Wirtschaft

Bundesregierung: Flüssiggas aus Kanada erst "mittelfristig"

  • AFP - 18. August 2022, 18:05 Uhr
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Schwimmendes LNG-Terminal am Hafen von Rotterdam
Bild: AFP

Gaslieferungen aus Kanada werden auf kurze Sicht keine ausbleibenden russischen Lieferungen ersetzen. Auch die Bundesregierung rechnet erst 'mittelfristig' mit einer spürbaren Erhöhungen der kanadischen Gaslieferungen.

Gaslieferungen aus Kanada werden auf kurze Sicht keine ausbleibenden russischen Lieferungen ersetzen. Auch die Bundesregierung, die am Sonntag mit einer großen Wirtschaftsdelegation nach Kanada aufbricht, rechnet nach Angaben aus Regierungskreisen erst "mittelfristig" mit einer spürbaren Erhöhung der kanadischen Gaslieferungen. Umweltschützer kritisieren, dass vor dem Hintergrund der Gaskrise vormals ad acta gelegte Gasprojekte für den Handel mit Kanada wieder hervorgeholt würden.

Kanada ist einer der größten Erdgasproduzenten der Welt. Für den Export nach Europa fehlen aber spezielle Terminals, um Gas in auf Schiffen transportables Flüssiggas (LNG) umzuwandeln. Entsprechende Projekte wurden wegen Widerstands in der Bevölkerung und Klimaschutz- sowie wirtschaftlicher Bedenken seit Jahren kaum weiterverfolgt.

Wegen der ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland sucht Deutschland derzeit nach alternativen Gaslieferanten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grünen) reisen nun mit Wirtschaftsvertretern zu einem zweitägigen Besuch nach Kanada. Neben geopolitischen Themen wie dem Umgang mit Russland und China soll es besonders auch um die Energiepolitik gehen.

Lieferungen von Flüssiggas (LNG) im großen Stil seien aber erst in frühestens einigen Jahren zu erwarten, hieß es aus Regierungskreisen. "Auf kanadischer Seite sind die Projekte noch nicht so weit", die Regierung in Ottawa müsse bei dem Infrastrukturausbau noch mit den kanadischen Provinzregierungen "vorankommen". Berlin gebe aber die Hoffnung nicht auf.

"Da klingeln bei uns alle Alarmglocken", sagte dazu Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) der Nachrichtenagentur AFP. Aktuelle Engpässe könnten auf diese Weise nicht ausgeräumt werden, stattdessen "zementieren" die geplanten Gas-Terminals "neue fossile Abhängigkeiten". Die Gasgewinnung in Kanada sei darüber hinaus problematisch. Umweltschützer und indigene Gruppen in Kanada protestieren seit Jahren gegen neue Gasanlagen.

Die Bundesregierung ist sich der innenpolitischen Brisanz des Themas für Kanadas Premierminister Justin Trudeau wohl bewusst: In den Fokus des Besuchs stellt Berlin vor allem das Thema Wasserstoff. Die atlantischen Provinzen Kanadas hätten ein "enormes" Potenzial zur Produktion von Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind und Wasser, sagte ein Regierungsvertreter. Die Idee ist, dass diese Energie in Wasserstoff umgewandelt und so nach Europa exportiert werden könnte.

Diese Perspektive ist allerdings noch langfristiger als potenzielle kanadische LNG-Einfuhren. Sowohl der Ausbau der Erneuerbaren in Kanada als auch die nötige Wasserstoff-Technologie stecken noch in den Kinderschuhen. Mit einem Wasserstoff-Abkommen mit der kanadischen Regierung will der Bund diese Kooperation dennoch schon in die Wege leiten.

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