Brennpunkte

Innenministerium zählt über 1.600 Angriffe gegen Flüchtlinge

  • dts - 27. März 2020
Bild vergrößern: Innenministerium zählt über 1.600 Angriffe gegen Flüchtlinge
Flüchtling
dts

.

Berlin - Die Sicherheitsbehörden haben im vergangenen Jahr insgesamt 1.620 Übergriffe auf Flüchtlinge in Deutschland verzeichnet, 229 Menschen wurden bei den Attacken verletzt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben) berichten.

Bei 260 Angriffen auf Asylbewerber nutzen die Täter laut Bundesinnenministerium Sprengsätze, legten Brände oder verwendeten andere Waffen, die zu teils gefährlichen Körperverletzungen führten. Unter den Opfern der Angriffe waren demnach auch Kinder. In 128 Fällen im Jahr 2019 war das Ziel eines Angriffs die Flüchtlingsunterkunft selbst. 118 Übergriffe gingen dabei laut Bundesregierung auf das Konto von Rechtsextremisten.

Insgesamt lag die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte 2019 damit bei mehr als 1.700 Vorfällen. Bei den Angaben der Bundesregierung fehlen zudem noch Nachmeldungen durch die einzelnen Polizeidienststellen, berichten die Funke-Zeitungen. Die Angaben über rechtsextreme oder rassistisch motivierte Angriffe könnten demnach noch steigen. Im Vergleich zu den Vorjahren sinkt 2019 die Zahl der Angriffe auf Asylsuchende und Flüchtlinge in Deutschland.

2018 verzeichneten die Sicherheitsbehörden noch insgesamt 173 Angriffe auf Asylunterkünfte und 1.775 Attacken auf Geflüchtete außerhalb der Einrichtungen selbst. Die meisten davon wurden von Rechtsextremisten begangen. Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2016 waren auch die Angriffe auf Asylsuchende auf einem Höchststand. Mehr als 2.500 Mal waren Geflüchtete Opfer einer Attacke, in fast 1.000 Fällen kam es laut Sicherheitsbehörden 2016 zu Angriffen auf Asylunterkünfte. Linken-Politikerin Ulla Jelpke warnte angesichts der jüngsten rechtsterroristischen Anschläge wie in Halle oder zuletzt in Hanau vor der "tödlichen Gefahr durch Rechtsextremismus und Rassismus". In Deutschland gebe es "offenbar ein gesellschaftliches Klima, in dem Flüchtlinge jederzeit damit rechnen müssen, verbal und auch tätlich angegriffen zu werden", sagte Jelpke den Funke-Zeitungen. "Ein Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus ist gut, besser wäre es noch, man würde endlich eine dauerhafte Förderung der Beratungs- und Präventionsprojekte für die Opfer von Rassismus und gegen Rechtsextremismus gesetzgeberisch absichern."

Weitere Meldungen

Lebenslänglich für zwei Libanesen wegen Anschlags auf israelischen Touristenbus

Im Prozess um den tödlichen Anschlag auf einen israelischen Touristenbus in Bulgarien sind zwei der Mittäterschaft angeklagte Libanesen in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft

Mehr
Lambsdorff erwartet nach Tod von Bader Ginsburg "umkämpften Monat"

Berlin - FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff fürchtet nach dem Tod der US-Verfassungsrichterin Ruth Bader Ginsburg, dass die Republikaner ihre Nachfolge noch vor der

Mehr
Geldwäsche: SPD-Chef will "Täter-Banken" zur Rechenschaft ziehen

Berlin - SPD-Chef Norbert Walter-Borjans hat auf Enthüllungen über das Versagen von Banken bei der Geldwäsche-Bekämpfung mit der Forderung nach Strafverschärfung reagiert. "Wir

Mehr

Top Meldungen

Handwerk fordert Strukturreform in Sozialversicherung

Berlin - Mütterrenten, Pflegeversicherung und die Mitversicherung von Familienmitgliedern in der Krankenversicherung sollten nach den Worten von Handwerkspräsident Hans Peter

Mehr
Berliner Bausenator zeigt Verständnis für Enteignungsinitiative

Berlin - Der neue Senator für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin, Sebastian Scheel (Linke), hat Verständnis für die Volksinitiative zur Enteignung großer privater

Mehr
IG-Metall-Chef wirft Konzernen Kahlschlag vor

Frankfurt/Main - IG-Metall-Chef Jörg Hofmann wirft Industriekonzernen wie Conti oder Schaeffler vor, die Coronakrise als Vorwand zu nehmen. "Eine Reihe Arbeitgeber nutzt die

Mehr