Wirtschaft

Zahl der Existenzgründungen steigt erstmals seit fünf Jahren wieder

  • AFP - 2. Juli 2020, 13:35 Uhr
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KfW-Förderbank
Bild: AFP

Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Existenzgründungen 2019 wieder gestiegen. In diesem Jahr könnte die Corona-Pandemie den Plänen von Existenzgründern aber einen Strich durch die Rechnung machen.

Erstmals seit fünf Jahren ist die Zahl der Existenzgründungen 2019 wieder gestiegen. Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Gründungsmonitor der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht, stieg die Zahl der Gründungen auf 605.000 - ein Plus von 58.000 im Vergleich zum Vorjahr. Die weitere Entwicklung ist aber ungewiss: In diesem Jahr könnte die Corona-Krise den Plänen von Existenzgründern einen Strich durch die Rechnung machen.

"Der Ausblick für das Gründungsjahr 2020 war positiv, doch die Corona-Pandemie belastet", erklärte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Ich erwarte, dass Gründungspläne unter dem Eindruck der aktuell existenzbedrohenden Lage vieler Selbstständiger teilweise verschoben werden."

Jedoch werde die Krise auch einen Effekt haben, der die Gründungstätigkeit antreibe: "Aufgrund von krisenbedingt zunehmender Erwerbslosigkeit dürfte die Zahl so genannter Notgründungen - also Gründungen, die mangels besserer Erwerbsalternativen erfolgen - steigen", erklärte Köhler-Geib. Welcher Effekt letztlich überwiegen werde, bleibe abzuwarten.

Für die steigende Zahl der Gründungen im Jahr 2019 ist laut Gründungsmonitor ein deutliches Plus bei Nebenerwerbsgründungen ursächlich. Sie legten um 85.000 auf 377.000 zu. Bei den Vollerwerbsgründungen ging es dagegen weiter abwärts auf einen neuen Tiefpunkt von 228.000 (minus 27.000). 

Als positiven Trend sieht die KfW, dass der Anteil der innovativen Gründungen sowie der internetbasierten und digitalen Gründungen stieg. Dies schaffe neue Märkte, treibe den strukturellen Wandel voran und stärke "die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft", erklärte Köhler-Geib.

In der Rangliste der Gründungstätigkeit nach Bundesländern bleibt Berlin mit deutlichem Abstand an der Spitze. Dort begannen im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 198 eine selbstständige Tätigkeit. 

Brandenburg liegt mit 155 Existenzgründungen pro 10.000 Erwerbsfähigen erstmals auf Platz zwei. Die KfW vermutet hierbei, dass "die überdurchschnittliche Gründungstätigkeit in Berlin in dessen Peripherie ausstrahlt, weil Gründerinnen und Gründer ihre Stand- oder Wohnorte beispielsweise kostenbedingt in den 'Speckgürtel' verlagern". Auf Platz drei folgt Hamburg.

Der Startup-Beauftrage der Grünen-Bundestagsfraktion, Danyal Bayaz, warnte indes, der Anstieg bei den Gründungen drohe durch die Corona-Pandemie zu einer "Momentaufnahme" zu werden. Besonders Gründerinnen und junge Unternehmen hätten durch die Corona-Krise schlechte Voraussetzungen, um sich am Markt zu etablieren, kritisierte er. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde "insbesondere für Gründerinnen zu einem existenziellen Problem".

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