Politik

Johnson löst mit Äußerungen über Pflegebranche Empörung aus

  • AFP - 7. Juli 2020, 15:00 Uhr
Bild vergrößern: Johnson löst mit Äußerungen über Pflegebranche Empörung aus
Verbände kritisieren Johnsons Äußerungen als "plump und feige"
Bild: AFP

Der britische Premierminister Boris Johnson hat mit Äußerungen über angebliche Versäumnisse der Pflegebranche zu Beginn der Corona-Pandemie einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat mit Äußerungen über angebliche Versäumnisse der Pflegebranche in seinem Land zu Beginn der Corona-Pandemie einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Mark Adams vom Pflegeverband Community Integrated Care warf Johnson am Dienstag im Rundfunksender BBC vor, er versuche die "Geschichte umzuschreiben" und die Pflegeeinrichtungen für die Versäumnisse der Regierung verantwortlich zu machen. 

Johnson hatte in einem Interview am Montag gesagt: "Wir haben festgestellt, dass zu viele Pflegeheime sich nicht wirklich an die Vorschriften gehalten haben, so wie sie es hätten tun sollen." 

In Großbritannien sind bislang mehr als 44.000 Menschen an dem Coronavirus gestorben, viele in Alten- und Pflegeheimen. Die Regierung hatte zu Beginn der Krise erklärt, sie gehe nicht von einem besonderen Risiko in den Pflegeheimen aus, und erst mehr als drei Wochen nach dem landesweiten Lockdown eingewilligt, alle Patienten vor ihrem Transfer in Pflegeheime sowie sämtliche Pflegeheimbewohner mit Covid-19-Symptomen zu testen. 

Nach Angaben von Kritikern verschärfte auch die schnelle Unterbringung älterer Krankenhauspatienten in Pflegeheim die Ausbreitung des Virus, als Betten für mögliche Coronavirus-Patienten geräumt werden sollten.

Johnsons Äußerungen seien ein "widerlicher" Versuch, von einer "absoluten Führungs-Posse der Regierung" abzulenken, wurde ein Vertreter der Pflegebranche von britischen Medien zitiert. Sie seien bestenfalls "plump und feige", sagte Adams der BBC. Das Nationale Pflege-Forum erklärte, Johnsons Äußerungen seien "weder richtig noch willkommen". Die Independent Care Group erklärte, die meisten Pflegeanbieter hätten "angesichts von langsamen und widersprüchlichen Empfehlungen das absolut Beste getan".

Nach Angaben der Nationalen Statistikbehörde wurden in England und Wales bis zum 26. Juni 14.852 Todesfälle in Pflegeheimen gezählt, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus vorlag. Diese offizielle Zahl gilt jedoch als zu niedrig.

Weitere Meldungen

Kühnert gibt Amt des Juso-Chefs auf

SPD-Vize Kevin Kühnert will das Amt des Juso-Vorsitzenden im November vorzeitig aufgeben und im kommenden Jahr für den Bundestag kandidieren. Ein personeller Wechsel bei der

Mehr
Gewerkschaften und SPD zweifeln an Rückkehr zu Regelbetrieb an Schulen

Angesichts der anhaltenden Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland haben SPD und Gewerkschaften massive Zweifel an der Rückkehr zum Regelunterricht geäußert. "Ich halte die

Mehr
Brandenburger AfD-Fraktion berät über Parteirauswurf von Vorsitzendem Kalbitz

Die Brandenburger AfD-Fraktion berät am Dienstag (10.00 Uhr) über die Zukunft ihres aus der Partei ausgeschlossenen Vorsitzenden Andreas Kalbitz. In Brandenburg wurde bereits nach

Mehr

Top Meldungen

Ifo-Umfrage: Erwartungen der deutschen Autoindustrie deutlich gestiegen

Die Erwartungen der deutschen Autoindustrie haben sich im Juli deutlich verbessert: Laut Umfrage des Ifo-Instituts stiegen die Geschäftserwartungen den zweiten Monat in Folge. Die

Mehr
Bayer weist wegen Rechtsstreitigkeiten in USA 9,5 Milliarden Euro Verlust aus

Der Chemiekonzern Bayer hat wegen des jüngst erzielten milliardenschweren Vergleichs im Streit um den Monsanto-Unkrautvernichter Roundup einen hohen Verlust im zweiten Quartal

Mehr
DIHK fürchtet "Protektionismusfalle" durch Corona

Berlin - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor einem in der Coronakrise um sich greifenden Protektionismus, der für die hiesige Wirtschaft bereits spürbar

Mehr