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Formel 1: Kommt es zur finalen Eskalation?

  • Andreas Reiners - 7. Dezember 2021, 16:17 Uhr
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mid Groß-Gerau - Kämpfen am Limit: Max Verstappen (links) und Lewis Hamilton. Daimler

Der Titelkampf in der Formel 1 wird am absoluten Limit geführt. Vor dem Finale am 12. Dezember in Abu Dhabi stellt sich deshalb die Frage: Kommt es beim letzten Rennen zur Eskalation?


Max Verstappen hatte keine Lust. Auf das Podium, auf die Feierei, auf das Rosenwasser. Und wahrscheinlich hatte er auch keine Lust auf Sieger Lewis Hamilton. Deshalb verließ der Niederländer die Podiumszeremonie nach dem vorletzten Saisonrennen der Formel 1 in Saudi-Arabien vorzeitig, vor dem obligatorischen Siegerfoto. Und setzte dem ganzen Chaos, dem Zoff, der Kontroverse, die das Rennen lieferte, noch eine etwas unrühmliche und unsportliche Krone auf. "Weil es keinen Champagner gab", begründete er den vorzeitigen Abgang nach seinem zweiten Platz: "Das hat keinen Spaß gemacht."

Hamilton sparte nach dem Rennen allerdings nicht mit Kritik an seinem Widersacher, der einige Male in dem Rennen im direkten Zweikampf hart und kompromisslos zu Werke gegangen war. Der "Höhepunkt" war der Auffahrunfall in der 37. Runde, als Verstappen seinen Rivalen nach einem zuvor unsauberen Manöver freiwillig passieren lassen wollte und Hamilton Opfer einer Mischung aus Falle, Taktik und Missverständnis wurde.

"Ich muss da draußen einen kühlen Kopf bewahren, aber das war echt schwierig", sagte der siebenmalige Weltmeister. "Ich bin in meinem Leben schon gegen viele Piloten gefahren. In 28 Jahren bin ich vielen unterschiedlichen Charakteren begegnet, und einige da oben sind über der Grenze. Für sie gelten die Regeln nicht oder sie denken nicht an die Regeln."

Und Verstappen sei "über der Grenze, mit Sicherheit", so Hamilton. Dabei spielt der 36-Jährige auf die Duelle an, in denen es Verstappen auf eine Kollision ankommen lässt und dabei auch von der Strecke abkommt, gewissermaßen "All-in" geht. "So wie ich das sehe, kann ich niemanden überholen, von der Strecke fahren und die Position dann behalten. Ich denke, das wissen auch alle Fahrer. Aber für einen von uns scheint das nicht zu gelten", ätzte Mercedes-Mann Hamilton.

Red-Bull-Konkurrent Verstappen sprach davon, dass dies nicht mehr die Formel 1 sei, mit der aufgewachsen sei. "Wir sprechen mehr über Strafen und weiße Linien als über das Racing", sagte der 24-Jährige: "Ich bin mit den Entscheidungen nicht einverstanden, aber ich möchte nicht zu viel Zeit damit verschwenden, denn wir brauchen keine Schlagzeilen daraus zu machen. Das haben sie nicht verdient."

Tatsächlich bekleckerte sich auch die Rennleitung nicht mit Ruhm, hatte vor ein paar Wochen in Brasilien bei einem Zweikampf zwischen Hamilton und Verstappen nichts unternommen und damit in dem Duell viele Freiheiten ermöglicht. Freiheiten, die sich Verstappen nun natürlich herausnehmen will und dann nicht nachvollziehen kann, wenn er jetzt für ähnliche Manöver bestraft wird. Hamilton wiederum betonte, er habe schon so oft Kollisionen "mit diesem Kerl" vermieden: "Mich stört es auch nicht, dass ich immer derjenige bin, der das macht. Ich bin ganz entspannt", sagte der Brite: "Ich fühle mich wie in einem Boxring und bin bereit loszulegen."

Deshalb stellt sich die große Frage: Verstappen und Hamilton sind nun punktgleich, Verstappen hat einen Sieg mehr als sein Rivale auf dem Konto - wird es beim Finale in Abu Dhabi eskalieren? "Nein, ich glaube, es wird nicht eskalieren", glaubt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Das waren so viele Warnschüsse für alle Beteiligten, dass ich denke, dass es sauber abgehen wird. Das wird es auch müssen, denn es kann sich niemand leisten, mit einem Ergebnis dazustehen, das nicht auf der Strecke ausgefahren worden ist." Er hoffe, dass Saudi-Arabien genug Auswirkungen habe, "dass alle daraus lernen und sich für das letzte Rennen in Abu Dhabi anpassen werden." Denn er glaubt, "dass eine ähnliche Fahrweise, wenn die Stewards sie als überzogen bewerten, wahrscheinlich auch in Abu Dhabi bestraft werden würde, und das könnte in einer unangenehmen Situation für alle enden".

Wolff weiter: "Ich glaube nicht, dass die WM ein Ergebnis verdient hat, das durch eine Kollision beeinflusst wurde. In diesem Fall vertraue ich sehr auf das selbstregulierende System. Das schnellere Auto mit dem schnelleren Fahrer sollte die WM gewinnen, und nicht, indem wir uns gegenseitig ausschalten." Sky-Experte Timo Glock stellt klar: "Die Coolheit, die Cleverness, abgebrüht zu sein und in der Hitze des Gefechts die Nerven zusammenhalten. Das wird definitiv die WM entscheiden". Wie es scheint, liegen die Vorteile dort im Moment bei Hamilton.

Andreas Reiners / mid

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