Brennpunkte

Opferfamilien des Nordirland-Konflikts protestieren gegen "Amnestie-Gesetz"

  • AFP - 19. Oktober 2021, 18:23 Uhr
Bild vergrößern: Opferfamilien des Nordirland-Konflikts protestieren gegen Amnestie-Gesetz
Gedenkplakat für den Nordirland-Konflikt
Bild: AFP

Angehörige von irischen Opfern des Nordirland-Konflikts haben gegen ein von der britischen Regierung geplantes Gesetz protestiert, das die juristische Aufarbeitung des Konflikts beenden soll.

Angehörige von irischen Opfern des Nordirland-Konflikts haben gegen ein von der britischen Regierung geplantes Gesetz protestiert, das die Strafverfolgung von Tötungsdelikten während des Konflikts beenden soll. "Wir wollen Gerechtigkeit", sagte Raymond McCord am Dienstag vor dem britischen Parlament in London der Nachrichtenagentur AFP. McCords Sohn war 1997 im Alter von 22 Jahren von pro-britischen Paramilitärs getötet worden.

"Mein Sohn wurde ermordet und sie sagen mir, dass es keine Strafverfolgung gibt", sagte McCord. Er steht an der Spitze einer Delegation von knapp einem dutzend Angehöriger von Opfern, die am Dienstag mit Abgeordneten aus allen politischen Lagern zusammentraffen. Bei dieser Gelegenheit wollten sie ihren Widerstand gegen die Pläne der Regierung zum Ausdruck bringen.

London hatte im Juli einen Gesetzesentwurf zur Beendigung aller strafrechtlichen Verfolgungen im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt vorgestellt. Dies werde Nordirland "auf dem Weg zur Versöhnung" unterstützen. Opferfamilien prangern das Vorhaben jedoch als "Amnestie" an. Das Gesetz würde bedeuten, dass tausende Tote "einfach nicht mehr zählen", sagte McCord.

Der Tod des ehemaligen britischen Soldaten Dennis Hutchings am Montag, der wegen des Todes des 27-jährigen John Pat Cunningham vor Gericht stand, hatte die Debatte weiter angefacht. Der betreuungsbedürftige Cunningham war 1974 in Nordirland vor Soldaten davon gelaufen, bevor diese ihn erschossen. Hutchings wurde deshalb versuchter Mord vorgeworfen.

Der 80-Jährige hatte lange an einer schweren Nierenkrankheit gelitten und sich zuletzt mit dem Coronavirus angesteckt. Seine Unterstützer sind der Ansicht, dass der Prozess nie hätte stattfinden dürfen. Hutchings sei "vor Gericht gezerrt und bis zu seinem Tod belästigt worden", sagte Jeffrey Donaldson, Vorsitzender der pro-britischen nordirischen DUP.

Cunninghams Angehörige ließ am Dienstag mitteilen, Hutchings' Familie solle nun "Zeit zum Trauern" gegeben werden. Aber es sei richtig gewesen, dass er vor Gericht stand.

Britische Soldaten waren ab 1969 in die Provinz Nordirland entsandt worden, um die Lage dort zu beruhigen. Der Konflikte dauerte dennoch drei Jahrzehnte an. Rund 3500 Menschen wurden getötet. Er endete mit einem Friedensabkommen am Karfreitag 1998.

Familien der von Armeeangehörigen und pro-britischen Milizen Getöteten prangern weiterhin an, dass ihnen Gerechtigkeit verweigert bleibe. Sollte das geplante Gesetz umgesetzt werden, könnte der Prozess gegen Hutchings eines der letzten Verfahren gewesen sein.

Weitere Meldungen

Bis zu 120 Festnahmen nach Lynchmord in Pakistan

In Pakistan hat die Polizei nach einem Lynchmord an einem Fabrikmanager aus Sri Lanka wegen angeblicher Blasphemie bis zu 120 Menschen festgenommen. Unter den Festgenommenen sei

Mehr
Eltern von 15-Jährigem nach tödlicher Attacke an US-Schule festgenommen

Vier Tage nach der Schusswaffenattacke mit vier Toten an einer Schule im US-Bundesstaat Michigan sind die Eltern des 15-jährigen Angreifers nach ihrer Flucht festgenommen worden.

Mehr
Frankreich fliegt fast 260 Afghanen aus Kabul aus

Frankreich hat am Freitag fast 260 Afghanen aus Kabul ausgeflogen. An Bord der Chartermaschine nach Doha waren 258 Afghanen, die wegen ihrer Arbeit, insbesondere als Journalisten

Mehr

Top Meldungen

Mehrere Sterne-Restaurants steigern Gewinne trotz Lockdown

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Trotz der Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr weisen mehrere Sterne-Restaurants für 2020 deutlich höhere Gewinne aus als in den Vorjahren. Das

Mehr
Nachfrage nach Winterurlaub in Schneeregionen stark gestiegen

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Nachfrage nach Winterurlaub in beliebten Schneeregionen ist im Vergleich zur Vorjahressaison deutlich gestiegen. Das legt eine Auswertung des

Mehr
RKI meldet 64510 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz steigt auf 442,7

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am frühen Samstagmorgen vorläufig 64.510 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das waren 3,9 Prozent oder 2.615

Mehr