Motor

Mit dem Volvo C40 über die Lofoten - Elektrisch ans Ende der Welt

  • Benjamin Bessinger/SP-X - 19. August 2022, 13:28 Uhr
Bildergalerie: Mit dem Volvo C40 über die Lofoten - Elektrisch ans Ende der Welt
Für die Lofoten-Tour fiel die Wahl auf den batterieelektrischen Volvo C40 Foto: SP-X/Benjamin Bessinger

Gegen sie ist das Nordkap nur eine öde Felsplatte und obendrein eine üble Touristenfalle, die nicht einmal den nördlichsten Punkt des Kontinents markiert. Wer erleben will, wie es am Ende unserer Welt wirklich zugeht, der bleibt besser ein bisschen im Süden und fährt auf die Lofoten. Das geht mittlerweile sogar elektrisch.

Dem Namen nach kennt diese Gegend jeder. Denn mit irgendeinem Sturmtief, das sich über den Lofoten zusammenbraut, schafft es die norwegische Inselgruppe öfter in die Abendnachrichten als jede andere Ecke Skandinaviens - auch wenn es meist nur für den Wetterbericht reicht. Doch offenbar ist schon das genug, um die Gegend nach ganz oben auf die Liste unserer Sehnsuchtsziele zu setzen. Deshalb sind es nach den Italienern, die es vor allem wegen der Stockfisch-Connection jenseits des Polarkreises zieht, maßgeblich Deutsche, die im Sommer die wenigen Straßen zwischen dem Örtchen A ganz im Süden der Inselgruppe und Andenes hoch im Norden füllen, wo die Lofoten dann schon wieder Vesterålen heißen. Nur dass die meist mit einem Wohnmobil unterwegs sind.

Doch stilecht ist in Skandinavien nur ein Volvo und in Norwegen muss der natürlich elektrisch fahren. Schließlich gibt es in Europa kein anderes Land, das auf der Electric Avenue schon so weit ist wie das Königreich von Harald V. und Sonja. Ihren Reichtum mögen die Nordländer zwar dem Export von Öl und Gas verdanken, doch daheim liegt der Zulassungsanteil an E-Mobilen mittlerweile weit jenseits von 50 Prozent. Deshalb fällt die Wahl für diese Tour auf den Volvo C40. Nicht nur weil das SUV, das bei uns zu Preisen ab 48.850 Euro beim Händler steht, der neuste Stromer der Schweden ist. Sondern weil er obendrein so handlich ist, dass man damit auch auf den schmalen Straßen der Lofoten im Slalom um die vielen Wohnmobile bestehen sollte. Und dass der C40 als Coupé so etwas ist wie der Gran Turismo unter den Geländewagen, kann bei so einen Roadtrip ja auch kein Schaden sein.

Wobei das mit den ,,Roads" auf diesem Trip so eine Sache ist. Schon nördlich von Bergen und spätestens ab Trondheim werden die Straßen in Norwegen spürbar schmaler, selbst europäische Magistralen wie die E6 haben hier schon lange nur noch eine Spur und spätestens, wenn man nach vier Stunden Überfahrt in Moskenes von der Fähre aus Bodo rollt, wähnt man sich gar vollends in der automobilen Diaspora und muss sich ziemlich dünne machen. Kein Wunder, auf den Lofoten leben vor allem Fischer und die fahren auf Wasser statt Asphalt. Und für die Touristen müssen auch ein paar bessere Feldwege reichen. Wobei sie im Land der Fjorde und Fjells selbst für Feldwege einen gewaltigen Aufwand treiben - schließlich braucht es schier endlose Tunnel und imposante Brücken, um die vielen Inseln zu verbinden und stundenlange Umwege durch die tiefen Buchten zu vermeiden, der der Atlantik in die felsige Küstenlinie gefressen hat. Selbst die Schweiz ist dagegen für Tiefbauer und Tunnelbohrer nur ein Kinderspielplatz. So wird die Fahrt nach Norden zum Inselhopping ohne Fähren und alle paar Kilometer geht es über Rampen und durch Röhren steil bergauf oder weit bergab - als hätte die Geologie hier nicht schon genug Höhen und Tiefen in die Erdkruste gearbeitet.

Dabei führt der Weg durch grandiose Landschaften, die so leer sind, wie sie nur es nur am Ende der Welt sein können. Spuren der Zivilisation sieht man nur am Wasser - und auch dort nur in den Häfen, die die Menschen dem Meer abgerungen haben. Dann allerdings sind sie nicht zu übersehen - schließlich streichen die Norweger ihre Holzhäuser gerne rot. Und weil es kaum ebenen Grund gibt und weil darin vor den Touristen vor allem Fischer wohnten, stehen die in der Regel auf Stelzen direkt am oder im Wasser und lassen Ansiedlungen wie Nusfjord oder Henningsvaer schnell aussehen wie Puppendörfer.

Wer sich dort eine Nacht einquartiert, der hört nicht nur das Meeresrauschen bis ans Kopfkissen, sondern der ist auch mit der Nase ganz nah dran am salzig-algigen Odem dieser rauen Inseln. Und muss als E-Fahrer keine Sorge haben, diesen Duft mit Dieseldunst zu vermischen oder das Rauschen der Wellen mit dem Röhren seines Motors zu übertönen. Urlaub mit allen Sinnen - erst im Elektroauto wird da ein Schuh draus.

Zwar reizen die Lofoten diese Sinne schon im Sommer mehr als manche andere Gegend. Doch im Winter ist das Erlebnis noch intensiver. Schließlich hängen dann die vielen hundert Gestelle, die sie rund um die Häfen auf die Felsen gezimmert haben, voll mit hunderttausenden Dorschen oder Lachsen, die hier zu Stockfisch getrocknet werden und erst ziemlich streng riechen, bevor sie danach lautstark im Wind klappern. Doch wer im Sommer kommt, macht mit dem Trockenfisch ganz andere Erfahrungen - tagelang in Wasser eingelegt, wird er wieder weich und landet als Delikatesse in Restaurants wie der Borsen Spiseri im Hauptort Svolvaer wieder auf dem Teller.

So hangelt man sich Tag für Tag ein paar Kilometer weiter nach Norden und hüpft dabei von Ladesäule zu Ladesäule. Die sind zwar in der Regel eher langsam, doch dafür zentral gelegen und schaffen so die Lücken im Fahrplan, die man zum Bummel durch die kleinen Fischerdörfchen braucht. Oder für eine Wanderung durch die sumpfigen Wiesen hinauf zu den spektakulären Felsspitzen, die über jedem Dörfchen wachen. Spätestens dann lernt man auch den Frunk des C40 zu schätzen, in dem neben den schnell etwas schmutzigen Ladekabeln auch die triefnassen Jacken und die schlammigen Stiefel verschwinden, statt im Kofferraum den Rest des Gepäcks einzusauen.

Aber kein Sorge: Wer es eilig hat, findet in Leknes, Svolvaer oder Andenes auch ein paar flottere Gleichstrom-Säulen, an denen der Volvo bei einer Ladeleistung von bis zu 150 kW in einer guten halben Stunde wieder auf mehr als 80 Prozent Akkustand kommt. Und solange es noch keine elektrischen Wohnmobile gibt, ist da selbst in der Hochsaison meist noch ein Stecker frei, weil in Norwegen natürlich fast jeder eine Wallbox zu Hause hat.

Doch so oft muss der C40 gar nicht an die Buchse. Erstens fasst der Akku immerhin 78 kWh. Und zweitens ist Norwegen eines der wenigen Länder, in denen die reale Reichweite sogar besser sein dürfte, als die im Normzyklus ermittelten Kilometer  - schließlich darf man hier kaum irgendwo schneller als Tempo 80 fahren und auf den Lofoten meist sogar noch weniger. Weil es zumindest in diesem Sommer selten wärmer war als 20 Grad, raubt auch keine Klimaanlage etwas von der Reichweite. Und das bisschen Strom für die Lenkrad- und Sitzheizung holt sich das Auto bei den vielen Abfahrten wieder zurück, wenn der Wagen so stark rekuperiert, dass man mühelos das strenge Tempolimit einhält, ohne dafür auch nur einmal die Bremse bemühen zu müssen.

Während die Batterie damit also überraschend passend dimensioniert ist, wirkt der Antrieb hoffnungslos übertrieben. Denn zwei Motoren mit zusammen 408 PS und 660 Nm braucht auf dieser Schleichfahrt eigentlich niemand, vom Allradantrieb zumindest im Sommer ganz zu schweigen. Doch schon auf den ersten Kilometern nach Svolvaer sieht man die Sache schnell ganz anders. Denn wo es keine langen Geraden gibt, braucht es stattdessen kurze Sprints, um an den allgegenwärtigen Wohnmobilen vorbeizukommen. Und dabei geht es gar nicht so sehr ums flotte Fortkommen, sondern vor allem um die Aussicht. Denn nur um sich ein paar Fahrräder oder die Aufkleber vergangener Urlaube anderer Leute anzuschauen, muss man schließlich nicht nach Norwegen fahren. Nur die 180 km/h Spitzengeschwindigkeit bleiben bei dieser Fahrt ganz sicher unerreicht.

Aber irgendwann auf halber Strecke ist es ohnehin vorbei mit den meisten Wohnmobilen, den das Gros der Camper biegt nach Osten ab, rollt Richtung Narvik oder gleich ganz hoch ans Nordkap, weil sie glauben, dass es dort tatsächlich mehr zu sehen gibt. Wer es besser weiß oder einfach nur die Einsamkeit sucht, der bleibt auf den Inseln, nimmt die Fähre Melbu und rollt auf der Route der Wahlfänger auf die Vesterålen - genauso wild und zerklüftet, vom Wetter aber noch ein wenig härter getroffen, sind sie so etwas wie die rauen Schwestern der Lofoten und wirken in der Einsamkeit noch intensiver. Und spätestens, wenn nach ein paar Stunden ganz oben im Norden auch noch die Satellitenschüsseln und Raketenrampen des einzigen norwegischen Weltraumbahnhofs auftauchen, wähnt man sich gar vollends am Ende der Welt.

Dazu passt auch, dass hier sonst ziemlich tote Hose ist. Sind es die Spätfolgen von Corona oder einfach nur die abgelegene Lage auf der Landkarte? Die meisten Kneipen jedenfalls haben zu und auch fast alle Geschäfte. Doch während die wenigen Gäste nur schwerlich Labsal finden, haben es die E-Fahrer mit ihrer Sorgfaltspflicht leicht. Denn selbst am Ende der Welt steht auf den Lofoten noch eine Ladesäule. Und das ist auch gut so. Denn irgendwie muss man von dort ja auch wieder zurückkommen. Bis Deutschland sind es auf dem Landweg von hier aus 2.600 Kilometer.

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