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Gebrauchtwagen-Check: Opel Karl - Bodenständig und gut

  • Elfriede Munsch/SP-X - 6. Juli 2022, 13:55 Uhr
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Dem Opel Karl war kein allzu langes Autoleben gegönnt. Der Kleinstwagen, der wie sein Schwestermodell Chevrolet Spark in Korea produziert wurde, startete 2015 und wurde bereits nach vier Jahren eingestellt Foto: Opel

Kleinstwagen sind als Gebrauchte gefragt. Wenn sie dann noch beim TÜV einen soliden Auftritt hinlegen wie der Opel Karl - umso besser.

Dem Opel Karl war kein allzu langes Autoleben gegönnt. Der Kleinstwagen, der wie sein Schwestermodell Chevrolet Spark in Korea produziert wurde, startete 2015 und wurde bereits nach vier Jahren eingestellt. Das Aus hatte politische Gründe. Nachdem Opel vom französischen PSA-Konzern gekauft worden war, musste der Karl als Relikt aus GM-Tagen weichen. Er sollte den französischen Zwillingen Peugeot 108 und Citroen C1 keine Konkurrenz machen.

Karosserie und Innenraum: Mit einer Länge von 3,68 Metern reihte sich der Karl in die Riege von VW Up, Peugeot 108, Renault Twingo oder Hyundai i10 ein. Anders als der ebenfalls kurze Opel Adam (2012 - 2019) übernahm der Karl nicht die Rolle des trendigen Lifestyle-Zwerges im Opel-Angebot, sondern besetzte das Genre des bodenständigen Kumpels. So gab es ihn ausschließlich mit fünf Türen und wahlweise mit einer zwei- oder dreisitzigen Rückbank. Diese lässt sich doch im Verhältnis 1/3 zu 2/3- wenn auch etwas umständlich - umklappen und erlaubt so eine größere Flexibilität bei Verteilung Gepäck und Mensch. Das Gepäckteil fasst in Normalstellung 195 Liter und ist auf einen Maximalwert von 1.013 Litern erweiterbar. Das Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist für die Größe des Fahrzeugs gut. Punkten kann der Karl mit guten Sitzen, die auch für eine längere Fahrt taugen. Die Verarbeitung geht in Ordnung, allerdings merkt man an den Kunststoffmaterialien, dass bei dem Kleinstwagen mit sehr spitzer Feder gerechnet wird. Positiv: Ein richtiges Handschuhfach mit Klappe gehörte zum Serienumfang und die hinteren Seitenfensterscheiben lassen sich - je nach Ausstattung - manuell oder elektrisch ganz nach unten fahren. Punkte, die nicht immer selbstverständlich bei Kleinstwagen sind. Als Alternative zum durchaus flott gezeichneten Standard-Karl hatte Opel 2016 auch eine ,,Rocks"-Variante ins Programm genommen. Diese etwas höher gelegte Variante machte auf ,,SUVchen" und trat unter anderem mit Stoßfängern und Radkasten-Planken im Offroad-Stil an.

Motoren und Antrieb: Über die Wahl einer Motorvariante müssen sich Gebrauchtwageninteressenten keine Gedanken machen. Nur ein Motor war im Angebot: Der Einliter-Dreizylinder mit 55 kW/75 PS und 96 Nm. Das Aggregat, eine Ableitung des bekannten Dreizylinder-Turbos, der auch im Corsa und Adam zum Einsatz kam, verzichtete im Karl auf Turbounterstützung, Direkteinspritzung und Ausgleichwelle. Sprintwunder darf man daher nicht erwarten. Knapp 14 Sekunden dauert es von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 170 erreicht. Die Kraftübertragung erfolgt über ein manuelles Fünfgang-Getriebe, optional stand bis 2018 ein automatisiertes Fünfgang-Getriebe (Easytronic) zur Verfügung. Im Schnitt genehmigt sich der Karl 4,8 Liter. Anfang 2018 erfuhr das Aggregat eine leichte Überarbeitung und wurde von der Abgasnorm Euro 6 auf Euro 6d-temp gebracht, die Leistung sank leicht auf 54 kW/73 PS. Bis 2018 konnte man den kleinsten Opel in Kombination mit dem Dreizylinder auch in einer Autogasversion (LPG) ordern.

Ausstattung und Sicherheit: Dass bei Kleinstwagen mit sehr spitzer Feder gerechnet wird, ist bekannt. Das war auch beim Karl nicht anders. Die Basisversion (Selection) startete ab 9.500 Euro und bot nur wenig Komfortausstattung. Eine Klimaanlage gehörte zum Beispiel nicht dazu, konnte aber separat geordert werden. Die Einstiegsvariante war aufgrund des Preises eher für Sozial- und Lieferdienste interessant. Über die Produktionszeit änderten sich die Details der Ausstattungsstufen; Gebrauchtwageninteressenten müssen also genau auf die angegebenen Features des gewünschten Modells achten. Je nach Budget konnte der Karl mit fast allen geordert werden, was auch für größere Opel-Fahrzeuge erhältlich ist, darunter Sitzheizung, beheizbares Lenkrad, 16-Zoll-Alus, Navi, Nebelscheinwerfer sowie Smartphone-Integration mittels Apple Carplay und Android Auto. Als einziger Assistent kam neben der serienmäßige Berganfahrhilfe ein Spurhaltehelfer optional zum Einsatz. Beim NCAP-Crashtest erreichte der Kleine 2017 bei einer Nachprüfung drei der fünf möglichen Sterne.

Qualität: Im aktuellen TÜV-Report darf sich der Opel Karl mit dem Titel ,,Bester Kleinstwagen" schmücken. Er hat weit seltener erhebliche Mängel als die anderen Minis. Mängelfrei ist der Karl jedoch nicht. Gebrauchtwagenkäufer sollten vor allen Dingen auf Ölverlust achten. Ansonsten bemängeln die Prüfer öfter die Einstellung des Abblendlichts. Die Prüfpunkte Fahrwerk und Bremsen bereiten dagegen keine Probleme.

Fazit: Abgesehen, dass der Opel Karl gerne mal kleckert, ist er ein solides Auto. Das zeigen auch die Gebrauchtwagenpreise. Interessenten müssen mittlerweile mit mindestens 5.800 Euro rechnen. Der gebrauchte Karl profitiert vom reduzierten Neuwagenangebot in der Klasse der Kleinstwagen.

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