Politik

Johnson wegen möglicher Weihnachtsfeier seiner Mitarbeiter im Lockdown unter Druck

  • AFP - 8. Dezember 2021, 22:46 Uhr
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Boris Johnson
Bild: AFP

Der britische Premierminister Boris Johnson ist wegen des Verdachts, seine engsten Mitarbeiter hätten im vergangenen Jahr mitten im Lockdown eine Weihnachtsfeier gefeiert, unter Druck geraten.

Der britische Premierminister Boris Johnson ist wegen Berichten, seine engsten Mitarbeiter hätten im vergangenen Jahr mitten im Corona-Lockdown eine Weihnachtsfeier gefeiert, unter Druck geraten. Ein am Mittwoch vom Sender ITV News veröffentlichtes Video erhärtete den Verdacht und sorgte für empörte Reaktionen. Johnson kündigte daraufhin eine interne Untersuchung an. Seine Beraterin und ehemalige Sprecherin Allegra Stratton trat zurück. Die Polizei wird wegen der möglichen Party zunächst keine Ermittlungen einleiten.

Das Video zeigt, wie Stratton bei der Probe für eine Pressekonferenz vor knapp einem Jahr am Rednerpult steht und Fragen ihrer Kollegen über eine Feier beantwortet, die wenige Tage zuvor stattgefunden haben soll. "Diese fiktive Party war ein Geschäftstreffen ohne Abstandhalten", sagt Stratton, bricht dabei jedoch in Gelächter aus.

Johnsons Berater scherzen dann unter anderem über "Käse und Wein", die es bei der Feier gegeben haben soll. Zu der Zeit galten in London strenge Corona-Regeln, Treffen mit mehreren Menschen in geschlossenen Räumen waren verboten.

Das Video steht offenbar im Widerspruch zu Johnsons wiederholten Beteuerungen, seine Mitarbeiter hätten nicht gegen Corona-Richtlinien verstoßen. Britische Medien berichten bereits seit einer Woche von einer mutmaßlichen Party von Johnsons Mitarbeitern am 18. Dezember 2020, was der Premier wiederholt zurückwies.

Johnsons Büro betonte nach Veröffentlichung des Videos erneut, es habe im vergangenen Jahr keine Weihnachtsfeier am Amtssitz des Premierministers stattgefunden. "Die Corona-Regeln wurden zu jedem Zeitpunkt befolgt." Im Parlament entschuldigte sich Johnson für "die Kränkung, die das Video im ganzen Land verursacht hat", und für den "Eindruck", dass sich seine Mitarbeiter über die Corona-Einschränkungen lustig gemacht hätten.

Stratton kündigte derweil unter Tränen ihren Rücktritt an. Mit ihren Äußerungen scheine sie die Corona-Regeln zu verharmlosen, was sie "für den Rest meiner Tage bedauern" werde. "Ich verstehe den Ärger und die Frustration, die die Menschen empfinden", fügte sie hinzu, ohne klarzustellen, ob die fragliche Party denn nun stattfand oder nicht.

Die Polizei wird wegen der mutmaßlichen Party derzeit aus Mangel an Beweisen keine Ermittlungen einleiten. Ermittler hätten das Videomaterial ausgewertet, teilte die Polizei mit. Es liefere jedoch "keine Beweise für einen Verstoß gegen die Gesundheitsschutzvorschriften". Die Ergebnisse der von Johnson angekündigten internen Untersuchung würden jedoch an die Polizei weitergeleitet.

Das Video, das in den TV-Nachrichten gezeigt und millionenfach im Internet angeschaut wurde, hatte am Mittwoch eine Reihe von empörten Reaktionen aus dem gesamten politischen Spektrum zur Folge. Ian Blackford von der Schottischen Nationalpartei (SNP) rief Johnson zum Rücktritt auf. Die Regierung breche ihre eigenen Corona-Regeln und mache sich dann darüber lustig. Dies sei inakzeptabel. 

Oppositionsführer Keir Starmer warf der Regierung ein "beschämendes" Verhalten vor. "Sie wussten, dass es eine Party gab, sie wussten, dass es gegen die Regeln verstieß, sie wussten, dass sie es nicht zugeben konnten - und sie fanden es lustig", empörte sich der Vorsitzende der Labour-Partei.

Auch aus seinen eigenen Reihen musste sich Johnson Kritik gefallen lassen: "Das ist nicht zum Lachen", sagte der Tory-Abgeordnete Roger Gale der BBC. Er habe die Aufnahmen mit "völliger Ungläubigkeit" gesehen. 

Johnsons Regierung war bereits mehrfach wegen ihres Umgangs mit den Corona-Beschränkungen kritisiert worden. Im Mai musste Gesundheitsminister Matt Hancock zurücktreten, weil Fotos aufgetaucht waren, auf denen er eine Mitarbeiterin küsst. Damals galten in England noch Kontaktbeschränkungen. 

Zuvor hatte Johnsons damaliger Spitzenberater Dominic Cummings mit mutmaßlichen Verstößen gegen die Corona-Auflagen für einen Skandal gesorgt.

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