Politik

Merkel hält Zeitpunkt für Beschlüsse über Rückkehr zum Alltag für zu früh

  • AFP - 27. März 2020, 04:39 Uhr
Bild vergrößern: Merkel hält Zeitpunkt für Beschlüsse über Rückkehr zum Alltag für zu früh
Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bild: AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält es noch für zu früh, um über eine Lockerung der wegen des Coronavirus verhängten Restriktionen in Deutschland zu entscheiden. Die Neuinfektionen nähmen weiterhin zu. Sie bitte daher die Menschen um Geduld.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält es noch für zu früh, um über eine Lockerung der wegen des Coronavirus verhängten Restriktionen in Deutschland zu entscheiden. Es gebe weiterhin einen Anstieg der Neuinfektionen, warnte Merkel am Donnerstagabend. Sie müsse deshalb die "Menschen in Deutschland wirklich um Geduld bitten". Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellte unterdessen in Aussicht, dass die Maßnahmen in seinem Bundesland baldmöglichst gelockert werden sollten.

Bereits seit mehr als einer Woche sind in Deutschland die Schulen und Kitas geschlossen. Auch zahlreiche andere öffentliche Einrichtungen machten dicht, zudem sind viele Geschäfte und alle Restaurants geschlossen. Seit Montag sind ferner Kontakte von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum verboten, ausgenommen sind davon nur Angehörige des eigenen Hausstands. 

Merkel sagte nun in einer im Internet übertragenen Pressekonferenz, angesichts einer Inkubationszeit des neuartigen Virus von bis zu 14 Tagen könne noch nicht bewertet werden, ob die bisherigen Maßnahmen gewirkt hätten. Ziel der derzeitigen Restriktionen sei es, die Gesundheitssysteme nicht zu überlasten. Zuvor hatte die Kanzlerin an einem Video-Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs zu der Pandemie teilgenommen. 

Merkel befindet sich selber derzeit in Quarantäne. Sie begab sich freiwillig in die häusliche Isolation, nachdem sie Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt gehabt hatte. Wie viele Bürger sitze sie derzeit "den ganzen Tag vor einem Gerät" und könne nur "virtuell" mit Menschen sprechen, berichtete sie. Sie habe aber "keine realen Begegnungen". Deshalb sei sie "froh", wenn ihre Quarantäne "sich ihrem Ende zuneigt".

Pistorius sagte unterdessen zu den Restriktionen in Niedersachsen: "Ich verspreche: Sobald es irgendwie geht, werden wir die Beschränkungen wieder schrittweise aufheben." 

Besorgt zeigte sich der Landesinnenminister nicht nur wegen der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen. "Wir schränken auch Bürger- und Freiheitsrechte massiv ein. Das ist nur in einer historischen Situation wie der jetzigen zu rechtfertigen und darf nicht länger dauern, als unbedingt notwendig", sagte der SPD-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitagsausgabe).

Laut Pistorius halten sich die Bürger in Niedersachsen weitgehend an die Auflagen. Seit Beginn der Krise erhalte er jeden Morgen einen Lagebericht zu den einschlägigen Polizeieinsätzen. Daher könne er sagen, "dass die Menschen insbesondere in den letzten Tagen sehr vernünftig mit der Lage umgehen". Die Polizei schreite nur äußerst selten ein.

Zuletzt waren die Rufe nach einer Strategie für die schrittweise Aufhebung der Restriktionen lauter geworden. So fordert unter anderen der Deutsche Städtetag Konzepte für eine graduelle Rückkehr zum Alltag. Eine geordnete Exit-Strategie wäre "ein klares Signal, um den Sorgen der Menschen zu begegnen", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). 

Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag gibt es in Deutschland inzwischen rund 36.500 Corona-Infektionsfälle und 198 verzeichnete Todesopfer. Die Johns-Hopkins-Universität in den USA registrierte hingegen bis zum frühen Freitagmorgen rund 43.940 Infektionsfälle in Deutschland. Die starke Differenz in den Zahlen erklärt sich aus unterschiedlichen Methoden der Datensammlung. 

Weitere Meldungen

Ausgangssperre wegen Coronavirus in Italien bis Ostern verlängert

Die wegen der Corona-Pandemie in Italien verhängte Ausgangssperre wird bis Ostern verlängert. Die vor drei Wochen angeordnete landesweite Ausgangssperre gelte noch mindestens bis

Mehr
Bund und Länder fordern strikte Aufrechterhaltung von Kontaktbeschränkungen

Im Kampf gegen das Coronavirus in Deutschland müssen die verhängten strikten Kontaktbeschränkungen nach Ansicht von Bundesregierung und Ländern vorerst unbedingt beibehalten

Mehr
Auch dritter Coronavirus-Test Merkels negativ

Auch das Ergebnis des dritten Coronavirus-Tests von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist negativ. Die Bundeskanzlerin werde aber "auch in den nächsten Tagen die Dienstgeschäfte aus

Mehr

Top Meldungen

EU-Wirtschaftskommissar Gentiloni fordert Kompromiss im Streit um Corona-Bonds

EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni hat Deutschland zu einem Kompromiss im Streit um die Corona-Bonds gedrängt. Eine Möglichkeit, die massiven wirtschaftlichen Probleme durch

Mehr
Kretschmer: Bundesweites Konjunkturpaket soll Wachstum ankurbeln

Dresden - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat ein groß angelegtes Konjunkturpaket vorgeschlagen, um die Wirtschaft nach der überstandenen Infektionswelle

Mehr
Sparkassen-Präsident: Können vielen Firmen nicht helfen

Berlin - Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis schlägt Alarm. Viele Unternehmen, die in der Coronakrise am dringendsten Hilfe benötigten, könnten auf die Stützungsprogramme von

Mehr