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Keine Zeit zu sterben

  • Christoph Reifenrath - 30. Juli 2021, 19:43 Uhr
Bildergalerie: Keine Zeit zu sterben
mid Groß-Gerau - Als ultimativen GT-Sportler bezeichnet der britische Nobelhersteller Aston Martin den DBS Superleggera. Der V12 ist ein betörend schönes Coupe. Mike Neumann / mid

Als ultimativen GT-Sportler bezeichnet der britische Nobelhersteller Aston Martin den DBS Superleggera. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich hinter das Volant des betörend schönen Coupes gesetzt. Schafft der V12 den Spagat zwischen Tradition und Moderne?


Als ultimativen GT-Sportler bezeichnet der britische Nobelhersteller Aston Martin den DBS Superleggera. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat sich hinter das Volant des betörend schönen Coupes gesetzt. Schafft der V12 den Spagat zwischen Tradition und Moderne?

Es war und ist wohl einer der größten und nachhaltigsten Marketingcoups der Geschichte. Der erste Film-Auftritt eines Aston Martin in James Bond "Goldfinger" (1964) machte den DB5 weltberühmt und die kleine britische Sportwagenmarke aus Gaydon in der englischen Grafschaft Warwickshire zumindest gefühlt genauso "unsterblich" wie den berühmtesten Geheimagenten der Welt.

Und das, obwohl Ian Fleming in seiner 1959 erschienen Buchvorlage eigentlich einen Aston Martin DB Mark III (1957-59) beschrieb. Der Rest ist gleichermaßen Geschichte und Zukunft. Seither spielte das 1963 präsentierte und bis 1965 nur etwa 900mal gebaute, damalige Topmodell der Marke bislang in sechs weiteren James Bond-Filmen mit: 1965 in "Thunderball" (Sean Connery), 1995 in "Golden Eye", 1997 in "Tomorrow Never Dies" (Pierce Brosnan), 2006 in "Casino Royale" sowie in "Skyfall" 2012 und "Spectre" 2015 (Daniel Craig).

Der 25. Bond-Film "Keine Zeit zu sterben", der im September in die Kinos kommt, schreibt diese Tradition fort und schlägt gleichzeitig eine Brücke in die Gegenwart und Zukunft. Wir erleben nicht nur, wie Daniel Craig als 007 in den aktiven Dienst zurückkehrt, um seine letzte Mission zu erfüllen. Auch vier Aston Martin-Modelle spielen eine tragende Rolle. Darunter selbstverständlich der DB5, der unter anderem für diesen Zweck unter der Bezeichnung "Goldfinger Continuation" seit 2019 in einer weitgehend originalen Neuauflage des ursprünglichen Filmautos von 25 Einheiten (Stückpreis: 3,1 Millionen Euro) von Hand (nach)gebaut wurde.

Auch ein V8 Saloon (1972-1989) und der Valhalla, das erste, bislang nur angekündigte Hybridmodell der Marke, kommen zum Einsatz. Die neue MI6-Agentin Nomi schließlich - und damit schließt sich der Kreis zu diesem Fahrbericht - fährt das aktuelle Flaggschiff des Aston Martin Portfolios, den DBS Superleggera.

Seine Rolle im aktuellen Markenangebot ist - künftige James Bond-Prominenz hin oder her - keine ganz einfache. Denn während sich die automobile Welt rapide in Richtung Elektromobilität wandelt, muss der DBS ganz ohne E-Unterstützung auskommen. An Ausstrahlung, Leistung und fahrerischem Talent mangelt es dem 322.082 Euro teuren Testwagen (Basispreis ohne Sonderausstattung 281.102 Euro) aber wahrlich nicht.

Der Superleggera ist eben kein simples Fahrzeug, er streichelt die Sinne. Die ellenlange Motorhaube mit den zwei Luftauslässen und vier Sicken vereint Eleganz und Kraft. Der Kühlerschlund, der sich tief in die Frontschürze frisst, lässt den maximal 340 km/h schnellen Aston erscheinen, als könne er langsamere Linksfahrer einfach inhalieren. Dabei pressen ihn laut Hersteller bis zu 180 Kilogramm auf die Straße.

Der Pilot sitzt tief, das Cockpit passt wie ein Maßanzug. Das harmoniert perfekt mit dem muskulösen Hüftschwung und dem gestählten Heck. Die serienmäßigen Adaptivdämpfer bügeln selbst im GT-Modus die meisten Unebenheiten unerwartet souverän weg.

Der 5,2-Liter-V12-Biturbomotor leistet üppige 725 PS und bietet bereits bei 1.800 U/min ein maximales Drehmoment von 900 Newtonmetern - beides auch im E-Zeitalter beeindruckende Werte. Per Startknopf zum Leben erweckt, entfährt der Vierstrom-Klappenauspuffanlage jenes sonore, voluminöse V12-Grollen, das bei Verbrenner-Fans eine wohlige Gänsehaut auslöst. Dann der Tritt aufs Gaspedal: Der DBS beschleunigt brachial, presst den Piloten in die mit feinem, herb duftendem Leder bezogenen Sitze. Der V12 dreht äußerst willig, mühelos, liefert seine beeindruckende Power fast ein wenig zu gleichförmig, untermalt vom jederzeit präsenten, aber nie unangenehmen Trompetenchor der vier Titan-Endrohre. Gas wegnehmen quittiert der V12 dazu noch mit rotzigen Zwischengastuschs.

Das Achtstufen-Automatik-Getriebe sortiert die Gänge meist souverän, die serienmäßigen Carbon-Keramik-Bremsen verzögern ebenso vehement, wie der V12 nach vorne drängt. Endgültig auf den Geschmack kommt der DBS-Pilot auf kurvigen Landstraßen - trotz der ausladenden Breite, die der Gran Turismo mitbringt. Der Aston weiß mit dem gewaltigen Drehmomentschwall, der per Carbon-Antriebswelle ausschließlich auf die Hinterräder niederprasselt, gekonnt umzugehen. Wer es darauf anlegt, kann die Traktion bis in die vierte Fahrstufe abreißen lassen, mit etwas Gefühl im Gasfuß lässt sich die Hinterachse aber selbst dann gut kontrollieren.

Kurven jeder Art legt sich der Superleggera per Doppelquerlenker-Vorderachse und über die Lenkung sauber zurecht. Sie meldet die Position der Vorderräder präzise und mit Gespür für die Fahrbahnbeschaffenheit, kombiniert Komfort mit Kontrolle. Wie der Superleggera durch Kurven tänzelt, sie geradezu aufsaugt, das macht mächtig Laune.

Dabei ist selbst der "Superleichte" sogar mit Heckspoiler, Dach und Heckschürze aus Kohlefaser mit fast 1,9 Tonnen Leergewicht in Wahrheit doch ein ganz schön schwerer Brocken. Die Aston-Techniker kitzeln dennoch mit konventionellen Mitteln - ohne die heute übliche Armada von Assistenzsystemen, ohne Hinterachslenkung, ohne Wankstabilisierung - beeindruckendes aus dem Konzept heraus. Auf Landstraßen wirkt es manchmal fast so, als wären DBS und Fahrbahn verklebt.

Fazit: Der DBS ist ein echter Gran Turismo alter Schule. Der V12-Biturbo strotzt vor Kraft, die der Superleggera dank hoher Karosseriesteifigkeit, ausgewogener Gewichtsverteilung sowie feinfühliger Lenkung souverän und mit hohem Spaßfaktor auf die Straße bringt. Der erstaunlich hohe Fahrkomfort prädestiniert ihn auch für lange, schnelle Autobahn-Etappen. Sein Design verströmt pure Eleganz, der Innenraum das - in manchen Details etwas angestaubte - Flair britischer Noblesse. Noch, so scheint es, ist also keine Zeit zu sterben - doch auch dieser Aston Martin wird sich wie James Bond - auf Dauer nicht nur wegen des hohen Verbrauchs wandeln müssen.

Christoph Reifenrath / mid

Technische Daten Aston Martin DBS Superleggera Coupe:

- Grundpreis / Testwagenpreis: 281.102 Euro / 322.082 Euro

- Maße: 4.715 x 1.970 x 1.285 mm

- Kofferraumvolumen: 270 Liter

- Hubraum / Motor: 5204 ccm / V-12-Biturbo

- Leistung: 533 kW / 725 PS bei 6.500 U/min

- Max. Drehmoment: 900 Nm bei 1.800 U/min

- Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h - 0-100 km/h: 3,4 s

- Normverbrauch: 12,4 l/100 km

- Praxisverbrauch: 14,7 l/100 km

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