Politik

Soldaten töten zwei Menschen bei Beerdigung von bekanntem äthiopischen Sänger

  • AFP - 2. Juli 2020, 18:26 Uhr
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Oromo protestieren in den USA
Bild: AFP

Bei der Beerdigung eines bekannten Sängers in Äthiopien haben Soldaten auf die Trauernden geschossen und dabei zwei Menschen getötet. Sieben weitere seien verwundet worden, hieß es am Donnerstag aus Mediziner- und Oppositionskreisen.

Bei der Beerdigung eines bekannten Sängers in Äthiopien haben Soldaten auf die Trauernden geschossen und dabei zwei Menschen getötet. Sieben weitere seien verwundet worden, hieß es am Donnerstag aus Mediziner- und Oppositionskreisen. Hunderte Menschen nahmen an der Beisetzung des Sängers Hachalu Hundessa teil, der am Montagabend in der Hauptstadt Addis Abeba erschossen worden war. Sein Tod löste landesweit Proteste aus, bei denen bereits mindestens 90 Menschen getötet wurden.

Hachalu gehörte den Oromo an, der größten Volksgruppe in Äthiopien. Der Hintergrund des Mordes war zunächst unklar. Nach Polizeiangaben wurden "einige" Verdächtige festgenommen. 

Äthiopien mit seinen 100 Millionen Einwohnern ist ein Vielvölkerstaat, in dem es immer wieder zu Spannungen zwischen den Volksgruppen kommt. Während viele der Toten durch von Polizisten oder Soldaten ausgeübte Gewalt ums Leben kamen, gab es auch mehrere Tote bei Zusammenstößen zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Volksgruppen. 

Hachalu war bei Äthiopiern mit verschiedenen Hintergründen beliebt. In seiner Musik hatte er aber oft das Gefühl der Oromo ausgedrückt, wirtschaftlich und politisch benachteiligt zu werden.

Äthiopiens Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed sagte am Mittwochabend, die Verantwortlichen für Hachalus Tod wollten seine Reformen aufhalten und "Äthiopien töten". Das Volk könne wählen, ob es in diese "Falle tappe", oder ob es beim Reformkurs bleibe. Abiy ist Äthiopiens erster Oromo-Ministerpräsident. Oromo-Nationalisten werfen ihm jedoch vor, die Interessen der Gruppe nicht ausreichend zu vertreten. 

Vor dem Begräbnis in Hachalus Heimatstadt Ambo hatte es Forderungen von Oromo-Vertretern gegeben, den Sänger in der Hauptstadt Addis Abeba beizusetzen. Historisch gesehen war Addis Abeba ein Zentrum der Oromo-Kultur. Vertreter der Volksgruppe beklagen jedoch, von dort vertrieben worden zu sein. 

Für zusätzlichen Protest sorgten zuletzt die Festnahmen der Oppositionspolitiker Jawar Mohammed und Bekele Gerba. Der einstige Medienmogul Jawar gehört ebenfalls der Volksgruppe der Oromo an und war nach Polizeiangaben am Dienstagabend zusammen mit 34 weiteren Menschen festgenommen worden, die versucht hatten, Hachalus Leichnam abzufangen und in die Hauptstadt zu bringen.

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