Wirtschaft

Das neue Macau? Casino-Wahnsinn in Südostasien

  • Redaktion - 11. Dezember 2019
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@ Philippsaal (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

An der Küste Kambodschas bahnt sich ganz schön etwas an. Dort liegt das Städtchen Sihanoukville, das vor einigen Jahren nicht viel mehr war als ein verschlafenes Fischerdörfchen. Bekannt wurde Sihanoukville vor allem wegen der Tatsache, dass es der Ausgangspunkt für Boote zur beliebten Backpacker-Insel Koh Rong ist. Neben den einheimischen Fischerleuten wurde der Ort daher vor allem von jungen Urlaubern besucht, die in den Bars feierten oder sich am Strand in den Hängematten entspannten.

Heute zeigt sich in Sihanoukville jedoch ein komplett anderes Bild. Die idyllische Atmosphäre ist Vergangenheit, und das Stadtbild gleicht einer einzigen gewaltigen Baustelle. Der Grund dafür ist wieder einmal China. Da chinesische Investitionen in Kambodscha gerne gesehen werden (im Gegensatz zu anderen Ländern der Region, wie Thailand oder Vietnam), brachen diese wie ein Heuschreckenschwarm auf die Region herein.

Das Resultat ist geradezu erschreckend. Derzeit werden in Sihanoukville über 70 Casinos gebaut. Bei einem Großteil davon wird Tag und Nacht gearbeitet, denn für die Investoren und Spieler aus China können die neuen Glücksspiel-Tempel gar nicht zu früh ihre Tore eröffnen. Wir haben alle Details über die verrückte Geschichte des neuen Macaus von Südostasien.

Sihanoukville – vom Fischerdörfchen zur Industriestadt

Sihanoukville – umgangssprachlich auch „Snooky“ genannt – liegt an der Südküste Kambodschas, rund vier Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt. Knapp 25 Kilometer vor der Küste liegt die Insel Koh Rong, die wegen ihrer weißen Strände und entspannten Strandbars vor allem von jungen Backpackern bevorzugt wird.

Bis vor einigen Jahren war in Sihanoukville nicht viel los. Der Einfluss der Backpacker auf die Stadt war gering, und die meisten Einwohner gingen ganz normal ihren Leben nach. Dann kam jedoch der Wandel, ausgelöst durch massive Investitionen aus China.

Alles fing damit an, dass Sihanoukville als Standort für den ersten Tiefwasserhafen Kambodschas ausgewählt wurde. Der Hafen in Snooky ist Teil der „neuen Seidenstraße“ Chinas – eines extrem umstrittenen Projekts, das enorme globale Auswirkungen hat und Chinas Stellung als größte Wirtschaftsmacht der Welt weiter ausbauen wird.

Neben dem Tiefwasserhafen wird auch die Infrastruktur des Landes erweitert. Abgesehen von einer neuen Autobahn nach Phnom Penh wird derzeit auch ein neuer Flughafen in der Hauptstadt gebaut, genauso wie mehrere Stromkraftwerke und sogar Ölbohrinseln vor der Küste. Insgesamt wurden bis jetzt bereits mehr als 4 Milliarden Euro in die Region um Sihanoukville investiert, selbstverständlich alles im Besitz chinesischer Unternehmen.

Vom Fischereibonus zum Casino Bonus

Vielleicht war es gar nicht geplant, dass sich Sihanoukville zur neuen Glücksspielmetropole von Südostasien entwickelt. Doch da Glücksspiel (zumindest für ausländische Spieler) in Kambodscha grundsätzlich erlaubt ist, schlugen die chinesischen Investoren zwei Fliegen mit einer Klappe und errichteten neben dem Hafen und den Kraftwerken noch eine Fülle an Hotels und Casinos.

Dass Glücksspiel in China beliebt ist, dürfte wohl kein Geheimnis sein. Die Glücksspielmetropole Macau erzielt bereits seit Jahren Umsätze, die die Casinos in Las Vegas vor Neid erblassen lassen würden. Der Grund dafür ist einfach zu finden. Grundsätzlich ist nämlich jede Form von Glücksspiel in China verboten. Das gilt sowohl für landbasierte wie auch für Online Casinos. Denn ganz im Gegensatz zu China hat es in Europa bereits unzählige Glücksspielunternehmen in das Internet getrieben, wo sie neue Spieler mit einem Casino Bonus zur Anmeldung verlocken, wie das Portal Casino Professor aufführt. In Asien sind dabei jedoch die Philippinen das einzige Land, das den Markt der Online Casinos reguliert haben.

In China werden solche Angebote hingegen von der Regierung geblockt und können von den Menschen in China nicht aufgerufen werden – genau wie ein Großteil an anderen Webseiten wie Google oder Facebook auch. Wäre dies nicht der Fall, so würde sich sicherlich ein buntes Treiben im Glücksspielbereich herausbilden.

Chinesen müssen für Glückspiel ins Ausland

Daher müssen alle chinesischen Spieler unweigerlich ins Ausland reisen, um an den verschiedenen Formen von Glücksspiel teilzunehmen. Macau ist nur deshalb eine Ausnahme, weil es sich dabei um eine Sonderverwaltungszone handelt, die nicht an die Gesetze des Festlandes gebunden ist. Neben Macau bevorzugen die chinesischen Spieler vor allem umliegende Länder mit legalen Glücksspielangeboten, wie z.B. Vietnam oder die Philippinen – und jetzt eben auch Kambodscha.

Bereits in der Hauptstadt Phnom Penh stehen einige Casinos, genau wie an der Grenze zu Thailand, denn auch dort ist das Glücksspiel illegal und Kambodscha ist ein beliebtes Ziel für die Spieler aus dem Land des Lächelns. Doch was sich gerade in Sihanoukville abspielt, sprengt jeden bisher gesehenen Rahmen. In so ziemlich jeder Straße der Stadt wird gebaut.

Neben den über 70 Casinos entstehen unzählige Hotels, Bars, Restaurants und Läden – natürlich alle genau zugeschnitten auf die Vorlieben der chinesischen Besucher, die nach Angaben mittlerweile über 20% der Bevölkerung von Sihanoukville ausmachen.

Das wirklich Eindrucksvolle ist dabei die Geschwindigkeit, in der die Gebäude entstehen. Wer Baustellen aus Deutschland gewohnt ist, der würde sich beim Anblick der Projekte der Chinesen ganz schön wundern. Oft wird hier nämlich rund um die Uhr gearbeitet. Bei Nacht erleuchtet die Stadt in Flutlicht, während eine neue Schicht von Arbeitern dafür sorgt, dass die Gebäude wie Pilze aus dem Boden schießen.

Das große Geld aus China – ein Segen für die Bevölkerung Kambodschas?

Auf den ersten Blick würde man logischerweise annehmen, dass Investitionen der Größenordnung von Sihanoukville viele Möglichkeiten für die Bevölkerung bieten müssen. Und zu einem gewissen Grad ist dies sicherlich richtig. Auch wenn ein Großteil der Angestellten der Casinos chinesische Gastarbeiter sind, entstehen dort natürlich auch zahlreiche Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung. Das ist vor allem deshalb positiv, weil Kambodscha eines der ärmsten Länder der Welt ist und viele Menschen weniger als 1 US-Dollar pro Tag verdienen. Im Casino bekommen die Croupiers und Bedienungen oft mehr als 100 oder 200 Dollar pro Tag – in Kambodscha ein sehr respektables Gehalt.

Allerdings ist die Situation weitaus nicht so rosig, wie es sich viele Menschen vielleicht vorstellen würden. Denn mit dem steigenden Einfluss der Gäste aus China steigen auch die Preise in der Stadt, allen voran die Mietpreise. Während die billigsten Apartments in der Vergangenheit bereits für unter 50 Dollar pro Monat erhältlich waren, hat sich diese Summe anscheinend bereits verdreifacht.

In der Folge sind viele Menschen dazu gezwungen, die Stadt zu verlassen und zurück in ihre Heimatdörfer zu ziehen. Der Traum vom großen Geld durch die chinesischen Investoren ist damit für viele Kambodschaner bereits gestorben. Ein weiteres Problem ist die Tatsache, dass Chinesen traditionell unter sich bleiben und auch im Ausland ausschließlich chinesische Produkte konsumieren möchten. Daher profitieren vor allem die neu gebauten chinesischen Einkaufsläden und Restaurants von den Besuchern.

Was genau mit Sihanoukville passieren wird, darf derzeit noch gespannt beobachtet werden. Denn bei Bauprojekten von solch gigantischen Dimensionen wie im ehemaligen kambodschanischen Fischerdorf sind es nicht nur die Spieler der Casinos, die ein großes Risiko eingehen und sich dabei einen noch größeren Zahltag erhoffen.

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