Finanzen

DIW-Chef: "Es braucht ein großes Konjunkturprogramm"

  • dts - 31. März 2020, 18:21 Uhr
Bild vergrößern: DIW-Chef: Es braucht ein großes Konjunkturprogramm
Marcel Fratzscher
dts

.

Berlin - Um die langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern, muss der Staat nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, ein milliardenschweres Konjunkturpaket auflegen. "In der zweiten Phase der Krisenbewältigung müssen wir uns darum kümmern, dass die Wirtschaft wieder ans Laufen kommt. Dafür braucht es auch ein großes Konjunkturprogramm", sagte Fratzscher dem Nachrichtenportal T-Online mit Blick auf die Zeit nach der ersten akuten Phase der Krisen-Eindämmung.

Konkret könne ein solches Programm mehrere Instrumente umfassen. Naheliegend seien etwa Steuersenkungen und Erleichterungen bei den Sozialbeiträgen für Unternehmen, so der DIW-Chef. "Der Staat könnte aber auch gezielt Forschung und Entwicklung unterstützen, indem er Innovationsziele setzt", so der Ökonom weiter.

Langfristig sinnvoll sei es, "die Nachfrage durch öffentliche Investitionen anzustoßen". Dadurch ließe sich etwa auch die Digitalisierung vorantreiben sowie der Klimaschutz. "Da die Corona-Krise aber auch für Arbeitslosigkeit und geringere Einkommen sorgen wird, können in der kurzen Frist auch Steuererleichterungen für die Bürger helfen", sagte Fratzscher. "Möglich wäre etwa eine temporäre Absenkung der Mehrwertsteuer", so der DIW-Chef weiter.

Zum finanziellen Volumen eines solchen Pakets sagte der Ökonom: "Wir sollten uns darauf einstellen, dass der Staat für ein solches Paket mindestens so viel veranschlagen muss wie für die bereits beschlossenen Programme zur aktuellen Krisenbewältigung." Diese beliefen sich derzeit auf unter 150 Milliarden Euro. Dass der Staat dafür weitere Schulden aufnehmen müsse, sei klar. "Zumindest in den nächsten drei Jahren wird die schwarze Null keine Rolle mehr spielen. Wenn alles gut geht, haben wir sie danach wieder", sagte Fratzscher dem Nachrichtenportal T-Online mit Blick auf den ausgeglichenen Haushalt im vergangenen Jahr.

Weitere Meldungen

Union will Verzögerungen ins Grundrenten-Gesetz schreiben

Berlin - Die Unionsfraktion drängt im Streit um die Ausgestaltung der zum kommenden Jahr geplanten Grundrente darauf, absehbare Verzögerungen auch im Gesetz zu benennen. "Für die

Mehr
Kretschmer lehnt Gutscheine für Urlaub in Deutschland ab

Dresden - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat sich scharf gegen das Vorhaben seines bayerischen Amtskollegen Markus Söder (CSU) gewandt, Gutscheine für Urlaub

Mehr
Umsatzsteueraufkommen im April um 38 Prozent eingebrochen

Berlin - Die Steuereinnahmen sind im April eingebrochen. Allein die Umsatzsteuereinnahmen des Bundes waren 37,6 Prozent niedriger als im April 2019, heißt es im Monatsbericht des

Mehr

Top Meldungen

Arbeitsagentur rechnet mit 36,2 Milliarden Euro Verlust

Nürnberg - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet allein in diesem Jahr mit einem Defizit von 30,5 Milliarden Euro. Das geht aus einem Finanzbericht der Arbeitsagentur für den

Mehr
Ifo-Geschäftsklimaindex im Mai gestiegen

München - Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai auf 79,5 Punkte gestiegen. Das teilte das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München am

Mehr
Stimmung in deutschen Unternehmen hellt sich auf

Angesichts der Lockerungen in der Corona-Krise hellt sich die Stimmung unter den deutschen Unternehmen wieder auf: Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der im April auf ein historisches

Mehr