Gesundheit

Israelische Forscher züchten künstliche Maus-Embryos aus Stammzellen

  • AFP - 5. August 2022, 16:11 Uhr
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Der Stammzellforscher Jacob Hanna in seinem Labor
Bild: AFP

Israelische Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals künstliche Maus-Embryos aus Stammzellen gezüchtet - ganz ohne Eizellen, Spermien oder Befruchtung.

Israelische Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals künstliche Maus-Embryos aus Stammzellen gezüchtet - ganz ohne Eizellen, Spermien oder Befruchtung. Wie die Wissenschaftler vom Weizmann Institute of Science diese Woche in der Fachzeitschrift "Cell" bekanntgaben, haben sich die Stammzellen im Labor selbst zu embryonalen Strukturen zusammengefügt.

Der Durchbruch soll laut den Forschern zu einem besseren Verständnis der Entstehung von Organen in der Embryonalentwicklung beitragen. Langfristig hoffen sie darauf, transplantierbare Organe aus menschlichen Stammzellen herzustellen.

Das Forscherteam um den Stammzellforscher Jacob Hanna entnahm nach eigenen Angaben zunächst Zellen aus der Haut von Mäusen und versetzte sie künstlich in den Zustand von Stammzellen zurück. Die Stammzellen wurden dann in einem speziellen Inkubator kultiviert, der sich kontinuierlich bewegte, um die natürliche Entwicklung im Bauch von Mäuseweibchen nachzuahmen.

Die überwiegende Mehrheit der 10.000 Zellen veränderte sich nicht. 50 Zellen fügten sich aber zu Kugeln und dann zu embryonalen Strukturen zusammen. Nach acht Tagen - etwa einem Drittel der 20-tägigen Tragzeit von Mäusen - hatten sich den Angaben zufolge Anlagen von Organen wie Herz und Gehirn gebildet. Die künstlichen Embryos ähnelten demnach zu 95 Prozent natürlichen Maus-Embryos.

"Der Embryo ist die beste Organ-Herstellungsmaschine und der beste 3D-Biodrucker - wir haben versucht, nachzuahmen, was er tut", erläuterte Hanna. "Unsere nächste Herausforderung besteht darin, zu verstehen, woher die Stammzellen wissen, was zu tun ist - wie sie sich selbst zu Organen zusammensetzen und ihren Weg zu den ihnen zugewiesenen Stellen im Embryo finden."

Wissenschaftler, die nicht an der Forschung beteiligt waren, warnen jedoch davor, die gezüchteten Zellstrukturen als Embryonen zu bezeichnen. "Das sind keine Embryonen", sagte der französische Stammzellforscher Laurent David. Nach dem derzeitigen Forschungsstand entstehe aus ihnen "kein lebensfähiges Individuum, das sich fortpflanzen kann".

Trotz seiner Skepsis begrüßte David die "sehr überzeugende" Forschungsarbeit, die seiner Meinung nach weitere Experimente zur Entstehung von Organen ermöglichen könnte.

Hanna hat bereits ein Unternehmen gegründet, um die von ihm entwickelte Methode für therapeutische Zwecke zu nutzen. Bisher ist die Züchtung menschlicher Organ-Implantate allerdings reine Science Fiction. Der spanische Stammzellforscher Alfonso Martínez Arias sagte, der Durchbruch der israelischen Wissenschaftler öffne zwar die Tür für "ähnliche Studien mit menschlichen Zellen". Dem stünden aber noch viele regulatorische und ethische Hürden entgegen.

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