Wirtschaft

Elon Musk legt Twitter-Übernahme vorerst auf Eis

  • AFP - 13. Mai 2022, 23:46 Uhr
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High-Tech-Unternehmer Elon Musk
Bild: AFP

Der Technologie-Milliardär Elon Musk stoppt vorübergehend seine geplante Übernahme des Kurzbotschaftendienstes Twitter. Das Geschäft werde auf Eis gelegt, bis Details zur Berechnung der Zahl der Spam- und Fake-Konten bei dem Netzwerk vorlägen, erklärte Musk.

Der Technologie-Milliardär Elon Musk hat mit dem vorläufigen Stopp seiner Übernahme des Kurzbotschaftendienstes Twitter für Verwirrung gesorgt. Das milliardenschwere Geschäft werde auf Eis gelegt, bis Details zur Berechnung der Zahl der Spam- und Fake-Konten bei dem Netzwerk vorlägen, schrieb Musk am Freitag auf Twitter. Später erklärte er, dass er nach wie vor eine Übernahme des Onlinedienstes anstrebe.

Musk begründete den vorläufigen Stopp der Übernahme mit der Frage, ob die Spam- und Fake-Konten "tatsächlich weniger als fünf Prozent der Nutzer ausmachen". Der Aktienkurs des Internetdienstes stürzte daraufhin zwischenzeitlich um rund 25 Prozent ab. 

Rund zwei Stunden nach seinem Tweet veröffentlichte Musk eine weitere Kurzbotschaft. Darin erklärte der Gründer des US-Elektroautobauers Tesla und derzeit reichste Mensch der Welt, er strebe nach wie vor eine Übernahme von Twitter an. Bis Börsenschluss erholte sich die Twitter-Aktie etwas und schloss schließlich mit einem Minus von 9,7 Prozent.

Musk hatte im April angekündigt, Twitter für rund 44 Milliarden Dollar (42 Milliarden Euro) kaufen zu wollen. Der Verwaltungsrat des Onlinenetzwerks stimmte der Übernahme nach erstem Widerstand zu.

Twitter-Chef Parag Agrawal machte am Freitag aus seiner Verunsicherung durch Musks Tweets keinen Hehl. "Auch wenn ich davon ausgehe, dass die Vereinbarung erfüllt wird, müssen wir auf alle Szenarien vorbereitet sein und immer tun, was richtig für Twitter ist", erklärte Agrawal. 

Er werde versuchen, zu "mehr Transparenz bei der Arbeit, die wir machen" beizutragen. Dies werde aber nicht mit "Tweets über das 'Thema des Tages' oder den lautesten Spruch" geschehen, fügte der Twitter-Chef offenbar in Anspielung an Musks Aufsehen erregende Twitter-Kommunikation hinzu.

Die Zahl der Spam- und Fake-Konten bei dem Kurzbotschaftendienst ist unter anderem für das Ausspielen von Werbung relevant. Twitter hatte zuletzt mitgeteilt, dass es durchschnittlich 229 Millionen tägliche Nutzerinnen und Nutzer gebe, die "monetarisierbar" seien, die also Werbung ausgesetzt sind. In diesem Zusammenhang schätzte das Unternehmen, dass weniger als fünf Prozent der Konten Spam- oder gefälschte Konten seien.

Musk selbst hatte Ende April erklärt, er wolle mit der Übernahme Twitter "besser machen als jemals zuvor". Dazu wolle er neue Funktionen anbieten und die Algorithmen des Dienstes öffentlich machen, um das "Vertrauen zu vergrößern". Außerdem wolle er "alle Menschen authentifizieren" und sogenannte Spam-Bots "besiegen". 

Der aus Südafrika stammende Musk, mit inzwischen fast 93 Millionen Followern selbst ein eifriger Twitter-Nutzer, hat dem Kurzbotschaftendienst immer wieder vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken. Kritiker befürchten, dass er bei einer Übernahme von Twitter die Moderation von Inhalten - etwa im Kampf gegen Hassbotschaften und die Verbreitung von Falschinformationen - einschränken könnte. Aktivistengruppen haben Werbetreibende dazu aufgerufen, die Plattform zu boykottieren, falls Musk die Tore für missbräuchliche Posts oder Falschinformationen öffne.

Am Dienstag kündigte Musk an, er wolle die Verbannung des früheren US-Präsidenten Donald Trump von Twitter nach der anvisierten Übernahme des Kurzbotschaftendienstes rückgängig machen. Twitter hatte Trump nach der Erstürmung des US-Kapitols durch radikale Anhänger des abgewählten Präsidenten am 6. Januar 2021 verbannt.

Der Analyst Dan Ives von Wedbush kommentierte Musks Ankündigung, die geplante Übernahme von Twitter auf Eis zu legen, mit den Worten, dass aus der Twitter-"Zirkusshow" nun eine "Horrorshow am Freitag den 13." zu werden drohe. Investoren an der Wall Street würden Musks Tweet vermutlich als Versuch interpretieren, sich aus dem Deal zurückzuziehen oder einen niedrigeren Preis zu erzwingen, erklärte Ives vor Veröffentlichung von Musks zweitem Tweet.

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