Wirtschaft

Wirtschaftsinstitut der Böckler-Stiftung sieht derzeit "akute Rezessionsgefahr"

  • AFP - 12. September 2019, 10:18 Uhr
Bild vergrößern: Wirtschaftsinstitut der Böckler-Stiftung sieht derzeit akute Rezessionsgefahr
Containerterminal in Hamburg
Bild: AFP

Zwei weitere Wirtschaftsinstitute haben vor einer Rezession in Deutschland gewarnt und auf die derzeit schwache Industrieproduktion verwiesen - Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung und das Ifo-Institut.

Zwei weitere Wirtschaftsinstitute haben vor einer Rezession in Deutschland gewarnt und auf die derzeit schwache Industrieproduktion verwiesen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte am Donnerstag seinen aktuellen Konjunkturindikator, der ein Rezessionsrisiko von 59,4 Prozent aufwies - nach 43 Prozent im August. Das sei der höchste Wert seit dem Winterhalbjahr 2012/2013. Es bestehe eine "akute Rezessionsgefahr".

Indikatoren für dieses Szenario seien rückläufige Zahlen für Produktion und Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe, weniger offene Stellen auf dem Arbeitsmarkt und eine "gedrückte Stimmung in der deutschen Wirtschaft", erklärte das Institut. Grund dafür sind demnach vor allem die außenwirtschaftlichen Risiken, also vor allem ein drohender harter Brexit und Handelsstreitigkeiten. Außerdem gebe es strukturelle Schwächen in einigen Branchen, etwa der Automobilindustrie.

Gefragt sei daher die Wirtschaftspolitik in Deutschland. Außerdem erhöhe sich der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Geldpolitik weiter zu lockern. 

Auch das Münchner Ifo-Institut geht davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal um 0,1 Prozent schrumpft - zusammen mit dem Minus von ebenfalls 0,1 Prozent im zweiten Quartal wäre das eine technische Rezession. Wegen des Wachstums zum Jahresbeginn und einer erwarteten Erholung am Jahresende rechnet das Ifo unter dem Strich für 2019 trotzdem mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Zuvor waren die Forscher allerdings noch von 0,6 Prozent ausgegangen.

"Die Schwäche in der Industrie breitet sich wie ein Ölfleck nach und nach in andere Wirtschaftszweige aus", warnte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Konjunkturschwäche habe zudem mittlerweile "ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen". Die Arbeitslosigkeit steige bereits den vierten Monat in Folge und immer mehr Unternehmen meldeten Kurzarbeit an.

Am Mittwoch hatte bereits das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) erklärt, dass es von August bis Ende September eine Rezession erwartet. Das IfW geht sogar von einem Minus von 0,3 Prozent im dritten Quartal aus.

Weitere Meldungen

Deutsche Unternehmen gegen Schutzmaßnahmen gegenüber China

Berlin - Die deutsche Wirtschaft warnt die EU vor protektionistischen Maßnahmen gegenüber China. Nur 6,5 Prozent der Firmen sprechen sich für Schutzzölle gegenüber der

Mehr
Chinesischer Batteriehersteller prüft Expansion in Deutschland

Berlin/Peking - Der chinesische Batteriehersteller CATL denkt über weitere Werke in Deutschland nach. "Wir prüfen eine Expansion", sagte Europachef Matthias Zentgraf der "Welt"

Mehr
Steuerzahlerbund gegen staatlichen Überbrückungskredit für Condor

Berlin - Der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, hat sich gegen einen durch die Bundesregierung finanzierten Überbrückungskredit für die Fluglinie Condor

Mehr

Top Meldungen

Commerzbank-Chef erwartet Marktbereinigung

Frankfurt/Main - Die Commerzbank rechnet angesichts der schwierigeren Rahmenbedingungen mit mehr Bankfusionen und Übernahmen in Europa. Durch das aktuelle Zinsniveau und die

Mehr
Wirtschaftsverbände fordern Senkung der Unternehmensteuern

Berlin - Der Außenhandelsverband BGA und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) haben ihre Forderung nach einer geringeren Unternehmensbesteuerung bekräftigt. "Es ist

Mehr
Verbraucherschützer fordern Insolvenzversicherung für Airlines

Berlin - Nachdem der Ferienflieger Condor eine Bürgschaft des Bundes beantragt hat, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) eine verpflichtende Insolvenzversicherung

Mehr