Wirtschaft

Forderung aus der Wirtschaft nach allgemeiner Impfpflicht wird lauter

  • AFP - 25. November 2021, 11:22 Uhr
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Leere Ampullen des Biontech/Pfizer-Vakzins
Bild: AFP

In der Wirtschaft wird der Ruf nach einer allgemeinen Impfpflicht lauter. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte, die gesetzliche Impfpflicht sei zwar 'immer nur die zweitbeste Lösung'. Sie dürfe aber nicht von vornherein ausgeschlossen werden.

In der Wirtschaft wird der Ruf nach einer allgemeinen Impfpflicht lauter. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sagte, die gesetzliche Impfpflicht sei zwar "immer nur die zweitbeste Lösung". Sie dürfe aber nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Laut Umfrage des "Handelsblatt" plädieren auch immer mehr Dax-Manager und Familienunternehmer dafür. 

Der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) sagte der "Rheinischen Post" vom Donnerstag, die Arbeitgeber seien bereit, auch "konstruktiv an der Intensivierung des Impfens mitzuwirken". Notwendig dazu sei "eine klare Ansage aus der Politik statt ständig wechselnde Regeln". 

Wirksame Schutzimpfungen und kontinuierliches Testen seien die wichtigsten Instrumente raus aus der Pandemie, sagte Dulger weiter. Gerade für Mitarbeiter, die mit gefährdeten Personengruppen arbeiten, sei die Bereitschaft zur Impfung ein "Zeichen von Pflichtgefühl und Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen. 

Das "Handelsblatt" zitierte etwa Eon-Chef Leonhard Birnbaum: "Es wird immer deutlicher, dass eine Impfpflicht als Ultima Ratio einer freiheitlichen Demokratie ein Preis ist, den wir zahlen werden müssen, wenn wir eine Dauereinschränkung des Lebens in den nächsten Jahren verhindern wollen." Joachim Kreuzburg, Chef des Pharmazulieferers Sartorius, gab zu bedenken, dass Deutschland mit Freiwilligkeit der Impfungen nicht auf die notwendige Impfquote von 90 Prozent komme. 

Der Chef des Biotech-Unternehmens Qiagen, Thierry Bernard, sagte dem "Handelsblatt": "Alle Daten zeigen, dass die Impfung Sterblichkeitsrate und die Krankenhauseinweisungsrate erheblich senken wird." Er sprach sich daher für die obligatorische Impfung aus. 

Dafür plädierte auch der Präsident des Familienunternehmer-Verbandes, Reinhold von Eben-Worlée: Wenn die Menschen vor die Wahl zwischen Lockdown und Impfpflicht gestellt würden, sei Letzteres der kleinere Eingriff in die Freiheit, sagte er dem "Handelsblatt". Der Chef des Textildiscounters Kik, Patrick Zahn, kritisierte, die Politik habe viel zu lange zugeschaut. Sie müsse jetzt handeln, auch aus wirtschaftlichen Gründen. 

Der Chef der Steakhauskette Block-Gruppe, Stephan von Bülow, fürchtet "massive negative wirtschaftliche Folgen" ohne verpflichtende Impfungen. Der Staat werde die Verluste der betroffenen Unternehmen nicht dauerhaft ausgleichen können, warnte er in der Zeitung. 

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, hatte sich am Mittwoch im Sender RBB "persönlich" für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen. "In den Gewerkschaften diskutieren wir dieses offensiv", fügte er hinzu. 

Hoffmann warnte aber, dass eine generelle Impfpflicht "keine schnelle Wirkung entfalten" werde. Wichtig sei, die rechtlichen Hürden im Auge zu behalten und die Praktikabilität. Die Diskussion über die allgemeine Impfpflicht müsse "offensiv" geführt werden; nötig sei hier ein "breiter Konsens". 

Die Diskussion über eine allgemeine Impfpflicht hat in den vergangenen Tagen angesichts der steil ansteigenden Corona-Infektionszahlen deutlich an Fahrt aufgenommen. Die Ampel-Parteien planen eine Impflicht in Alten- und Pflegeheimen, eine Ausweitung der Impfpflicht darüber hinaus will die geplante Koalition prüfen.

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