Brennpunkte

Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt

  • AFP - 26. Oktober 2021, 13:48 Uhr
Bild vergrößern: Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt
Bild: AFP

Über drei Jahre nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Mord einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden müssen sich in Paris seit Dienstag zwei Verdächtige vor Gericht verantworten. Der 31 Jahre alte Yacine M. und der 25 Jahre alte Alex C. bezichtigen sich gegenseitig der Tat.

Über drei Jahre nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Mord an einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden müssen sich in Paris seit Dienstag zwei Verdächtige vor Gericht verantworten. Der 31 Jahre alte Yacine M. und der 25 Jahre alte Alex C. bezichtigen sich gegenseitig, die alte Dame in ihrer Wohnung getötet zu haben. Der Anwalt des Sohns von Opfer Mireille Knoll, Gilles-William Goldnadel, sprach vor Prozessbeginn von "schändlichem Antisemitismus".

Feuerwehrleute hatten die Leiche der 85-Jährigen entdeckt, als sie zum Löschen eines Brandes in ihre Wohnung kamen. Die alte Dame, die unter der Parkinson-Krankheit litt und sich nicht selbst fortbewegen konnte, war zuvor mit mehreren Messerstichen am Hals und in den Rücken getötet worden. Die Ermittler fanden bald heraus, dass die beiden Männer zum Tatzeitpunkt in ihrer Wohnung gewesen waren. Ihre Aussagen widersprechen sich jedoch.

Die beiden Männer hatten sich bei einem Gefängnisaufenthalt kennengelernt. Beide sind mehrfach vorbestraft wegen Diebstahls und Gewalttaten. Yacine M. war der Sohn der Nachbarin von Mireille Knoll und kannte sie schon lange. Laut Alex C. hatte Yacine M. vorgeschlagen, die alte Dame zu bestehlen und behauptet, dass Juden viel Geld hätten. Yacine M. habe Mireille Knoll getötet und dabei "Allahu Akbar" gerufen. Yacine M. weist dies zurück und beschuldigt seinerseits Alex C., Mireille Knoll bestohlen und erstochen zu haben. 

"Das Motiv des Antisemitismus besteht nur, weil (Alex C.) sich ein Motiv ausgedacht hat", sagte der Anwalt von Yacine M., Charles Consigny. Die Untersuchungsrichter hätten "unter dem Druck der öffentlichen Meinung nicht den Mut gehabt, diese Anklage fallenzulassen", fügte er hinzu. 

Auch die Mutter von Yacine M. muss sich vor Gericht verantworten. Ihr wird vorgeworfen, Blutspuren an dem Messer beseitigt zu haben, mit dem die 85-Jährige ermordet worden sein soll. 

Der Mord hatte in der Öffentlichkeit große Empörung ausgelöst. Präsident Emmanuel Macron hatte erklärt, Mireille Knoll sei getötet worden, "weil sie Jüdin war", und hatte an ihrem Begräbnis teilgenommen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Tausende demonstrierten gegen Antisemitismus. 

Der Prozess soll bis zum 10. November dauern.

Weitere Meldungen

Eltern von 15-Jährigem nach tödlicher Attacke an US-Schule festgenommen

Vier Tage nach der Schusswaffenattacke mit vier Toten an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind die Eltern des 15-jährigen Angreifers nach ihrer Flucht festgenommen worden.

Mehr
Frankreich fliegt fast 260 Afghanen aus Kabul aus

Frankreich hat am Freitag fast 260 Afghanen aus Kabul ausgeflogen. An Bord der Chartermaschine nach Doha waren 258 Afghanen, die wegen ihrer Arbeit, insbesondere als Journalisten

Mehr
UN-Generalsekretär ruft Sudan zur Einhaltung von Meinungs- und Pressefreiheit auf

UN-Generalsekretär António Guterres hat die Behörden im Sudan nach dem Militärputsch zur Einhaltung der Meinungs- und Pressefreiheit aufgerufen. "Inmitten eines zunehmend

Mehr

Top Meldungen

Mehrere Sterne-Restaurants steigern Gewinne trotz Lockdown

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Trotz der Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr weisen mehrere Sterne-Restaurants für 2020 deutlich höhere Gewinne aus als in den Vorjahren. Das

Mehr
Nachfrage nach Winterurlaub in Schneeregionen stark gestiegen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Nachfrage nach Winterurlaub in beliebten Schneeregionen ist im Vergleich zur Vorjahressaison deutlich gestiegen. Das legt eine Auswertung des

Mehr
RKI meldet 64510 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 442,7

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Samstagmorgen vorläufig 64.510 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 3,9 Prozent oder 2.615

Mehr