kleinere EU- und Nachbarstaaten Deutschlands verzeichneten hingegen Rückgänge (Niederlande, Belgien, Österreich, Tschechien). Im Vorjahresvergleich liegen die BIP-Wachstumsraten der anderen EU-Mitgliedstaaten fast alle höher als in Deutschland. Verglichen mit dem 4. Quartal 2019, dem Quartal vor Beginn der Corona-Pandemie, zeigt sich, dass das BIP in Deutschland im 3. Quartal 2022 erstmals das Vorkrisenniveau übertraf (+0,3 Prozent). Während die EU insgesamt (+2,7 Prozent), Frankreich (+1,1 Prozent) und Italien (+1,8 Prozent) ebenso wie die Vereinigten Staaten (+4,2 Prozent) ihr Vorkrisenniveau schon länger übertreffen, lag die Wirtschaftsleistung in Spanien (‑2,0 Prozent) weiterhin deutlich darunter. Mit der Berechnung der ausführlichen Ergebnisse hat das Statistische Bundesamt auch das Bruttoinlandsprodukt der ersten drei Quartale 2022 überarbeitet. Mit den seit der Schnellmeldung am 28. Oktober neu verfügbaren statistischen Informationen ergaben sich dabei für das Bruttoinlandsprodukt lediglich geringfügige Änderungen der bisherigen Ergebnisse. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine und der anhaltenden Coronakrise seien die aktuellen Ergebnisse jedoch mit größeren Unsicherheiten als sonst üblich behaftet, so das Bundesamt.

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