Politik

Thunberg wirft Regierungen "Verrat" an ihrer Generation vor

  • AFP - 23. September 2019, 23:15 Uhr
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Greta Thunberg beim UN-Klimagipfel
Bild: AFP

In einer zornigen Rede beim UN-Klimagipfel hat die junge schwedische Aktivisten Greta Thunberg Regierungen rund um den Globus 'Verrat' an ihrer Generation vorgeworfen. 'Sie lassen uns im Stich', rief die 16-Jährige den in New York versammelten Staats- und Regierungschefs zu.

In einer zornigen Rede beim UN-Klimagipfel hat die junge schwedische Aktivisten Greta Thunberg Regierungen rund um den Globus "Verrat" an ihrer Generation vorgeworfen. "Sie lassen uns im Stich", rief die 16-Jährige am Montag den in New York versammelten Staats- und Regierungschefs zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete bei dem Treffen das Klimaschutzpaket ihrer Regierung indes als Beginn eines "tiefgreifenden Wandels" in Deutschland.   

Thunberg sprach gleich zu Beginn des Gipfels, bei dem UN-Generalsekretär António Guterres die Weltgemeinschaft auf massiv verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel einschwören wollte. "Menschen leiden. Menschen sterben, ganze Ökosysteme kollabieren. Wir befinden uns am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, woran Ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt Ihr es wagen!", wandte sich die 16-Jährige erregt an die Versammlung.

Thunberg hat durch ihre freitäglichen Klimastreiks den Anstoß für neue weltweite Jugendbewegung für den Klimaschutz gegeben. Guterres und andere Gipfelteilnehmer würdigten das Engagement der jungen Klimaaktivisten. Diese hätten Recht, wenn sie "sofortiges Handeln" verlangten, sagte der UN-Generalsekretär. Merkel sagte: "Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört."

Die Kanzlerin hatte sich noch vor Beginn der Reden mit Thunberg zusammengesetzt. Über den Inhalt des Treffens wurde allerdings nichts bekannt. Regierungssprecher Steffen Seibert verbreitete lediglich ein Foto. Die deutsche Sektion der von Thunberg gegründeten Bewegung Fridays von Future hat das von der Bundesregierung am Freitag beschlossene Klimaschutzpaket als "desaströs" bezeichnet, da es nicht für "echten Klimaschutz" sorge. 

Parallel zum Gipfel reichten Thunberg und 15 weitere Jugendliche aus zwölf verschiedenen Ländern bei der UNO eine Menschenrechtsbeschwerde zum Klimawandel ein, die sich auch gegen Deutschland richtet. Die Beschwerdeführer werfen den Staaten vor, zu wenig gegen den Klimawandel zu tun und damit gegen die Kinderrechte zu verstoßen, wie das UN-Kinderhilfswerk Unicef mitteilte.

Merkel ging in ihrer Rede auf die Kritik der jungen Aktivisten wie auch von Umweltorganisationen und Wissenschaftlern am deutschen Klimaprogramm nicht direkt ein. Sie bezeichnete es jedoch als Aufgabe von Regierungen, "alle Menschen mitzunehmen". Es gebe jene Menschen, die demonstrierten und Druck ausübten. "Es gibt aber auch die Zweifler", die von der Politik ebenfalls einzubinden seien.

Deutschland hatte sich im Vorfeld des Gipfels offiziell bei der UNO zu dem Ziel verpflichtet, bis zum Jahr 2050 die CO2-Neutralität zu erreichen. Dieses Ziel besagt, dass ein Land nicht mehr Kohlendioxid ausstößt als es gleichzeitig abbaut oder speichert. Insgesamt verpflichteten sich nach UN-Angaben inzwischen 66 Länder zur CO2-Neutralität bis 2050.

Eine weltweite CO2-Neutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts ist nach Einschätzung des Weltklimarats die Voraussetzung dafür, die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen zu können. Dieses Ziel hatte sich die Weltgemeinschaft 2015 im Pariser Klimaabkommen gesetzt.

Der Erfolg des Gipfels war allerdings von vornherein dadurch in Frage gestellt, dass viele Staats- und Regierungschefs gar nicht erst teilnahmen. Nur etwa 60 Staatenlenker waren anwesend - das ist weniger als die Hälfte der 136 Staats- und Regierungschefs, die sich für die am Dienstag beginnende Generaldebatte der UNO in New York angekündigt haben.  

Überraschend erschien beim Klimagipfel US-Präsident Donald Trump - allerdings setzte er sich nur für einige Minuten ins Plenum. Trump hat den menschengemachten Klimawandel angezweifelt und den Austritt seines Landes aus dem Pariser Abkommen angekündigt. Komplett fern etwa Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro, unter dessen Regierung die Vernichtung der Regenwälder im Amazonasgebiet Rekordausmaße erreicht hat.  

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