Politik

Zehntausende Menschen demonstrieren bei neuem Klimastreik von Fridays for Future

  • AFP - 24. September 2021, 17:21 Uhr
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In Berlin war auch Greta Thunberg mit dabei (Bildmitte)
Bild: AFP

In hunderten deutschen Städten hat die Klimaschutzbewegung Fridays for Future erneut für einschneidendere Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Erwärmung demonstriert. In Berlin war auch die schwedische Klimaktivistin Greta Thunberg dabei.

Kurz vor der Bundestagswahl hat die Bewegung Fridays for Future in hunderten deutschen Städten für konsequenteren Klimaschutz  demonstriert. Nach Angaben der vor allem von jungen Menschen getragenen Bewegung gab es bei dem bundesweiten Klimastreik am Freitag Aktionen an fast 500 Orten. In Berlin, Hamburg und München kamen dabei jeweils viele tausend Teilnehmer zusammen, darunter auch zahlreiche Prominente. Fridays for Future bezifferte die Gesamtzahl auf 620.000. 

Die Schätzungen der Polizei zur Teilnehmerzahl wichen allerdings teils erheblich von den Veranstalterzahlen ab. In Berlin, wo die Beamten generell keine eigenen Zahlen nennen, sprach Fridays for Future von hunderttausend Demonstranten. In Hamburg meldete die Polizei rund 21.000 Demonstranten, die Organisatoren nannte eine Zahl von 80.000. In München versammelten sich laut Polizei etwa 12.500 Menschen, nach Angaben von Fridays for Future aber knapp 30.000.

In der Hauptstadt zogen die zahlreichen Teilnehmer mit Plakaten vom Bundestag durch die Stadt. Darauf standen Botschaften wie "Naturgesetze unterliegen keiner Legislative" oder "Wofür Abi wenn ich eh keine Zukunft habe!?". Am der Demonstration nahm auch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg teil, die die globale Fridays-for-Future-Bewegung maßgeblich inspirierte.

Fridays for Future dringt auf Klimaschutzmaßnahmen, die einen weltweiten Temperaturanstieg noch auf eineinhalb Grad Celsius begrenzen. Das entspricht dem 2015 im Klimaschutzabkommen von Paris international vereinbarten Ziel. Thunberg kritisierte am Freitag im ZDF die Klimapläne aller deutschen Parteien als zu unambitioniert. "Das, was die Parteien fordern, reicht einfach nicht aus, das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen."

Die Bewegung selbst kritisierte ebenfalls die Parteien. "Während die Klimakrise eskaliert, belügt man uns im Wahlkampf mit Scheinlösungen und Märchen vom grünem Wachstum", erklärte die Bewegung. "Echte Klimagerechtigkeit steht auf keinem Wahlzettel - sie wird auf der Straße erkämpft."

Auch andernorts unterstützten Prominente die Demonstranten, so etwa in Hamburg der Musiker Jan Delay. An dem Streik beteiligten sich erneut auch zahlreiche andere Organisationen und Verbände - darunter die Gewerkschaft Verdi, die Menschenrechtsorganisation Amnesty International und die Evangelische Kirche in Deutschland. Deren Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Sturm nahm in Hannover an einer Demonstration teil. "Weiter so geht nicht", erklärte er. Auch die Kirche sehe sich "in der Pflicht".

Die Aktionen in Deutschland waren dabei Teil eines erneuten weltweiten Klimastreiks von Fridays for Future in mehr als hundert Ländern. Es war deren insgesamt achte globaler Streik seit 2019.

Die Aktivistin Luisa Neubauer betonte die Bedeutung der Bundestagswahl an diesem Sonntag. "Deutschland ist einer der größten Emittenten weltweit. Historisch gesehen sind wir der viertwichtigste Verursacher der Klimakrise", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP. In den kommenden Jahren würden "Weichen" gestellt, die Entwicklungen für Jahrzehnte bestimmten.

Auch Politiker beteiligten sich am Freitag an den Protesten. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock  nahm in Köln an einer Demonstration teil. Die Wahl am Sonntag sei eine "Klimawahl", erklärte sie. Die Demonstrationen vieler Menschen machten deutlich, dass diese "den Aufbruch" wollten.

Unterstützend äußerte sich auch SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz: "Ich bin dankbar für das Engagement von Fridays for Future - sie haben mitgeholfen, dass Klimaschutz oben auf der Agenda steht", erklärte er. Die Klimastreiks lobte er als "richtig".

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